So revolutionierte ein Verein aus Niedersachsen einst den Fußball

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Geld regiert den Fußball. Der Verein, der große Werbesummen in der Bundesliga erst möglich machte, kommt aus Niedersachsen. Aus einem besonderen Grund.

Braunschweig – Im Profifußball geht es um Millionensummen. Nicht nur kosten teure Spieler mehr Geld, als so mancher Fan je in seinem Leben auf seinem Konto haben dürfte. Auch sind der Sport und die Werbung sind untrennbar miteinander verbunden, es fließt viel Geld. Schließlich brauchen die Vereine dieses, um sich die guten Kicker holen zu können.

Ohne Werbung könnte sich wohl kein Verein Stars wie Kylian Mbappé leisten, der laut transfermarkt.de aktuell mit einem Marktwert von 180 Millionen Euro der teuerste Spieler der Welt ist. Stürmerkollege Neymar wechselte für sagenhafte 222 Millionen Euro den Club.

Trikotwerbung ist aus der Bundesliga nicht mehr wegzudenken

Ein wichtiger finanzieller Aspekt für die Vereine ist hierbei die Trikotwerbung, denn schließlich ist diese während der Spiele am allerbesten zu sehen. Der FC Bayern München beispielsweise erhält von der Deutschen Telekom schätzungsweise 50 Millionen Euro pro Saison.

Mit dem Jägermeister auf der Brust erspielte sich Bernd Gersdorff immerhin ein Länderspiel.
Mit dem Jägermeister auf der Brust erspielte sich Bernd Gersdorff immerhin ein Länderspiel. © imago images

Doch das war nicht immer so. In den Anfangsjahren der Bundesliga zierten die Trikots nur die Vereinswappen. Dass sich das jedoch änderte, dafür sorgte eine Mannschaft aus Niedersachsen: Eintracht Braunschweig. Als erstes Team liefen die Löwen 1973 mit Trikotwerbung auf, auch wenn sich der Deutsche Fußball-Bund lange dagegen sträubte.

1967 hatte das ebenfalls klamme Wormatia Worms erfolglos versucht, durch Trikotwerbung Geld zu verdienen, noch bevor es dazu DFB-Statuten gab, die daraufhin schnell geändert wurden. Danach war Trikotwerbung in Deutschland schlicht verboten. Als international erster Fußballverein mit Trikotsponsoring gilt Penarol Montevideo aus Uruguay. Dort gab es dieses bereits Mitte der 1950er Jahre.

DFB stimmt Trikotwerbung schließlich doch zu

Nicht jedoch in Deutschland. Es hieß, das „hohe Gut“ Fußball sei fern von jedem Geld. Doch letztlich war der wirtschaftliche Aspekt doch zu entscheidend. Am 27. Oktober 1973, nachdem die Braunschweiger Trikotwerbung sich ein halbes Jahr lang etabliert hatte, gab der DFB schließlich die Trikotwerbung für alle Clubs frei.

Trikot
Der dasmalige Jägermeister-Chef Günter Mast im Jahr 1985. © dpa

Erstmals lief die Eintracht aber bereits davor, am 24. März 1973, mit einem Logo eines Trikotsponsors auf. Der „Jägermeister“-Hirsch prangte auf den Jerseys. Monatelang hatten Club und Verband zuvor gestritten. Sogar die Schiedsrichter hatte eine klare Anweisung bekommen, nicht anzupfeifen, wenn Braunschweig in Jägermeister-Trikots auflief.

Jägermeister-Chef freut sich, dass über seine Marke diskutiert wird

Firmenchef Günter Mast hätte sich auch darüber gefreut: „Aber das war das, was ich wollte, denn das wurde ja diskutiert“, äußerte Geschäftsmann. Eine Firma, über die die Massen diskutieren, ist natürlich genau das, was man als Marketing für seine Firma will.

Jägermeister
Eintracht Braunschweig lief als erste Bundesliga-Mannschaft mit einem Trikotsponsor auf. © Werner Baum/dpa

Schon längst waren sich die Braunschweiger mit dem Likörhersteller einig gewesen. Bereits im Januar segnete die Mitgliederversammlung deutlich ab, dass der Braunschweiger Löwe mit einem Jägermeister-Hirsch zu ersetzen sei. Doch der DFB spielte nicht mit. Es ging vor die Gerichte, und es schien keine Lösung zu geben. Bis dann ein Trick dafür sorgte, dass die Eintracht schließlich doch mit den Hirsch-Trikots spielte. Der BTSV machte den Hirschen schlicht zu seinem Vereinswappen.

Zunächst flossen 100.000 Mark von Jägermeister an Eintracht Braunschweig

Dagegen konnte dann auch der DFB nichts machen, der vorerst zustimmte. Jägermeister zahlte 100.000 Mark an Braunschweig, der Deal war perfekt. Im ersten Spiel gegen Schalke galt lediglich die Regel, dass der Namenszug der Firma nicht erscheinen durfte. Sogar Pläne, den Verein in „Jägermeister Braunschweig“ umzubenennen, standen im Raum.

Dazu kam es dann doch nicht, doch der Siegeszug der Trikotwerbung war unaufhaltsam. Erst 1987 kehrte dabei der Braunschweiger Löwe auf die Trikots des BTSV zurück. Über den 2011 verstorbenen Mast sagte der ehemalige Bayern-Präsident Uli Hoeneß einst, er habe den Fußball „als Werbeträger entdeckt“. Eintracht Braunschweig startete zwar die Trikot-Revolution, spielt aktuell (Stand: 2024) jedoch nur noch in der 2. Bundesliga.

Auch einer der größten Stadtwälder Deutschlands liegt in einer Stadt in Niedersachsen, ebenso wie der einzige unterirdische Zoo Deutschlands. (cgsc)

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