80 Jahre Kriegsende: Stadt Freising plant vielseitiges Programm

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Damit sich die Freisinger ein Bild vom Kriegsende und der Befreiung von der NS-Herrschaft vor 80 Jahren machen können, haben (v. l.) Florian Notter (Leiter des Stadtarchivs), Marion Steinhauser (Kulturamt), Andrea Berger (Stadtarchiv), Markus Bader, Leiter des Kulturamts), OB Tobias Eschenbacher und Ernst Fischer ein eindrückliches Programm zusammengestellt. © Lehmann

Vor 80 Jahren ging der 2. Weltkrieg zu Ende: Mit einem vielseitigen Programm würdigt die Stadt Freising die Befreiung von der NS-Diktatur.

Freising - Für Freisings Oberbürgermeister Tobias Eschenbacher ist das Ende des 2. Weltkriegs brandaktuell, auch wenn es schon 80 Jahre zurückliegt. „Wer von uns hätte vor einigen Jahren gedacht, dass das Gedenken an 80 Jahre Befreiung und Ende des 2. Weltkriegs von einer realen Kriegssituation in Europa überschattet sein würde? Dass Nationalismus und Imperialismus mit ihrer ganzen Zerstörungskraft zurückgekehrt sein und zu einer ernsthaften Bedrohung geraten würde?“, schreibt er in den einleitenden Worten zu dem Programm, das am Montag im Rahmen eines Pressegesprächs vorgestellt wurde. „Gerade vor dem Hintergrund der aktuellen weltpolitischen Lage ist es notwendig, sich an das unermessliche Leid zu erinnern, das einst vom nationalsozialistischen Deutschland ausging.“

Dass die „fürchterliche Katastrophe“ auch vor der eigenen Haustür stattgefunden habe, betont Florian Notter, Leiter des Stadtarchivs: „Freising war eine fest im Nationalsozialismus verankerte Stadt.“ Umso wichtiger seien Gedenkveranstaltungen. „Denn geschichtliches Wissen ist die Grundlage, um Gefahren für Demokratie und Freiheit zu erkennen.“

Angebot richtet sich auch an Jugendliche ab zwölf Jahren

Von 18. April, dem Jahrestag des Fliegerangriffs auf Freising, bis zum 10. Mai, reicht das vielseitige Programm, das das Stadtarchiv gemeinsam mit den Kirchen, Pax Christi, dem Kreisbildungswerk (KBW) und dem Kulturamt auf die Beine gestellt hat. Gottesdienste und Radlwallfahrt, Filmabende, Führungen und eine musikalische Lesung – all das macht das Kriegsende und die Anfänge der Demokratie erfahrbar. Dabei richtet sich das Angebot auch an Jugendliche ab zwölf Jahren.

Das Programm zu 80 Jahre Kriegsende

Ein vielfältiges Programm macht in der Stadt Freising das Ende des 2. Weltkriegs und die Befreiung von der NS-Diktatur anhand lokaler Ereignisse erlebbar:

Gottesdienste: Ein Gottesdienst mit Pfarrer Heiko Blank erinnert am Freitag, 18. April, um 14.45 Uhr in der evangelischen Christi-Himmelfahrtskirche an die Zerstörung deren Zerstörung vor 80 Jahren. Ein „Zentrales Gedenken“ findet am Samstag, 26. April, um 17 Uhr bei einem ökumenischen Gottesdienst in der Christi-Himmelfahrts-Kirche statt. Flankiert wird die Messe von Fahnenabordnungen der Krieger- und Soldatenvereine.

Im Anschluss an das Patroziniumsfest, das am Sonntag, 27. April, um 10.30 Uhr in St. Georg zelebriert wird, finden Führungen zum Kriegsende und Turmbesteigungen statt: um 13.30, 14.45 und 16 Uhr. Anmeldung unter st-georg.freising@ebmuc.de. Eintritt: fünf Euro. Eine Andacht zum Gedenken an die Opfer des Todesmarsches findet am Sonntag, 27. April, um 18.30 Uhr in St. Michael Tüntenhausen statt.

Radwallfahrt und Führungen: „Auf den Spuren von Sr. Imma Mack“ verläuft die 34 Kilometer lange Radlwallfahrt, die von den Schulschwestern am Donnerstag, 1. Mai, um 9.30 Uhr vom Kloster St. Klara (Kammergasse 20) zur KZ-Gedenkstätte Dachau führt. KZ-Häftlinge versorgte Mack während der NS-Diktatur unter Lebensgefahr mit Nahrungsmitteln. Anmeldung bis 22. April an radlwallfahrt@schulschwestern.de.

„Kriegswege und Friedenspfade – eine alternative Stadtführung“ bieten Kreisbildungswerk und Pax Christi an den Samstagen, 3. und 10. Mai, mit Dieter Wittmann und Ernst Fischer an. Treffpunkt ist je um 14 Uhr der Marienplatz. Anmeldung per Mail an info@kbw-freising.de. Die Stadtführung „Bomben über Freising – der 18. April 1945 und seine Folgen“ mit Christina Metz findet am Freitag, 9. Mai, um 18.15 Uhr statt. Treffpunkt ist der Kiosk vor dem Freisinger Bahnhof. Anmeldung: stadtarchiv@freising.de. Um „Befreiung und Besatzung – Freising in den ersten Nachkriegsmonaten“ geht es bei Florian Notter am Samstag, 17. Mai, um 10 und 14.30 Uhr. Treffpunkt: Stabsgebäude der ehemaligen General-von-Stein-Kaserne. Alle Führungen sind kostenlos.

Filme und Musikalische Lesung: Am Dienstag, 29. April, um 19.30 Uhr wird im Asamsaal die Dokumentation „Als der Luftkrieg in unsere Heimat kam“ von Ernst Keller gezeigt. Am Donnerstag, 9. Mai, laufen im Asam um 19.30 Uhr die Filme „13. Juni 1944“, „13,5 km –Erinnerungen von Xaver Neumeier“ und Teile von „Hirnkirchen zur Zeit des Zweiten Weltkriegs“ von Marcus Siebler.

Unter dem Motto „Dass ein gutes Deutschland blühe“ findet am Samstag, 10. Mai um 15 Uhr im Asamsaal eine musikalische Lesung mit dem Schauspieler Roman Knizka und dem Bläserquintett OPUS 45 statt. Tickets (16 Euro) gibt es online unter freising.reservix.de oder im Asam. Im Anschluss gibt es ein Nachgespräch mit Raum für persönliche Erinnerungen.

Den Auftakt macht ein Gottesdienst am Karfreitag, 18. April, in der evangelischen Christi-Himmelfahrtskirche – in jenem Gotteshaus, das vor 80 Jahren beim Kriegerangriff zerstört wurde. Eine Besteigung des Kirchturms von St. Georg ist am Sonntag, 27. April, möglich. „Der Turm spielt eine wichtige Rolle am Ende des Kriegs“, erklärt Notter. Nicht nur, dass er am 29. April 1945 beschossen wurde, wo heute noch Spuren erkennbar sind. Mutige Menschen haben auf dem Turm auch die Weiße Fahne gehisst, die dann von der SS wieder heruntergenommen wurde.“

Ein Großteil der letzte Zeitzeugen lebt nicht mehr

Eine Stadtführung unter der Regie von KBW und Pax Christi führt auf „Kriegswege und Friedenspfade“. „Für mich ist das Erinnern nicht das Ziel, sondern daraus eine Haltung zu entwickeln und entsprechend zu handeln“, erklärt Organisator Ernst Fischer. Den Fokus auf die Nachkriegszeit richtet am 10. Mai eine Musikalische Lesung mit dem Bläserquintett Opus 45 und dem TV-Star Roman Knižka im Asam. Neben nachdenklichen Tönen erklingen Swing und Schlager. „Denn diese Zeit war auch geprägt von einer Sehnsucht nach Tanz und Unterhaltung“, erklärt Kulturamtsleiter Markus Bader. „Dieser Abend gibt auch Kraft und positive Energie.“

Bei aller Vielseitigkeit müssen die Veranstalter erstmals bei einer Gedenkveranstaltung zum Weltkrieg auf Personen verzichten, die lebendig von ihren persönlichen Erfahrungen erzählen können. „Auch ich bin als Jugendlicher an den Lippen von Zeitzeugen gehangen, wenn sie vom Krieg berichtet haben“, erzählt Notter. Noch vor zehn Jahren habe man bei einer Gedenkveranstaltung mit 18 Personen sprechen können, die die NS-Diktatur selbst erlebt hätten. „Aber davon ist inzwischen leider ein ganz großer Teil verstorben.“

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