Skifahren ist in Österreich Kulturgut, Helmtragen bleibt aber Ehrensache. Im Nachbarland Italien gilt jetzt die Pflicht. Könnte Österreich bald nachziehen?
Wien – Österreich startet mit viel Schnee in die Wintersaison, das sorgt bei Wintersportfans für gute Laune. Ein Großteil der Skifahrer auf den Pisten der Alpenrepublik trägt bereits Helm – freiwillig. Im Nachbarland Italien geht man noch einen Schritt weiter: Dort gilt seit November in allen Skigebieten erstmals die Helmpflicht, und zwar für alle, egal ob auf Ski, Snowboard oder Schlitten. Bisher mussten nur unter 18-Jährige einen Helm tragen. Könnte so eine Regel auch in der Skination Österreich kommen?
Skifahren zählt in Österreich zum Kulturgut. Dieser Meinung sind laut dem Intersport Skireport auch 81 Prozent der Befragten. In etwa jeder zweite Österreicher kann Skifahren. Gerade in Bundesländern wie Tirol oder Vorarlberg stehen Kinder oft schon mit zwei Jahren auf den Brettern und Rentner auch noch bis ins hohe Alter. Auf den Skipisten der Alpenrepublik müssen nur Jugendliche unter 15 Jahren Helm tragen – mit Ausnahme von Tirol und Vorarlberg, wo es diese Regel nicht gibt. Für alle anderen Altersklassen ist der Kopfschutz lediglich eine Empfehlung.
Erhöht Olympia den Druck? Strengere Regeln in Italien
Italien hat als Gastgeberland der Olympischen Winterspiele in dieser Saison eine besondere Verantwortung. Wer dort künftig ohne den Kopfschutz erwischt wird, muss laut ADAC zwischen 100 und 150 Euro Strafe zahlen. Zudem droht der Entzug des Skipasses. Damit ist das Land Vorreiter, denn weder in der Schweiz, noch in Frankreich oder Deutschland gilt bislang eine Helmpflicht. Doch wie realistisch wäre eine Regel in Österreich? Aus Sicht der Wissenschaft ist die Antwort klar: Eine Meta-Analyse zeigt, dass das Helmtragen die Wahrscheinlichkeit von Kopfverletzungen um 35 Prozent reduziert.
Derzeit scheint die Meinung in Österreich eindeutig: Der Österreichische Alpenverein empfiehlt seit Längerem das Tragen von Skihelmen – lehnt eine Verpflichtung der Skifahrer zum Tragen des Kopfschutzes aber ab. In Vorarlberg sieht man das ähnlich. Das Kuratorium für Verkehrssicherheit (KfV) betont, es trügen ohnehin genügend Menschen einen Helm. Die Quote liegt bei den Wintersportlern über alle Altersgruppen hinweg laut KfV in Vorarlberg bei 98 Prozent, wie ORF berichtet. Eine Pflicht ist aus Sicht der Verantwortlichen deshalb nicht nötig.
Helmtragen für viele junge Menschen längst Selbstverständlichkeit
Am Ende ist das Helmtragen womöglich auch eine Generationenfrage: Eine wissenschaftliche Studie der Schweizer Beratungsstelle für Unfallverhütung (BFU) aus dem Jahr 2025 kam zu dem Schluss, dass insbesondere Frauen und jüngere Menschen häufiger Helm tragen. Für die junge Generation scheint sich die Frage gar nicht zu stellen: Für junge Menschen sei „das Helmtragen längst normal und weder uncool noch unnötig. Denn selbst geübte Fahrer können Unfälle nicht immer verhindern – ein Helm bietet Schutz in unkontrollierbaren Situationen“, so ein Kommentar der Kleinen Zeitung.
Tragen oder nicht tragen – das ist am Ende auch eine Kostenfrage. Denn selbst in Ländern ohne Helmpflicht können Versicherungen Leistungen kürzen, wenn Skifahrer keinen Helm tragen und sich bei einem Sturz den Kopf verletzen, mahnt der ADAC. Das bestätigte auch die Grazer Wechselseitige Versicherung, „insbesondere wenn der Helm das Verletzungsrisiko deutlich reduziert hätte.“ In einem weiteren Punkt ist Italien Vorreiter: Auf den Pisten des Landes gilt ab sofort auch eine Promillegrenze von maximal 0,5. Wer darüber liegt, zahlt laut ORF bis zu 1.000 Euro Strafe. Ab 0,8 Promille droht sogar eine Anzeige. Im Après-Ski-Paradies Österreich ist auch das derzeit undenkbar. (Quellen: Grazer Wechselseitige, Studie BFU, Metaanalyse, Kleine Zeitung, ORF, dpa, ADAC) (bme)