Die neue Superwaffe aus Moskau kann während des Fluges manövrieren und spaltet sich in Dutzende Einzelgeschosse auf. Kein System kann sie aufhalten.
Lwiw – Ein greller Blitz zerschneidet die Nacht über Lwiw. Sekunden später donnert der Einschlag durch die westukrainische Stadt. Was die Menschen nicht wissen: Sie wurden gerade Zeugen des Einsatzes einer der gefährlichsten Waffen der Welt. Die russische Oreschnik-Rakete rast mit unvorstellbaren 13.000 Kilometern pro Stunde auf ihr Ziel zu – und damit schneller, als die meisten Raketenabwehrsysteme reagieren können.
Die Oreschnik erreicht nach russischen Angaben Geschwindigkeiten von über Mach 10, was etwa 12.300 bis 14.000 Kilometern pro Stunde entspricht. Bei dem jüngsten Angriff auf Lwiw flog die Rakete laut Ukrainska Prawda „mit einer Geschwindigkeit von fast 13.000 Kilometern pro Stunde“, wie der örtliche Bürgermeister demnach mitteilte. Diese extreme Geschwindigkeit macht sie zu einem nahezu unaufhaltbaren Projektil. Das russische Verteidigungsministerium erklärte laut CNN, die Streitkräfte hätten einen „massiven Schlag mit hochpräzisen Waffen mittlerer Reichweite“ ausgeführt und dabei „strategische Ziele“ angegriffen.
Warum es so schwer ist, die Oreschnik-Rakete abzuwehren
Die Oreschnik stellt bestehende Raketenabwehrsysteme im Ukraine-Krieg vor unlösbare Probleme. Während herkömmliche ballistische Raketen vorhersagbare Flugbahnen haben, kann die Hyperschallrakete während des Fluges manövrieren. Experten wie das German Institute für Defense and Strategic Studies warnen, dass die Kombination aus extremer Geschwindigkeit und unberechenbarer Flugbahn die Reaktionszeit für Abwehrsysteme drastisch verkürzt.
Die Rakete fliegt zudem in relativ niedriger Höhe und wird daher von Radarsystemen erst spät erfasst. Wenn sie entdeckt wird, bleiben nur noch Sekunden bis zum Einschlag. Die Hyperschallgeschwindigkeit macht eine rechtzeitige Warnung oder Evakuierung praktisch unmöglich.
Mehrfach-Sprengköpfe als zusätzliche Bedrohung
Besonders gefährlich macht die Oreschnik ihre MIRV-Technologie (Multiple Independently Targetable Reentry Vehicles). Die Rakete kann laut gefechtsklar.de bis zu sechs Gefechtsköpfe tragen, die sich jeweils in bis zu sechs Submunitionen aufteilen. Theoretisch können so bis zu 36 verschiedene Ziele gleichzeitig getroffen werden.
Jede dieser Submunitionen wiegt zwischen 20 und 50 Kilogramm und entwickelt durch die hohe Aufprallgeschwindigkeit eine Sprengkraft von 90 bis 176 Kilogramm TNT-Äquivalent – selbst ohne explosive Ladung.
Oreschnik: Reichweite bis nach Berlin
Die Oreschnik erreicht eine maximale Reichweite von bis zu 5500 Kilometern und kann problemlos europäische Hauptstädte erreichen. Experten warnen jedoch vor übertriebenen Flugzeit-Berechnungen: Die Flugbahn der Oreschnik ähnele eher einer Parabel als einer geraden Linie. Daher könne man die Geschwindigkeit der Rakete nicht einfach durch die zurückzulegende Strecke teilen. Die tatsächlichen Flugzeiten bleiben damit deutlich ungewisser als oft behauptet.
Die westlichen Militärs arbeiten fieberhaft an Gegenmaßnahmen. Die USA entwickeln den „Glide Phase Interceptor“, eine Rakete, die Hyperschallgeschosse in der Flugphase abfangen soll. Israel präsentierte laut FutureZone das System „Sky Sonic“, das Raketen bis Mach 10 abwehren können soll. Das Wort „Oreschnik“, das die Waffe bezeichnet, die die Welt in Aufruhr versetzt, hat dabei eine eigentlich harmlose Bedeutung: „Haselnusstrauch“. (Quellen: AFP, CNN, Ukrainska Prawda, German Institute für Defense and Strategic Studies, gefechtsklar.de, FutureZone) (cgsc)