Die Schaukäserei Ettal kommt in neue Hände. Per se eine bedauerliche Nachricht. Doch sind mit der Übernahme womöglich auch Chancen verbunden. Zumindest gibt es diese Hoffnung.
Eigenständig funktioniert‘s nicht mehr. Deshalb holt sich die Schaukäserei Ettal, bislang von einer Genossenschaft geführt, einen Partner an die Seite. Ab 1. Oktober übernimmt die Schönegger Käse-Alm den Betrieb. Keine unbedeutende Veränderung in Sachen Regionalvermarktung und Tourismus. Eine, die aber positive Effekte hervorrufen kann. Zumindest fallen so die ersten Einschätzungen aus.
Klement Fend: Die Idee für die Schaukäserei ist 1998 entstanden, im Rahmen eines Auftrages an das Alpenforschungsinstitut mit dem Titel „Umweltgerechte Vorbereitung und Durchführung der Passionsspiele im Jahr 2000“. Zu dieser Zeit fungierte Klement Fend als Bürgermeister von Oberammergau. Das Kloster und er griffen den Vorschlag auf und setzten ihn mit 37 Mitstreitern um. Fend gehörte zu den Köpfen, war Geschäftsführer, bis er sich 2019 wegen der Doppelbelastung mit dem Kolbensattel von der Position zurückzog. 2020 schied er altersbedingt satzungsgemäß als Vorstand aus. Bis heute ist er Vertreter der Gesellschafter, kennt die Entwicklungen, die den aktuellen Schritt einläuteten. Die Umsätze brachen in der Coronazeit ein. Über die Soforthilfe hinaus bekam die Käserei keine Überbrückungshilfen, sagt er. Außerdem konnten die überproportional gestiegenen Material-, Wareneinkauf- und Personalkosten nicht eins zu eins im Großhandel weitergereicht werden. Als größtes Betriebsrisiko bezeichnet er aber, geeignetes Personal in der Produktion zu finden.
Sich rechtzeitig einen Partner zu suchen – der richtige Schritt, findet Fend. Dies sei mit der Schönegger Käse-Alm gelungen. „Ich meine, dass es die beste Lösung ist.“ Gleichzeitig erinnert er an die Anfänge. Was in Ettal damals gelungen ist, „darauf dürfen wir alle auch heute noch stolz sein“. Eine Geschichte, die nun vom neuen Partner fortgeschrieben wird. Der Ammergauer freut sich, dass es weitergeht und die Werte Tradition, Regionalität und Qualität neu gelebt werden.
Anton Speer: Wie Fend war Anton Speer ein Mann der ersten Stunde, übernahm sogar den Posten des Vertriebsleiters. Bis er 2014 zum Landrat gewählt wurde. Wegen der vielfältigen Aufgaben musste er sich aus dem Geschäft zurückziehen, Tipps gab er seinem Nachfolger gerne, wenn gewünscht. Speers Herz hängt an der Regionalvermarktung, an der Schaukäserei. Die Augen vor der Realität verschließt er aber nicht. „Man darf nichts schönreden“, betont der Unterammergauer, bis heute Genosse. „Aber die Situation war schwierig ohne Käser.“ Er steht in Kontakt mit anderen kleineren Käsereien. Alle, behauptet der Kreischef, tun sich schwer, positive Zahlen zu schreiben.
Für Speer steht nun im Mittelpunkt, an einem Strang zu ziehen. Und vor allem, das Angebot aufrechtzuerhalten. Das hat oberste Priorität. Dass es Bestrebungen gibt, dieses sogar mit neuen Erlebnissen weiter auszubauen, begrüßt er ungemein. Zu wichtig ist es, dass der Betrieb am Mandlweg dem Tourismus und der Regionalvermarktung nicht wegbricht. Viel mehr sieht der Landrat Synergieeffekte – zum Beispiel im Bildungsbereich mit den Naturparkschulen.
Vanessa Voit: Ins gleiche Horn stößt Vanessa Voit. Gleichwohl bedauert Ettals Bürgermeisterin, dass die Schaukäserei mit ihren vorausblickenden Grundgedanken nicht mehr alleine agieren kann. Schließlich sei die Idee, darunter das Genossenschaftsmodell, „richtig toll“ gewesen. Hinzukommen die Menschen, die sich engagiert haben. „Da waren brutal viele Leute im Ort mit Herzblut dabei“, betont die Rathauschefin. „Für sie ist das jetzt sicher furchtbar.“
Dem Fortbestehen misst sie große Bedeutung zu. Unter anderem, weil Themen wie Nachhaltigkeit, Regionalvermarktung, Landwirtschaft und Wertschöpfungskreise eine wichtige Rolle einnehmen. Die man weiter bespielen und vermitteln sollte. Wenn das neue Konzept darauf abzielt, hätte das einen „riesengroßen Wert für uns“, betont Voit, die aus der Presse von der Übernahme erfahren hat. „Vielleicht ist es eine Form der Neuausrichtung, die Chancen birgt.“ Sie hofft auf eine enge Zusammenarbeit mit der Gemeinde und Institutionen wie den Ammergauer Alpen.
Simon Bauer: Dem kann sich Simon Bauer nur anschließen. Der Geschäftsführer der Ammergauer Alpen GmbH und sein Team sind froh darüber, dass das Angebot in der Region erhalten bleibt und geplant ist, dieses noch zu erweitern. Viele Gastgeber und Leistungspartner bezogen ihren Käse aus Ettal, sagt er. Dies ist nun über die Schönegger Käse-Alm weiterhin möglich. Schon jetzt reicht er dieser die Hand. „Als touristische Destination sind wir gerne mit an Bord, wenn es um die Vermarktung beispielsweise von Erlebnisangeboten wie einem Käsekurs oder der Produkte an sich geht.“