Bei einer Umfrage auf dem Weilheimer Kita-Fachtag nannten 85 Prozent der Fachkräfte Wertschätzung als wichtigstes Anliegen.
„Vielfalt schafft Zukunft“ – so lautete das Motto der zweiten Weilheimer Fachtagung für pädagogisches Personal in Kindertageseinrichtungen (Kitas) und Schulbetreuung. Dementsprechend betonten die anwesenden Politiker – unter ihnen Landrätin Andrea Jochner-Weiß –, dass „gute Erzieher der Schlüssel für eine offene, gerechte Gesellschaft“ seien.
Diese Meinung vertrat auch Ministerialdirektor Christian Schoppik, der an diesem Tag eine der Schirmherrinnen der Tagung, Bayerns Sozialministerin Ulrike Scharf (CSU), vertrat. Gerade die wachsende Heterogenität der bayerischen Bevölkerung sei doch eine zentrale Herausforderung.
Nach Jahrzehnten des Rückgangs würden die Geburtenraten in Bayern zwar derzeit steigen, jedoch „ausschließlich durch Migration“. Sprach- und kulturelle Probleme kämen daher auf die Pädagogen zu. Vor allem, um den „Wertekonsens zu erhalten“, der Bayern ausmacht, und um die Kinder zu „unverführbaren, aufrechten und kritischen Demokraten“ zu erziehen, sei es daher laut Schoppik nötig, „in die Kompetenz der pädagogischen Fachkräfte zu investieren“.
Als Vertreter der bayerischen Staatsregierung versprach er, von den Problemen der Pädagogen im Einsatz zu wissen und für ihre Interessen zu kämpfen. Dennoch zeigte eine nachfolgende Live-Umfrage unter den rund 350 anwesenden Fachkräften in der Weilheimer Stadthalle, dass zwischen Anspruch und Realität noch eine große Lücke klafft. 85 Prozent der Pädagogen gaben an, dass sie sich vor allem von der Politik mehr Wertschätzung wünschen, noch vor den Eltern oder den Institutionen.
Konkret gaben sie an, dass vor allem das Thema Geld und Lohnpolitik für Verstimmungen sorgt. Immerhin 65 Prozent der Anwesenden hielten die aktuelle Lohnpolitik für den größten Störfaktor in der Arbeit, während eine ähnlich hohe Zahl das Thema Verdienst als wichtigsten Wohlfühlfaktor angab, noch vor Teamzusammenhalt oder Work-Life-Balance. Ein deutliches Zeichen. Ob sich deshalb jedoch kurzfristig etwas an der Lohnpolitik ändert, bleibt fraglich: Ministerialdirektor Christian Schoppik zumindest hatte den Saal bereits wieder verlassen, bevor die Umfragen begannen.
Dafür erhielten die Anwesenden in der Folge eine Reihe von Workshops und Fachvorträge über Theorie und Praxis der Pädagogik, von einem Vortrag zum Thema Inklusion bis hin zu einem Workshop über Stressbewältigung und heilsames Wickeln, gab es allerlei Angebote, sich auszutauschen und fortzubilden.
Neue Blickwinkel statt Revolution
Das Ziel war dabei nicht, die gesamte Pädagogik zu revolutionieren, sondern „neue Blickwinkel“ auf die veränderten Realitäten in den Kitas, Familien und Schulen zu schaffen, so Gastredner Timm Albers von der Universität Paderborn.