Weil ein Baum zwischen dem Schloss Fußberg und dem Salettl umzustürzen droht, wird er in den nächsten Tagen gefällt. Das hat der Bauausschuss in seiner jüngsten Sitzung beschlossen.
Gautng – Schloss Fußberg direkt an der Würm ist die Gautinger Immobilie schlechthin. In der jüngsten Bauausschuss-Sitzung ging es um einen Baum, der unmittelbar davorsteht und das ganze Ensemble prägt: eine Blutbuche. Leider ist sie so marode, dass ihre Standfestigkeit nicht mehr gewährleistet ist. Der Ausschuss entschied mit 9:4 Stimmen: Sie muss weg, bevor sie umfällt und möglicherweise auf das Schloss oder das angrenzende Salettl stürzt. „Dafür übernehme ich als Rat nicht die Haftung“, sagte Harald Ruhbaum (MiFü 82131).
Dass dem Baum kein langes Leben mehr beschieden sein wird, hat ein Gutachten zweifelsfrei nachgewiesen. In der Beschlussvorlage war die Rede von einem „großflächigen einfaulenden Rindenschaden auf der Südwestseite des Stammes“ und von einem „abnehmendem Trend der Belastbarkeit“. Die Blutbuche ist 24 Meter hoch und weist einen Umfang von vier Metern auf. Das Alter konnte Naturschutzbeauftragter Andreas Wowra nicht genau beziffern. Aber 100 Jahre könnten es schon sein. Genaueres sei erst nach der Fällung an den Jahresringen abzulesen.
Im Ausschuss am Dienstag standen mehrere Optionen zur Debatte. Die eine: ein Rückschnitt sowie eine Stabilisierung mit Gummiseilen. So etwas ist in der Vergangenheit bei einem Baum an der Würm erprobt worden, in dessen Rinde sich seltene Insekten eingenistet hatten. Die Kosten: 10 000 Euro. „Damals hatten wir allerdings eine Spende“, erklärte Bürgermeisterin Dr. Brigitte Kössinger. Die andere Variante: Der Erhalt des Baumes und eine Neupflanzung an anderer Stelle. Auf diese Weise wäre gesichert, dass dem Jungbaum Zeit bleibt, groß und ökologisch vollwertig zu werden, bevor die alte Buche weichen muss. Die Kosten: 11 000 Euro. Oder man fällt den Baum zeitig um der Verkehrssicherheit willen, fräst den Wurzelstock und pflanzt an gleicher Stelle einen Jungbaum. Die Kosten: 6000 Euro.
Florian Egginger (CSU) erinnerte sich an einen Feuerwehreinsatz vor wenigen Jahren, als ein Ast vom Baum fiel. Damals herrschte kein Gartenbetrieb im Ristorante Gennaro, der Ast beschädigte nur ein Auto. Dass kein Mensch zu Schaden kam, war reines Glück. „Das hätte ganz anders ausgehen können“, sagte er. Harald Ruhbaum (MiFü 82131) fand auch schade, dass die Tage der Blutbuche gezählt sind, zumal in den letzten Jahren das Eschentriebsterben im Park gewütet hat. Aber: „Der Baum hat seine Schuldigkeit getan.“ Franz Jaquet erklärte es für normal, dass die Zeit irgendwann reif ist. „Das gilt für Bäume wie für Menschen.“
Andere hatten Bedenken. Stefan Berchtold (MfG) fragte nach, ob es am schlechten Zustand des Baumes nicht auch die Autos schuld sein können, die immer auf seinem Wurzelwerk parken. Das wollte die Bürgermeisterin nicht verneinen. „Es kann sein, dass das die Ursache ist.“ Vermutlich wird die Zufahrt über kurz oder lang so verkleinert, dass keine Pkw mehr einfahren können. Am Ende sprach sich das Gremium mit Mehrheit für die dritte Variante aus, die rasche Entfernung des Baumes mit anschließender Nachpflanzung. Neben Stefan Berchtold stimmten die Grünen-Gemeinderäte dagegen. Schon im Laufe der nächsten Tage soll es so weit sein.