16 Jahre Finanzchaos: Nach drei Anläufen liegt die Eröffnungsbilanz des Landkreises Freising endlich vor

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Einen „mittleren zweistelligen Millionenbetrag auf der hohen Kante“ hat der Landkreis Freising laut Landrat Helmut Petz. Das ist das Ergebnis nach 16 Jahren Finanz-Chaos. © IMAGO

16 Jahre hat es gedauert, nun liegt sie vor: die Eröffnungsbilanz des Landkreis Freising. Der Landrat spricht von einem Kraftakt, der wichtige Hinweise liefert.

Freising – Rückblick: Zum 1. Januar 2010 hat der Landkreis nach einem entsprechenden Kreistagsbeschluss auf die doppelte kommunale Buchführung, kurz: Doppik, umgestellt. Verpflichtende Voraussetzung dafür war eine Eröffnungsbilanz 2010. Die erste Version einer solchen Eröffnungsbilanz hatte der Kreistag jedoch erst zum November 2013 beschlossen. Nach eingehender Prüfung durch den Bayerischen kommunalen Prüfungsverband (BKPV) wurde die im Juli 2015 allerdings als unbrauchbar zurückgewiesen.

Beanstandete Sachverhalte überarbeitete die Landkreisverwaltung in den Jahren 2016 bis 2019, eine komplette Überarbeitung erfolgte nicht. Der BKPV stellte deshalb im März 2020 fest, dass die Dokumentation zur Eröffnungsbilanz nicht den gesetzlichen Anforderungen entspreche, weswegen im Rahmen der Prüfung weder das Verfahren noch das Ergebnis der Wertermittlungen beurteilt werden konnten.

Am Ende waren drei Versuche notwendig

Landrat Helmut Petz hat dann im Jahr 2020 die Landkreisverwaltung mit der Erstellung einer zweiten Version der Eröffnungsbilanz 2.0 beauftragt, die im Juli 2021 an die Regierung von Oberbayern als Rechtsaufsichtsbehörde übersandt wurde. Doch auch diese zweite Eröffnungsbilanz betrachtete der BKPV als unzureichend. Im Mai 2025 wurde der Landkreisverwaltung mitgeteilt, dass aufgrund der gravierenden Mängel eine dritte Version der Eröffnungsbilanz zu erstellen sei. Mit der Erstellung dieser „Eröffnungsbilanz 3.0“ wurde die bereits mit der Erstellung der Jahresabschlüsse ab 2010 betraute Wirtschaftsprüfungsgesellschaft Grant Thornton beauftragt.

„Die Eröffnungsbilanz 3.0 liegt nun vor“, hieß es dazu ganz nüchtern im Sachbericht zu diesem fast 600 Seiten umfassenden Werk, das Rüdiger Krischel von Grant Thornton in der Sitzung als „Meilenstein“ bezeichnete, den es durchaus zu feiern gelte. Und Krischel gab mit Blick auf die Vergangenheit ein Versprechen ab: „Eine Eröffnungsbilanz 3.1 oder 4.0 wird es nicht geben.“

Die Eröffnungsbilanz schließt mit einer Bilanzsumme von 154,5 Millionen Euro, davon allein 120,3 Millionen Euro an Sachanlagen. All das, was darin enthalten und aufgeführt ist, war die Grundlage für den ersten Jahresabschluss unter Doppik. Freudige Überraschung: Der Landkreis hat 2010 einen Jahresüberschuss von 8,1 Millionen Euro erwirtschaftet. Nun weiß man freilich immer noch nicht, wie der Landkreis finanziell im Jahr 2026 dasteht, aber die so wichtige Basis für die weiteren noch fehlenden Jahresabschlüsse ist gelegt. Und eines konnte Landrat Petz schon jetzt verraten: „Wir haben einen mittleren zweistelligen Millionenbetrag auf der hohen Kante.“

„Bis zur Erschöpfung gearbeitet“

Die Frage, die sich nun stellte, war, ob man pro Jahr drei Jahresabschlüsse bewerkstelligen könne, um schnellstmöglich auf der Höhe der Zeit zu sein. Krischel sagte, drei Jahresabschlüsse seien realistisch und machbar – mehr aber auch nicht. Denn die Finanzverwaltung des Landkreises sei laut Petz zu Beginn seiner Amtszeit im Mai 2020 mit nur vier besetzten Stellen von 17 vorgesehenen „in einem traurigen Zustand“ gewesen. Abteilungsleiter und Landrat hätten vor seiner Zeit „Druck gemacht, etwas zu leisten, was nicht zu leisten war“. Die Situation damals habe sogar Ehen zerrüttet.

Unter Petz sei die Abteilung sukzessive wieder aufgebaut worden, habe in den vergangenen Monaten und Jahren trotzdem weit über das Zumutbare hinaus „bis zur Erschöpfung gearbeitet“, so Petz. Damit müsse aber jetzt Schluss sein. Mit der Aussicht, pro Jahr drei Jahresabschlüsse zu erstellen, konnten die Kreisräte gut leben.

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