Merz statt Merkel: US-NATO-Botschafter zieht auf der Münchner Sicherheitskonferenz einen überraschenden Vergleich. Annäherung trotz „tiefem Graben“?
München – Auf der Münchner Sicherheitskonferenz hat ein ungewöhnlicher Vergleich für Aufmerksamkeit gesorgt: Der amerikanische NATO-Botschafter Matthew Whitaker stellte Bundeskanzler Friedrich Merz ausdrücklich über Ex-Kanzlerin Angela Merkel: „Merz ist ein besserer Kanzler als Merkel“, so Whitaker in einem Panel mit US-Vertretern.
Als Begründung nannte er laut der dpa vor allem energie- und sicherheitspolitische Unterschiede zwischen den beiden CDU-Politikern. Während die Bundesregierung unter Merkel den Bau der Gas-Pipeline Nord Stream 2 unterstützt habe, stehe Merz für eine deutlich skeptischere Haltung gegenüber Abhängigkeiten von russischen Energielieferungen. Außerdem lobte der US-Diplomat, dass Merz höhere Verteidigungsausgaben der europäischen NATO-Partner unterstütze. Der Merkel-Vergleich entstand eher zufällig: Auslöser war ein Versprecher im Publikum, als eine Journalistin bei einer Frage zunächst „Merke…, äh, Merz“ sagte.
Merz diagnostiziert auf Münchner Siko „tiefen Graben“ zwischen USA und Europa
Im Vorfeld des Panels hatte Kanzler Merz bereits seine Stellung mit einer deutlichen Grundsatzrede klargemacht. Der Kanzler zeichnete auf der Münchner Sicherheitskonferenz das Bild einer neuen geopolitischen Realität und forderte, Europa müsse ein „selbsttragender Pfeiler“ innerhalb der NATO werden, zum Beispiel im Thema nukleare Abschreckung.
Merz sprach laut der ARD von einer wachsenden Entfremdung zwischen Europa und den USA. Es gebe einen „tiefen Graben“ zwischen den beiden Seiten. Der Kanzler erklärte, die transatlantische Partnerschaft habe ihre Selbstverständlichkeit verloren. Europa müsse sich aus einer selbstverschuldeten Abhängigkeit lösen und stärker auf eigene Sicherheitsstrukturen setzen. Dabei betonte er zugleich, dass dies kein Abschied vom Bündnis sei: Ziel sei ein stärkeres Europa innerhalb der NATO – nicht daneben.
Die Rede des US-Außenministers Marco Rubio, der die diesjährige Delegation der USA zur Münchner Sicherheitskonferenz anführt, steht um 9 Uhr am Samstag an. Im Vorfeld hatte er laut CNN eine „neue Ära der Geopolitik“ angekündigt. Am Freitag trafen Merz und Rubio bereits zu Gesprächen zusammen, Näheres ist zunächst nicht bekannt. Hinter den Kulissen ist die Sorge groß, dass sich ein ähnliches Debakel wie der Schock nach der Rede von US-Vizepräsident JD Vance 2025 wiederholen könnte. (Quellen: dpa, ARD, CNN, eigene Recherche)