Die heimliche Lokalmatadorin: Tirolerin Stephanie Venier hat nur 53 Kilometer zur Kandahar

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In Garmisch-Partenkirchen hat sie immer gut lachen: Stephanie Venier (M.) fühlt sich wohl auf der Kandahar. © CF

Bei den Frauen sucht man derzeit vergeblich nach einer Lokalmatadorin im deutschen Ski-Team für die Speed-Rennen in Garmisch-Partenkirchen. Die Tirolerin Stephanie Venier spricht derweil von „Heimrennen“.

Garmisch-Partenkirchen – Katja Seizinger wohnte einst oberhalb des Rießersees, Maria Höfl-Riesch kam direkt aus Garmisch-Partenkirchen, echte Lokalmatadorinnen beim Weltcup der Frauen auf der Kandahar sind aber eine Rarität – selbst in der rosigeren Vergangenheit war das nicht anders. Der Skiclub Garmisch stellte einige Talente, die sich mal in den Speed-Disziplinen versuchen durften. Aktuell aber sucht man vergeblich nach einer heimischen Athletin. Die sind gerade eher bei den Männern in Simon Jocher und Luis Vogt zu finden.

Venier fährt nur 45 Minuten nach Garmisch-Partenkirchen und fühlt sich pudelwohl

Eine Lokalmatadorin aber gibt es doch, eine heimliche quasi. Stephanie Venier sagt ganz offen, dass sich die Rennen in Garmisch-Partenkirchen als ihren „Heim-Weltcup“ bezeichnet. Die Österreicherin lebt fast schon um die Ecke. Sie kommt aus Oberperfuß im Inntal am Eingang des Sellraintals. 53 Kilometer sind es für Tirols Sportlerin des Jahres 2023 und Vize-Weltmeisterin von 2017 in St. Moritz.  Damit wohnt sie näher an der Kandahar als Deutschlands Top-Abfahrerin Kira Weidle-Winkelmann aus Starnberg. „45 Minuten fahr‘ ich“, sagt Venier. Um sich gleich augenzwinkernd zu korrigieren: „Sag ma lieber 50 Minuten, sonst steht die Polizei da, wenn ich heimfahre.“

Die letzte große Lokalmatadorin: Maria Riesch gewann 2010 beim Weltcup-Finale die Abfahrt auf ihrer Heimstrecke, der Kandahar
Die letzte große Lokalmatadorin: Maria Riesch gewann 2010 beim Weltcup-Finale die Abfahrt auf ihrer Heimstrecke, der Kandahar © Kornatz

Ihr Faible für die Kandahar hat einen Grund. Gerade mal drei Wochen vor ihrem WM-Coup 2017 war sie in Garmisch-Partenkirchen beim Super-G erstmals überhaupt aufs Podest gefahren. 2019 gewann sie dann sogar die Abfahrt im Werdenfelser Land – ihr erster von bisher drei Weltcup-Triumphen. „Für mich ist Garmisch wie ein Heimrennen, ich fahre sogar nach St. Anton länger. Garmisch hat bei mir immer einen besonderen Platz, ich komme immer wieder gerne hier her.“ Das tun auch Familie und Freunde, die die Tirolerin an diesem Wochenende lautstark und zahlreich unterstützen werden.

Verzicht auf eine Knie-Operation im Sommer 20214

Venier musste im vergangenen Jahr eine schwierige Entscheidung treffen. Ihr Orthopäde konfrontierte sie mit der Nachricht, dass ihr Knorpel im Knie überhaupt nicht gut beieinander wäre, er sie eigentlich aus dem Skisport rausnehmen müsste. Ein Hammer für die 31-Jährige, da heuer doch die WM im eigenen Land in Saalbach-Hinterglemm ansteht. Am Ende entschied sie gegen eine Operation und lange Auszeit, wählte die Option, das Knie zu schonen, in der Vorbereitung sehr dosiert zu arbeiten und die Muskulatur gezielt aufzubauen. Und so den WM-Winter in Angriff nehmen zu können.

In St. Anton zuletzt überzeugte sie mit den Rängen zwei und fünf, im Training auf der Kandahar ließ es noch mit Bedacht angehen. Rang 14 war es am Freitag. Nach den nassen und langsamen Schneeverhältnissen am Donnerstag zeigte die Piste ihr wahres Gesicht. „Ich bin oben angefahren und hab‘ gleich wieder gewusst: Oh, da war doch mal was.“ Die Fahrt in Richtung Tal beschreibt sie fast schon unheimlich: „Es ist dunkel, schlagig, unruhig, und der Abschnitt da unten heißt nicht umsonst Hölle. Er ist wirklich wie eine Hölle. Dunkel, du siehst genau gar nichts. Da lässt du am besten einfach die Ski laufen, dann bist du schnell durch.“

Venier sieht die Kandahar als große Herausforderung für die Damen

Die Kandahar sieht sie grundsätzlich als große Herausforderung für den Damen-Rennzirkus. „Es ist nie einfach, hier zu fahren, weil es auch Frau Holle oft nicht gut mit uns meint. Wobei die Strecke wirklich sehr, sehr gut hergerichtet ist.“ Passagen wie die Hölle würden gerade die nicht so erfahrenen Rennläuferinnen enorm fordern. „Es ist gerade, es ist eng, du musst da gerade setzen. Für uns Damen ist es da schon gescheiter, an einigen Stellen die Geschwindigkeit rauszunehmen, weil wir sonst schnell überfordert sind.“ Venier meint das ernst. „Ja, es ist so. Man darf ja nicht nur an die ersten 30 denken, sondern muss auch auf die Hinteren Rücksicht nehmen.“ Mit ein bisschen Sonne im Hang wäre alles ein wenig einfacher, „aber die kommt halt selten über den Berg, und deswegen sehen wir einfach gar nichts.“ Zumindest das ging allen Rennläuferinnen vorher ähnlich – ega, wie sie hießen und vorher sie kamen. Denn an der Lage der Kandahar hat sich nichts verändert. Venier macht deutlich: „Sie ist einfach anspruchsvoll.“

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