Schock-Nachricht für 450 Firmen in der Welt der E-Mobilität: Ihre Lobbyorganisation hat in Berlin Insolvenz angemeldet. Die Gründe sind derzeit noch unklar.
Berlin – Der Hochlauf der Elektromobilität stockt in Deutschland. Im ersten Quartal des Jahres ist die Zahl der neu zugelassenen Elektroautos zwar um 42,8 Prozent gestiegen. Doch dies reicht nicht aus, um die Verluste im Verbrennermarkt auszugleichen. Die Branche hofft darauf, dass mit der neuen Bundesregierung wieder mehr Anreize für den Hochlauf der E-Mobilität gesetzt werden.
Lobby-Verband der E-Mobilität meldet Insolvenz an
Für einen zentralen Verband der E-Mobilität kommt das jedoch zu spät. Wie aus einer Bekanntmachung vom Freitag (23. Mai) hervorgeht, hat der Bundesverband E-Mobilität e.V. (BEM) einen Antrag auf Insolvenz gestellt. Zum vorläufigen Insolvenzverwalter wurde Joachim Voigt-Saulus bestellt, wie aus den Unterlagen hervorgeht.
Der BEM vertritt nach eigenen Angaben bereits 450 Unternehmen mit einem Umsatzvolumen von 100 Milliarden Euro, die alle im Bereich der E-Mobilität aktiv sind. Sie vertritt damit über eine Million Menschen, die in dieser Branche tätig sind. Neben Firmen in der Autobranche gehören auch IT-Dienstleister, Anwaltskanzleien, Stadtwerke und andere Energieversorger zu den Mitgliedern. Auf seiner Webseite führt der Verband zum Beispiel die BayWa, gridX, Huber, Mitsubishi und TÜV Rheinland als Mitglieder auf.
Deutscher Elektro-Verband insolvent: E-Autos werden wieder mehr verkauft
Wie es zu der Insolvenz gekommen ist, war noch nicht bekannt. Grundsätzlich befindet sich die Autobranche - die mutmaßlich zu den wichtigsten Kunden des Verbands gehören - in einer finanziellen Schieflage. Doch es gibt erste Anzeichen für eine Trendwende, wie die neusten Zahlen des Kraftfahrt-Bundesamtes (KBA) zeigen. Allein im April wurden mehr als 45.500 reine Batterie-Pkw neu zugelassen. Das waren fast 54 Prozent mehr als im Vorjahresmonat. Nahezu jeder fünfte Neuwagen fuhr im vergangenen Monat elektrisch (18,8 Prozent).
Das dürfte auch an den steigenden Rabatten liegen. Im April lagen sie einer Auswertung des Branchenexperten Ferdinand Dudenhöffer zufolge im Schnitt bei 16,7 Prozent - das waren 1,8 Prozentpunkte mehr als einen Monat zuvor. Seit Januar sind die Rabatte demnach sogar um drei Prozentpunkte gestiegen. Das macht bei einem typischen Modell deutlich mehr als 1.000 Euro aus.
Ein Grund für die Preisnachlässe seien die CO₂-Vorgaben der EU, die unter anderem durch mehr verkaufte E-Autos eingehalten werden sollen, ein anderer die Umstellungen im Vertriebssystem bei einigen Marken, betonte Dudenhöffer. Dadurch werde jetzt wieder „mit zum Teil kräftigen Rabatten und Verkaufsförderungsprogrammen über die Händler“ geworben, um der schwachen Nachfrage zu begegnen. Die Hersteller hätten großes Interesse „den Markt ins Rollen zu bringen“.