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Starnbergs Feuerwehr hat am Freitag ihr Führungspersonal gewählt: Markus Grasl bleibt Kommandant, mit Regina Falk steht erstmals in der 162-jährigen Geschichte eine Frau an der Spitze des Feuerwehrvereins. Dienst- und Mitgliederversammlung waren von viel Harmonie geprägt.
Starnberg – Das Ergebnis ist eine klare Bestätigung. Mit 67 Ja- bei vier Nein-Stimmen haben Starnbergs aktive Feuerwehrleute am Freitagabend ihren Kommandanten Markus Grasl für sechs weitere Jahre gewählt. Bei seiner ersten Wahl im Jahr 2018 hatte Grasl mit 48:9 Stimmen schlechter abgeschnitten. Stellvertretender Kommandant ist Michael Reiter (68 Ja-Stimmen). Beide hatten keine Gegenkandidaten.
Grasl und sein Team hatten zuvor in einem mehrstündigen Bericht die aktuelle Situation dargelegt – angefangen bei der Zahl der aktiven Mitglieder (84, höchster Wert sei mehr als zehn Jahren) und der Zahl der Einsätze (399, Vor-Corona-Niveau erreicht) bis zur kleinen Bilanz der Jugendfeuerwehr (aktuell acht Buben, aber kein Mädchen). Nach wie vor frappierend ist das Missverhältnis zwischen tatsächlichen Bränden (55 Einsätze) zu Fehlalarmen wegen automatischer Brandmeldeanlagen (85 Einsätze). Dabei konnte sich Grasl einen Blick nach Tutzing nicht verkneifen, wo die Gemeinde 1850 Euro pro Fehlalarm den Verursachern in Rechnung stellen will. Zu technischen Hilfsdiensten wurde die Feuerwehr 248-mal gerufen – vom Öffnen stecken gebliebener Aufzüge bis zur Beseitigung umgestürzter Bäume.
Grasl: Fünf Standortesind besser als acht
Neben der nackten Einsatzbilanz präsentierte Grasl eine Reihe weiterer Themen, zum Beispiel die Zusammenarbeit mit der Feuerwehr Percha (siehe dazu auch Bericht unten). Aufgrund der geringen Einsatzstärke der Perchaer halte er deren Umwandlung in eine Löschgruppe unter dem Dach der Starnberger Wehr für geboten, sogar eine Fusion beider Feuerwehren sei denkbar. Mit dem dortigen Feuerwehrvorstand und nun neu gewählten Kommandanten Thomas Fersch sei das aber nicht zu machen. Generell setzt Grasl auf eine Ballung von Kompetenz. „Ich bleibe dabei: Es geht mit fünf Standorten besser als mit acht“, betonte er. Umso dankbarer sei er der Feuerwehr Leutstetten, die in die Funktion der Perchaer getreten sei. Ein weiterer Dank ging an die Söckinger Kameraden, die „einen Löwenanteil der Einsätze mitgefahren“ sei.
Als großen Erfolg wertete Grasl den Bereitschaftsdienst am Wochenende. Ohne ihn sei die Einsatzbereitschaft nicht gewährleistet. Die 538 Euro pro Einsatzkraft seien „mit Sicherheit eine der besten Investitionen in die Sicherheit Starnbergs“.
Defizite hat der Kommandant dagegen beim Brandschutz auf dem See und im Uferbereich ausgemacht. Bereits seit 2015 sei der Bau eines Feuerwehrbootshauses am Seebad unweit der Nepomukbrücke geplant, bislang gebe es aber keine Zustimmung seitens der Stadt. „Man kann einen so großen See nicht nicht nur mit Wasserrettungsstationen versorgen“, sagte Grasl. Einen Protzbau brauche es nicht, halb so groß wie die Station der Starnberger Wasserwacht würde schon genügen.
Plan: Übungsplatz am Betriebshof
Apropos Neubau: Er kenne zwar die finanzielle Notlage der Stadt, sagte Grasl, dennoch solle sie den Neubau einer Feuer- und Rettungswache im Gewerbegebiet nicht auf die lange Bank schieben. „Je länger wir das schieben, umso teurer wird es. Wir werden es irgendwann einmal anpacken müssen.“ An der Notwendigkeit ließ Grasl keinen Zweifel – ebenso wenig am Wunsch, den Neubau gemeinsam mit dem BRK zu nutzen, was Synergien erzeugen würde, beispielsweise bei der Wartung der Fahrzeuge. Die Kosten im zweistelligen Millionenbereich ließen sich zum Teil über Grundstückserlöse der bisherigen Flächen an der Ferdinand-Maria-Straße (Feuerwehr) und der Kaiser-Wilhelm-Straße (BRK) finanzieren. In dem Zusammenhang präsentierte Grasl auch seine „Vision“ vom Feuerwehrservicezentrum (FSZ) und Feuerwehrausbildungszentrum (FAZ) samt Übungsplatz auf dem Gelände des städtischen Betriebshofs.
Janik: Extrarunde beim Bedarfsplan richtig
Auf den B 2-Tunnel ging Grasl nur am Rande ein, allerdings bekräftige er seine Forderung nach Aufstellung einer Werkfeuerwehr während der Bauphase. Dies habe die Regierung von Oberbayern zwar abgelehnt, er zähle aber auf die Unterstützung der Kreisbrandinspektion.
Breiteren Raum nahm dagegen der Feuerwehrbedarfsplan ein. Der vorliegende und vom Stadtrat beschlossene Entwurf wird derzeit von Oberbranddirektor Wolfgang Schäuble aus München überprüft. Mehr als fünf Stunden habe er sich mit Schäuble bereits darüber intensiv ausgetauscht, sagte Grasl und zeigte sich gegenüber dem Stadtrat versöhnlich: „Es geht darum, das Beste für Starnberg zu erreichen vor dem aktuellen finanziellen Hintergrund.“
„Wir sind auf einem guten Weg“, sagte Bürgermeister Patrick Janik in seinem Grußwort um kurz vor Mitternacht. Bei allen finanziellen Nöten, die die Stadt habe, zögere sie nicht, die Feuerwehr zu unterstützen, erklärte Janik und nannte die Anschaffung neuer Fahrzeuge für Söcking und Leutstetten und neuer Dienstkleidung. Was den Feuerwehrbedarfsplan betreffe, so habe er Anfang Februar einen Termin bei Schäuble. „Die kleine Extrarunde tut uns gut.“
„Unterstützung und enge Zusammenarbeit für die Zukunft“, sagte BRK-Kreisvorsitzender Michael Kuffer zu. Kreisbrandrat Helmut Schweickart sprach sich dafür aus, besprochene Themen umzusetzen. Als „Rückgrat von Starnberg“ bezeichnete der Feuerwehrreferent des Stadtrats, Franz Heidinger, die Feuerwehr. Grasl und Reiter seien genau die Richtigen, die es auf den Kommandantenposten brauche.
Als genau die Richtige empfanden die Mitglieder auch Regina Falk. Die 27-Jährige wurde mit 75 Ja-Stimmen (zwei Enthaltungen, einmal Nein) zur neuen Vorsitzenden gewählt. Der bisherige Amtsinhaber Thomas Pleyer (58) hatte nach 18 Jahren im Vorstand aus gesundheitlichen Gründen nicht mehr kandidiert. Stellvertretender Vorsitzender ist Klaus Vogl, Schriftführer Michael Aulehner, Schatzmeister Anton Klostermeier. Zu Kassenprüfern wählten die Mitglieder Michael Falk und Martin Küspert, zu Beisitzern Dennis Rubenstein und Christian Nast, zum Mannschaftssprecher Andras Borrmann.