Dass die Kombinationshaltung (im Sommer sind die Kühe auf der Weide, im Winter angebunden im Stall) wie man sie auch aus dem Landkreis Garmisch-Partenkirchen kennt, für Zündstoff in der Bundesregierung und bei Tierschützern sorgt, ist schon lange kein Geheimnis mehr.
Unterammergau - Das Gesetz der Bundesregierung, welches beinhaltet, dass die Kühe im Winter zweimal wöchentlich Auslauf haben sollen, bedeutet für viele Betriebe das Aus, oder aber eine gewaltige finanzielle Belastung. „Wir haben die Situation, dass wenn der Winteraustrieb kommt, werden 90 Prozent aufhören“, so Klaus Solleder, Kreisobmann des bayerischen Bauernverbands und selbst Landwirt. Da im Landkreis besondere Bedingungen herrschen, trafen sich Politiker und Landwirte zu einer Besichtigung des Dorfes Unterammergau.
Ziel war hierbei zu verdeutlichen, warum der Winteraustrieb zweimal die Woche für viele Landwirte nicht umsetzbar ist. So sind gerade die Betriebe im Ort aufgrund unzureichender Fläche um den Hof nicht in der Lage, das Vieh im Winter auszutreiben und auch die klimatischen Bedingungen in der kalten Jahreszeit erschweren den Austrieb enorm. „Wenn wir die Viecher rauslassen, nach zwei Tagen da springen die, die reißen sich die Hax‘n ab“, erklärt Solleder. Zugleich wurde die Wichtigkeit der bäuerlichen Betriebe für den Erhalt der Landschaft und Artenvielfalt aufgezeigt.
Klaus Bär, MdB die Grünen, gibt zu bedenken, dass er statt einer Ablehnung des Gesetzes einen Lösungsvorschlag seitens der Landwirte erwarte. Immerhin seien bereits einige positive Änderungen an dem Gesetz vorgenommen worden, wie die Regelung bezüglich der Hofnachfolge. Doch dies bringe nichts, kontert Solleder, „wenn uns die Grundlage zur Betreibung genommen wird.“ Denn um Auszusiedeln - und somit mehr Platz um den Hof zu haben - müssten leicht 1.5 Millionen Euro in die Hand genommen werden. „Die Frage ist, was ist technisch möglich, was ist arbeitstechnisch möglich, auch wenn sich das für die Betroffenen ähnlich anfühlt“ gibt Bär zu Bedenken. Eine Frage, auf die es (noch) keine Antwort gibt, falls sich denn eine finden lässt.
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