Vermutlich kann er nicht bestraft werden: Ein 33-Jähriger aus Starnberg befand sich zwischen 2022 und 2023 aufgrund einer psychischen Erkrankung in einer Ausnahmesituation. Er randalierte in einer psychiatrischen Klinik in Gauting und in einem Gasthof in Berg. Außerdem hielt er in Starnberg nachts einen Autofahrer an und versuchte Geld und Kokain zu erpressen. Jetzt muss sich der Mann vor dem Landgericht München II verantworten.
Ein psychisch kranker Mann hat in den Jahren 2022 und 2023 die Polizei in Gauting und Berg mächtig auf Trab gehalten. Jetzt wird sein Verhalten vor dem Landgericht München II aufgearbeitet. Juristisch geht es um Körperverletzung, Bedrohung und Beleidigung.
Angefangen hatte alles an einem Sommer-Abend im Jahr 2022. Der 33-jährige Angeklagte warf Kieselsteine auf zwei Frauen, die sich in Gauting auf einem Balkon befanden. Mit einem Radl fuhr er durch den Ort, beleidigte wahllos eine Frau, die auf einer Bank saß. Zwei Minuten später plärrte er einen Gassigeher mit den Worten an: „Ich sch... auf Dein Leben“. Als die Polizei ihn eine halbe Stunde später kontrollierte, führte er 0,8 Gramm Marihuana mit sich. Einen weiteren Vorfall listet die Anklage erst für Ende August auf.
In der Psychiatrie schlug er alles kurz und klein
Damals war er in die Psychiatrie in Gauting eingeliefert worden und wollte unbedingt die geschlossene Station verlassen. Weil man ihn nicht ließ, schlug er alles kurz und klein, was nicht festgeschraubt war. „Er möchte raus, er möchte raus, rief er und irgendwann flogen im Flur die ersten Gegenstände“, erinnerte sich ein Pfleger. Als der Angeklagte schließlich die Tür zum Stützpunkt für Pfleger und Ärzte aufbrach, flüchtete das Personal, ungeachtet der Tatsache, dass sich die Patienten noch in ihren Zimmern befanden. Doch die Gewalt des 33-jährigen richtete sich nicht gegen Menschen. Das beobachteten die Pflegekräfte und waren beruhigt. Denn sie hatten natürlich auch ein schlechtes Gewissen, die Station zu räumen. „Doch der Eigenschutz ist das höhere Gut“, erklärte der Pfleger.
Opfer verlangte vom Angeklagten 10 000 Euro Entschädigung
Im Mai 2023 war die Randale-Serie weitergegangen. Der Angeklagte stellte sich kurz vor Mitternacht auf eine Kreuzung in Starnberg und zwang einen 20-jährigen Autofahrer zum Anhalten. „Er hat nach Geld und Koks gefragt, sonst müsse er mich umbringen“, erinnerte sich der junge Mann. Als der 33-Jährige versuchte, die Seitenscheibe herauszureißen, fuhr der junge Mann los. Daheim alarmierte er die Polizei. Als sich ein Verteidiger im Vorfeld des Prozesses bei ihm meldete und eine finanzielle Entschädigung anbot, verlangte er 10 000 Euro.
Noch mehr Entschädigung forderte ein 56-Jähriger. Der war gegen drei Uhr morgens vom Angeklagten in einem Hotel in Berg mit einem Kerzenleuchter attackiert worden und hatte eine einen Zentimeter große Schnittwunde erlitten. Der Angeklagte, der sich wegen seiner psychotischen Zustände kaum erinnern konnte, entschuldigte sich bei allen. Der Prozess dauert an.