Der Jubel war riesig in der Münchner Arena, als Alphonso Davies drei Minuten vor Schluss der längst gewonnenen Partie gegen Sporting Lissabon 262 Tage nach seinem Kreuzbandriss sein Comeback gab.
Ähnlich laut dürfte es vermutlich werden, wenn Jamal Musiala aller Voraussicht nach im Januar nach einem halben Jahr Zwangspause seine Rückkehr in einem Pflichtspiel feiern wird.
Allerdings stellt sich spätestens nach dem hart erarbeiteten 3:1 über den portugiesischen Meister, mit dem die Bayern den direkten Einzug ins Champions-League-Achtelfinale so gut wie sicher haben, eine nicht ganz unwichtige Frage: Wo soll in der momentan wie geölt laufenden Bayern-Offensive eigentlich Platz für Musiala sein? Auf die Antwort von Trainer Vincent Kompany darf man im Januar sehr gespannt sein.
Karl hat Gnabry in der Mitte verdrängt, bei Bayern gegen Sporting wurde er Man of the Match
Serge Gnabry, dem als Belohnung für seine Aufwärtsentwicklung eine Vertragsverlängerung winkt, überzeugte zu Beginn der Saison auf Musialas Stammposition im zentralen offensiven Mittelfeld und ist derzeit im Sturm gesetzt ist.
Trotzdem musste der DFB-Stürmer zuletzt wieder auf die Außenbahn weichen, weil ihm in der Mitte ein Youngster den Rang abgelaufen hat, der bis zum Sommer nur Insidern ein Begriff war: Lennart Karl.
Der Shootingstar zeigte gegen Sporting erneut eine bärenstarke Leistung, erzielte den umjubelten Führungstreffer und wurde bei seiner Auswechslung nach 76 Minuten mit Standing Ovations gefeiert.
Die Uefa kürte Karl zum Man of the Match. „Er stellte eine ständige Gefahr im Angriff dar, schuf Chancen und erzielte eine hohe Passquote sowie ein Tor, das sein herausragendes technisches Niveau unter Beweis stellte“, begründete die Technische Beobachtergruppe ihre Wahl.
Kimmich über Karl: „Ein Stammspieler beim FC Bayern gehört auch in die Nationalmannschaft“
Kein Wunder, dass nach der Partie alle Münchner gefragt wurden, ob der Flügelflitzer in dieser Verfassung nicht auch zwangsläufig mit zur WM in den USA müsse – was niemand verneinte.
Am klarsten positionierte sich ausgerechnet DFB-Kapitän Joshua Kimmich: „Wenn du bei Bayern performst, dann ist das schon ein Statement. Ein Stammspieler beim FC Bayern gehört dann schon auch in die Nationalmannschaft.“
Bundestrainer Julian Nagelsmann hat den Vorteil, dass er noch bis zu den nächsten Länderspielen Ende März abwarten kann, ob der dann gerade erst volljährige Karl tatsächlich auch im neuen Jahr seine Topform halten kann.
Doch die Tendenz ist schon jetzt eindeutig. Schließlich hat sich Karl seit Sommer so unverzichtbar gemacht, dass er im Starensemble des Rekordmeisters zuletzt regelmäßig in zentraler Rolle zur Startelf gehörte. Und er stellt schon jetzt Weltstars in den Schatten.
Bayern-Trainer Kompany muss im Januar ein (Luxus-)Problem moderieren
So ist er seit Dienstagabend mit 17 Jahren und 290 Tagen der jüngste Spieler in der Königsklasse, der in drei aufeinanderfolgenden Partien getroffen hat. Der bisherige Rekordhalter, Real Madrids Kylian Mbappé, war bei seiner Bestleistung schon mehr als ein halbes Jahr älter (18 Jahre und 113 Tage).
Macht Karl so unbekümmert und überzeugend weiter, wird ihn Musiala nicht ohne weiteres aus der Bayern-Startelf verdrängen können. Ein Luxusproblem für Vincent Kompany, aber für den Rückkehrer könnte das tatsächlich zu einem ernsthaften Problem werden.
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