„Politisches Wunschbild“: ÖDP und zwei Bürgermeisterkandidaten zweifeln an geplanter S7-Verlängerung

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Kommt sie oder kommt sie nicht? Diese Frage gilt nicht nur für den Fahrplan der S7, sondern auch für die Verlängerung der Strecke nach Geretsried. Die ÖDP zweifelt am Sinn des Projekts © Steffen Leiprecht

Kritik an der S7-Verlängerung nach Geretsried: Das „überparteiliche Bündnis“ aus ÖDP sowie zwei Bürgermeisterkandidaten hält die Verlängerung für „verkehrspolitisch unvernünftig“.

Wolfratshausen/Geretsried – Der Wolfratshauser Bürgermeisterkandidat Dr. Patrick Lechner (FDP) hat die geplante S-Bahn-Verlängerung zu einem Wahlkampfthema gemacht: Lechner lehnt die 433-Millionen-Euro teure Gleisverlängerung in die Stadt Geretsried ab. Stattdessen plädiert der promovierte Mathematiker für Elektrobusse oder die sogenannte Ottobahn als Alternative.

ÖDP-Kreisverband stellt sich hinter seinen Spitzenkandidaten

Wie berichtet ist der Landratskandidat der ÖDP, Manuel Tessun, derselben Meinung. Der Eglinger lobt die Ottobahn – eine in Taufkirchen geplante Teststrecke wurde bis dato nicht gebaut – als ein „minimalinvasives und innovatives Nahverkehrssystem“. Das Duo bekam für den Alternativvorschlag in Sozialen Netzwerken Zuspruch – aber auch kräftigen Gegenwind. Jetzt stellt sich der Kreisverband der ÖDP demonstrativ hinter seinen Spitzenkandidaten.

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Die Feststellung von Geretsrieds Rathauschef Michael Müller (CSU), der die größte Stadt im Landkreis „so nah wie noch nie“ an der seit Jahrzehnten geplanten S7-Verlängerung wähnt, müsse „aus fachlicher Sicht“ korrigiert werden, so die ÖDP in einer Pressemitteilung. Die hat sie nach eigenen Angaben für das „überparteiliche Bündnis“ aus ÖDP sowie den zwei Bürgermeisterkandidaten Lechner und Patrik Kohlert (Geretsrieder Liste) formuliert. Die Aussage Müllers widerspreche der Faktenlage: „Nach 50 Jahren Planung, drei Neustarts im Planfeststellungsverfahren und einer Kostensteigerung auf mittlerweile 433 Millionen Euro ist es sachlich nicht haltbar, von einem realisierungsnahen Projekt zu sprechen“. Die S7-Verlängerung sei ein „politisches Wunschbild“, das mit der Realität wenig zu tun habe.

Die S7 ist nach Ansicht des ÖDP-Kreisverbands „eines der unzuverlässigsten Systeme im MVV“. Sie rolle über weite Strecken eingleisig, sei somit „strukturell störanfällig“, große Teile des Schienenweges seien sanierungsbedürftig. „Jeder technische Ausfall löst Dominoeffekte im gesamten Netz aus“, bilanziert das Dreier-Bündnis. „Auf ein solches Nadelöhr eine Verlängerung aufzusetzen, ist verkehrspolitisch unvernünftig. Kein Bauherr würde ein neues Stockwerk errichten, wenn das Fundament schon heute Risse hat.“

Der Hinweis von Wolfratshausens CSU-Vorsitzender Claudia Drexl-Weile, dass die Personenbeförderung zwischen den Nachbarstädten mittels Ottobahn „utopisch“ sei, greife zu kurz: „Die Ottobahn ist minimalinvasiv, benötigt keinerlei Enteignungen, verursacht keine FFH-Eingriffe und kommt mit punktuellen Fundamenten aus, die kaum größer sind als die einer Straßenlaterne. Das ist keine Utopie, sondern moderne Verkehrstechnik, wie sie international längst eingesetzt wird.“

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„Aus Sicht der Volkswirtschaftslehre nicht haltbar“

Nicht gelten lassen die ÖDP und ihre beiden Mitstreiter zudem Claudia Drexl-Weiles Argument, dass viele Millionen Euro Planungskosten verloren wären, sollten die Kommunen Wolfratshausen und Geretsried sich vom Thema S-Bahn-Verlängerung verabschieden. „Das ist aus Sicht der Volkswirtschaftslehre nicht haltbar“, stellen die politischen Widersacher der CSU fest. „Vergangene Ausgaben“, so ÖDP, Lechner und Kohlert, „dürfen keine schlechten Entscheidungen der Zukunft erzwingen. Gutes Geld schlechtem hinterherzuwerfen, war noch nie klug – auch nicht im Landkreis Bad Tölz-Wolfratshausen.“