Rund ums Altglas halten sich Ideen, die dem Recycling schaden und für Verwirrung sorgen. Die Verbraucherzentrale NRW klärt vier gängige Irrtümer auf.
Altglas gehört für viele zum Alltag wie der Gang zum Supermarkt. Die Container stehen überall bereit, und das Einwerfen geht schnell von der Hand. Dabei wirkt das System simpel, fast selbstverständlich. Doch beim genauen Hinsehen zeigt sich ein sensibles System. Jede Fehlentscheidung kann den Verwertungsprozess stören. Gleichzeitig steckt in jeder Scherbe ein erheblicher ökologischer Nutzen, der nur dann entsteht, wenn die Regeln stimmen.
Die aktuelle Recyclingquote lag 2024 laut Stiftung Zentrale Stelle Verpackungsregister und Umweltbundesamt unter dem geforderten Zielwert. Philip Heldt von der Verbraucherzentrale Nordrhein‑Westfalen erklärte, dass falsche Annahmen dahinterstecken. Ein verbreiteter Irrtum betrifft zum Beispiel die Vorstellung, Glas sei gleich Glas. Verpackungsglas unterscheidet sich klar von Fenstern, Vasen oder hitzefesten Formen. Diese Fremdstoffe stören die Verarbeitung und gehören daher in den Restmüll. Doch es gibt weitere Hinweise, die die meisten nicht kennen – und die das Recycling bremsen können.
Warum falsche Mythen das Altglas‑Recycling erschweren
Auch das Gerücht, Farbsortierung sei unnötig, hält sich hartnäckig. Heldt betonte gegenüber der Verbraucherzentrale, dass Sammelfahrzeuge getrennte Kammern nutzen. Besonders Weißglas braucht höchste Reinheit. Schon wenige dunkle Scherben verfärben das empfindliche Material. Wenn der Farbton unklar bleibt, empfiehlt sich Grünglas. Diese Farbe toleriert Fremdanteile am besten.
Viele Menschen spülen ihre Flaschen vorher gründlich aus. Laut Heldt ist das nicht nötig und verschwendet stattdessen nur Wasser. Die Anlagen übernehmen die Reinigung nämlich ohnehin. Wichtig ist nur, dass Behälter entleert und löffelrein sind. Flüssigkeitsreste gehören in geeignete Behälter und nicht in die Spüle oder die Toilette. Denn dort drohen Verstopfungen und Schädlingsbefall.
Eine weitere Annahme lautet, dass Deckel zwingend entfernt werden müssten. Dem Experten zufolge ist das nur bedingt richtig. Metall‑ und Kunststoffverschlüsse gehören zwar in den Gelben Sack. Bleiben sie jedoch am Glas, lässt sich das später trennen. Naturkork ist zudem ein wertvoller Rohstoff. BUND und Nabu sammeln ihn in speziellen Boxen und finanzieren damit Umweltprojekte.
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Altglas bleibt ein wirkungsvolles Mittel zur Schonung von Energie und Rohstoffen. Doch viele Irrtümer mindern den Erfolg. Wer Glas richtig trennt, unterstützt das System ohne großen Aufwand. Ein weiteres hartnäckiges Missverständnis: Europa gilt vielen als Kontinent. Doch streng genommen passt diese Einordnung nicht.