Jubiläum der Ammersee-Fischer: Wanderausstellung zeigt 333 Jahre Geschichte

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Fischerei-Vorsitzende Regina Metzger mit dem Handwerksbuch aus dem Gründungsjahr 1691 vor der Wanderausstellung. Das Buch wird seit 333 Jahren in der Zunftlade aufbewahrt. © Roettig

Immer um Peter und Paul herum begeht die Fischereigenossenschaft Ammersee ihren traditionellen Jahrtag. Heuer zum 333. Mal als ein besonderes Fest. Zwar reicht die gewerbliche Fischerei auf dem damals „Bauernsee“ genannten drittgrößten Binnengewässer Bayern bis ins 13. Jahrhundert zurück, aber erst 1691 wurde der Zunftbrief ausgestellt, nachdem sich die Fischer zusammengeschlossen hatten. Heute gibt von einst 300 Fischerfamilien nur noch 34, wovon 19 ihr Fischrecht aktiv ausüben.

Dießen - Auch im Jubiläumsjahr lief das Programm zunächst ab wie immer: Kirchenzug mit Blasmusik und Zunftfahne zu St. Johann mit Fischeramt, danach Zusammenkunft im Gasthof „Unterbräu“. Vorsitzende Regina Metzger konnte neben den Fischerfamilien Landrat Thomas Eichinger und die ersten Bürgermeister Sandra Perzul (Dießen), Alexander Herrmann (Schondorf) und Siegfried Luge (Eching) sowie Herrschings dritten Bürgermeister Wolfgang Schneider begrüßen.

Wanderausstellung zeigt 333 Jahre Geschichte - Fischerei-Vorsitzende zeigt historisches Papier

Im Mittelpunkt stand die historische Zunftlade aus dem 16. Jahrhundert, die traditionell bei den Vorsitzenden und seit 2024 bei der ersten weiblichen Chefin Regina Metzger aufbewahrt wird. Die Gäste staunten, als ihnen die wertvollen Dokumente präsentiert wurden: Zunftbücher, Statuten, Mitgliedsverzeichnisse und Urkunden – alles fein säuberlich handgeschrieben. Dazu die Zunftkasse und das Zunftsiegel.

In den Versammlungen von anno dazumal wurde die Lade von den beiden Schlüsselinhabern feierlich geöffnet, nämlich dem Kerzen- und Zunftmeister, wie damals der Vorsitzende genannt wurde. Da für diese Ämter stets zwei Dießener zu wählen waren, stand also die Lade die meiste Zeit in der Marktgemeinde. Erst wenn die Lade geöffnet war, begann mit „Kraft und Macht“ die Versammlung. „Vor offener Lad“ wurden alle wesentlichen Angelegenheiten der Fischerzunft behandelt. Fischersöhne wurden als Lehrlinge aufgenommen oder in den Gesellenstand erhoben.

Die Zunftlade fungierte aber auch als Instrument der Rechtssprechung. Das Zunftgericht war die unterste Instanz für alle gewerblichen und auch sittenpolizeilichen (!) Sachverhalte und Streitigkeiten. Bestraft wurde mit Geldbeträgen in die Lade oder sog. „Wachsgeld“, das für die gemeinsamen Gottesdienste verwendet wurde. Vor offener Lade kam es auch zum zeitweisen oder dauerhaften Ausschluss aus der Fischerzunft. Dann wurde dem Betroffenen „das Handwerk gelegt“.

Mobile Ausstellung

In den letzten Monaten haben die Fischer vier große Tafeln mit Texten und historischen Bildern zusammengestellt, die in den Dießener Seeanlagen noch zwei Wochen gezeigt werden. Als Wanderausstellung über die Tradition des Fischerhandwerks in der Ammersee-Region sind die nächsten Stationen Utting, Schondorf und Herrsching. Während sich die erste Tafel der Zunftlade widmet, gibt die zweite Tafel einen Überblick, in welcher Weise der See befischt wird. Der „Brotfisch“ ist die Renke, darüber hinaus fängt man Zander, Barsch, Hecht, Seesaibling, Seeforelle, Aal sowie Weißfische und Rutten. Die meisten Fischer sind übrigens seit jeher am Westufer ansässig, da das Befahren des Ostufers durch Wind- und Wetterbedingen erschwert ist.

Die dritte Tafel konzentriert sich auf die Hegemaßnahmen der Fischereigenossenschaft wie Laichhilfen, Netzkäfige oder Bruthaus. Historische Bilder und Dokumente vornehmlich aus der Sammlung des Dießener Fischers Paul Gastl sind auf der vierten Tafel zu sehen. QR-Codes führen zu einem neu zusammengestellten Film aus Material der Ammersee-Fischer, der einen Einblick in ihre Tätigkeit gibt.

Rentable Seefahrt

Bei soviel Nostalgie ging der aktuelle Report von Fischerei-Vorsitzender Regina Metzger fast unter. In der ersten Jahreshälfte wurde der Saisonstart vom enormen Burgunderblutalgenaufkommen ausgebremst. Erst im Juni wurden Verbesserungen gemeldet. Die Vorsitzende: „Seitdem gehen die Fänge langsam in eine Richtung, wo sich – gelinde gesagt – die Fahrt auf den See lohnt“. Sie sei optimistisch, bald zehn bis zwanzig Kilogramm am Tag zu erreichen. Man beobachte auch genau, was das Hochwasser für den Fischwachstum und den Fischfang mit sich bringt.

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