Schüler gründen Firmen: Oberbayerische Schule organisiert Adventsmarkt mit unternehmerischen Hintergrund

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An ihrem Stand „Christmas Decoration Wonders“: (v. li.) Leni, Lucie, Lisa und Cian. © Arndt Pröhl

154 Kinder der Tölzer Montessori-Schule gründeten eigene Firmen. Der Weihnachtsverkauf war ein voller Erfolg. Das Planspiel fördert unternehmerisches Denken.

Bad Tölz – An der Tölzer Montessori-Schule wurde wieder intensiv gewerkelt, kalkuliert und organisiert: Das Planspiel „Mini-Tölz“ hat 154 Schulkinder in junge Unternehmer verwandelt. Auch Kindergarten und Krippe beteiligten sich wieder. Höhepunkt war der Weihnachtsverkauf am Donnerstag, bei dem die selbst gegründeten Kinderfirmen ihre Produkte präsentierten.

Schon eine Woche vor dem Verkauf begann in der Seifen- und Kerzenwerkstatt die Produktion. „Wir haben am Montag angefangen, die Kerzen zu basteln und die Badekugeln herzustellen“, erzählt Sama (11) aus der 6. Klasse. Ihre Mitschülerin Valentina (13) ergänzt: „Wir haben alte Seife geraspelt und wiederverwendet.“ Dazu entstanden rund 20 Kerzen. Jede koste 4 Monti-Taler (MT), die Währung des Planspiels. „Für eine Kerze haben wir ungefähr zwei Stunden gebraucht.“

Schüler produzieren Artikel für Verkauf selbst

Auch in anderen Werkstätten herrschte reger Betrieb. Leni (10), Lucie (12), Lisa (11) und Cian (11) fertigten Weihnachtsdekoration aus Kordel und Wolle. „Wir haben auch Christbaumkugeln selber gemacht, Teelichtgläser verziert und Schneemann-Teelichter gebastelt“, sagt Lisa. Die Vorbereitungen seien „anstrengend“ gewesen, fügt Cian hinzu. Doch am Verkaufstag laufe das Geschäft „sehr gut“.

An ihrem Stand „Seifen- und Kerzenwerkstatt“: (v. li.) Laura, Sama und Valentina.
An ihrem Stand „Seifen- und Kerzenwerkstatt“: (v. li.) Laura, Sama und Valentina. © Arndt Pröhl

„24 Firmen haben dieses Jahr mitgemacht – gegründet und organisiert von den Kindern selbst, mit allem, was dazugehört“, sagt Schulleiterin Christina Rothleitner. Sieben Wochen lang hätten die Lehrkräfte und das Schulleitungsteam das Projekt geplant. Anschließend haben die Schüler ihre Firmenstrukturen organisiert, kalkuliert und aufgebaut. „Das Ziel ist es, dass die Kinder in ihren Rollen bleiben – die Lehrkräfte und Coaches auch“, betont Rothleitner. Sie sollen in die Selbstverantwortung gehen und erfahren, wie es sei, Chef zu sein und damit einhergehend, auch soziale Verantwortung für ihre Mitarbeiter übernehmen.

Schüler agieren in Wirtschaftssystem

Zum Planspiel gehört ein komplettes Wirtschaftssystem: Firmenkonten, Budgets, Bewerbungen für Arbeitsplätze, tägliche Arbeitspläne und Steuern. „Die Kinder lernen, wie Geldflüsse funktionieren, warum man ein Firmenkonto braucht und wie man kalkuliert“, so Rothleitner. Die Erfahrungen wirkten oft weit über das Projekt hinaus. „Mini-Tölz ist wie Monopoly in groß – aber real gestaltet und hilfreich für echte Lebenssituationen.“

Seit 2014 gibt es das Planspiel an der Schule. Seither wurde es kontinuierlich weiterentwickelt. In diesem Jahr nahmen so viele Kinder teil wie noch nie. Pro Woche investierten sie vier bis sechs Stunden in die Gestaltung ihrer Produkte und Stände. „Es war eine sehr dichte Zeit“, sagt Rothleitner. „Aber wenn am Ende alles läuft und die Eltern Schlange stehen, ist das toll.“