Sein imposanter Lebenslauf passt eigentlich kaum in einen Nachruf: Ado Schlier ist tot. Nicht nur durch sein Wirken beim BR und beim Eurovision Song Contest bleibt er unvergessen.
Würzburg – Angehörige, Weggefährten und die Medienwelt trauern um Ado Schlier. Die Show- und Musikjournalismus-Größe aus Würzburg ist im Alter von 90 Jahren gestorben. Das berichten der Sender RAI und die Main-Post, die ihn einen „Würzburger mit Kultstatus“ nennt.
Die Fußspuren, die Schlier über Jahrzehnte hinterlassen hat, sind vielfältig, reichen vom Radio übers Fernsehen bis in die Printmedien. Er war Moderator, Kommentator, Autor und erfand zudem noch das beliebte Festival „Songs an einem Sommerabend“, das zunächst jahrzehntelang vorm Kloster Banz stattfand und dann umzog.
Ado Schlier ist tot: Er produzierte viele Radiosendungen für den BR
Jahrzehntelang war Schlier beim Bayerischen Rundfunk tätig, produzierte fast 40 Jahre lang die Reihe „Jazz auf Reisen“, moderierte diese teils selbst, ebenso wie 1408 Folgen der Bayern-1-Sendung „Gute Nacht, Freunde“, auch bei Bayern 3 und Bayern 2 war er aktiv. Sogar nach seinem 90. Geburtstag blieb er Radiomacher, kümmerte sich um die Sendung „Radiostunde“ für den italienischen Sender RAI. Auch beim Bayerischen Fernsehen, bei Radio Bremen und weiteren Medien wirkte er. Der BR erinnerte vor ein paar Jahren an diese Kuppel-Aktion:
In Schliers imposanter Vita finden sich auch Einträge zum Eurovision Song Contest, damals Grand Prix Eurovision de la Chanson genannt. Der wichtigste: Schlier kommentierte zwischen 1979 und 1986 das Spektakel fürs deutsche Fernsehen. Insofern hörten die Deutschen auch seine Stimme, als Nicole im Jahr 1982 mit „Ein bißchen Frieden“ sensationell den Grand Prix gewann.
Ado Schlier kommentierte jahrelang den Grand Prix (heute Eurovision Song Contest) – auch Nicoles Sieg
Der Nicole-Triumph mit Schliers Kommentar ist enorm tief im deutschen Eurovision-Song-Contest-Gedächtnis verwurzelt. So veröffentlichte das Fachportal esc-kompakt.de 40 Jahre danach einen Live-Blog, in dem es die Übertragung mit Schliers Kommentar nachbloggte. Ein YouTube-Mitschnitt zeigt noch die ganze Show – und lässt auch Schliers Kommentar nachhören. „Meine Damen und Herren, einen recht schönen guten Abend vom Team der Bundesrepublik in Harrogate“, begrüßte er damals das TV-Publikum.
„Das ist natürlich ein ganz gutes Zeichen, wir führen jetzt im Moment“, kommentierte er die ersten zwölf Punkte für Deutschland aus Portugal. Nach den zwölf Punkten aus der Schweiz hatte Deutschland schon 64 Zähler und damit 20 Punkte Vorsprung. Schliers Kommentar dazu: „Das ist jetzt natürlich eine große Freude für uns, denn in den letzten Jahren haben wir ja keine Punkte von der Schweiz bekommen. Das war Ralph Siegel gerade im Bild, der Nicole umarmt hat.“
Der deutsche Sieg zeichnete sich immer mehr ab – und am Ende mischte sich bei Schlier die damals verbreitete Nüchternheit mit eindeutiger Begeisterung. Als Nicole und Ralph Siegel sich schließlich auf den Weg zur Siegerbühne machten, meinte Schlier: „Hier nun wirklich große Freude, auch bei uns hier, beim ganzen Team, dass die Bundesrepublik den Grand Prix der Eurovision 1982 zum ersten Mal gewonnen hat. [...] Endlich ist es so weit.“
Später durfte Schlier auch das Interview mit Nicole und Ralph Siegel führen, wie in einem YouTube-Video dokumentiert ist. „Einen schönen Abend wünsche ich Ihnen, einen späten Abend hier in Harrogate. Wir feiern. Das Team der Bundesrepublik hat zum ersten Mal den Grand Prix gewonnen“, so Schlier. Er stellt fest: „Hier stehen so viele Leute, die strahlen und glücklich sind.“ Dann spricht er Nicole an, die sagt: „Ja, ich … ich kann’s noch gar nicht fassen. Ich hab … ich hab’s einfach gesungen und auf das Ergebnis gewartet. Wir haben da gesessen und so gezittert. Und dass wir dann gewonnen hatten, das hat man ja dann gesehen am Bildschirm.“ Große TV-Momente.
Nicole erinnere sich in Interview an Ado Schlier
ESC-Legende Nicole erinnert sich auch noch an Ado Schlier, nannte seinen Namen, als sie 2025 die Veränderungen des Wettbewerbs in einem Schlagerpuls.com-Interview kritisierte. „Der Kommentator hat auch gar keine Zeit mehr auf den Interpreten oder die Interpretin einzugehen. Früher hatten Ado Schlier… damals war er der Kommentator vom Bayerischen Rundfunk… und jeder andere Kommentator seine Zelle da oben und hatten eine Minute Zeit die Künstler vorzustellen.“
Die Erinnerungen der Menschen an Ado Schlier sind vielfältig, je nachdem, wo sie ihn erlebt haben, sei es in einer seiner vielen hundert Radiosendungen, bei seinen Tätigkeiten fürs Fernsehen oder eben beim Eurovision Song Contest. Sein Einfluss über all die Jahrzehnte war jedenfalls enorm. Auch von einer anderen Radio-Legende mussten sich die Fans dieser Tage verabschieden. (Quellen: Main-Post, b3-history.de, Merkur.de, esc-kompakt.de, RAI, Schlagerpuls.com, YouTube-Aufzeichnung des Grand Prix 1982) (lin)