Naschpauschale auf Erdbeerfeld

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Im Erdbeer-Glück: Stammkundin Sabine Hanka auf Knabs Feld in Haimhausen. © hab

Auf dem Erdbeerfeld in Haimhausen gibt es eine „Naschpauschale“. Betreiber Andreas Knab erzählt, warum das nachhaltig ist und wie die Kunden darauf reagieren.

Dachau - Die Erdbeerverkäufer im Landkreis Dachau haben auf ihren Selbstpflückfeldern schon viel gesehen: Mütter, die ihre fünf nasch-hungrigen Kinder mitbringen oder Leute, die dort picknicken. Und: halbvolle, weggeworfene Erdbeerschalen! Denn die Leute versuchen dort, die Mindestpflückmenge auszureizen, um möglichst viele der roten Leckerbissen zu naschen. Das beobachtete auch der Betreiber Andreas Knab auf seinem Feld in Haimhausen – und sah rot.

Vor fünf Jahren führte der Landwirt deshalb eine Naschpauschale ein. Seit 30. April gilt sie auch dieses Jahr. Erwachsene, die weniger als 1,5 Kilogramm Erdbeeren pflücken und kaufen, zahlen eine Pauschale von 3 Euro. Für Kinder, die weniger als 500 Gramm Erdbeeren sammeln, fällt eine Naschpauschale von 2 Euro an. Wenn mehr Erdbeeren gepflückt werden, ist das Naschen kostenlos, das heißt, es fallen keine weiteren Kosten an. Es gibt jedoch eine Ausnahme: Kinder, die unter einem Meter groß sind, dürfen auf dem Erdbeerfeld kostenlos naschen, unabhängig von der Menge, die sie sammeln.

„Das ist letztendlich wie ein erhöhter Kilopreis“, sagt Knab. Ausnahme: Kinder, die unter einem Meter groß sind, dürfen dort kostenlos naschen! Und auch hier ist Knab gnädig: „Wenn nicht genug Erdbeeren an den Stauden hängen, dann verlangen wir nichts fürs Naschen.“

Beginn der Erdbeersaison: Naschgebühr auf Selbstpflückfeld

Andreas Knab betont, dass ihm die Nachhaltigkeit am Herzen liegt. Er möchte vermeiden, dass Erdbeeren, die zum Naschen gepflückt werden, aber dann nicht gekauft und auch nicht vollständig verzehrt werden, weggeworfen werden müssen. Da solche Erdbeeren nicht mehr an andere Kunden weitergegeben werden können, hat er die Pauschale eingeführt, um eine bewusste Nutzung der Ernte zu fördern.

Auch könne er Erdbeerschalen, die nicht leer gegessen sind, nicht mehr an andere Kunden weitergeben. „Ich weiß ja nicht, ob die Person, der die Schale gehört, sich vorher die Hände gewaschen hat“, sagt er. Bisher habe sich niemand über den Naschpreis beschwert.

Noch steht Knab mit seiner Naschpauschale alleine auf weitem (Dachauer) Feld: „Wir verlangen dafür nichts und warten das noch ab, weil es momentan noch ganz gut läuft“, sagt Susanne Offenbeck vom Beerengarten in der Rothschwaige. Auf ihrem knapp sechs Hektar großen Feld beginnt die Ernte dieses Wochenende. Offenbeck vertraue auf ihre Kunden, denn ihr Familienbetrieb setze vor allem auf ein Miteinander. „Wir stehen selbst als Familie auf dem Feld, und das wissen die Leute, die hier Erdbeeren pflücken. Denen ist bewusst, dass wir sie wiedererkennen, wenn sie sich nicht an die Pflückmenge halten“, sagt sie. Im Beerengarten müssen Erwachsene mindestens eine Schale a 500 Gramm kaufen – Kinder sind von dieser Menge ausgenommen.

Aber auch hier halten sich nicht alle daran: „Wir hatten schon Erwachsene hier, die mit fünf Kindern kommen und das ausnutzen“, ärgert sich Offenbeck. Es passiere auch, dass die Leute auf ihrem Feld picknicken – oder Kinder mit Erdbeeren um sich werfen.

Kunden kommen zum Picknick aufs Erdbeerfeld

Auf dem Erdbeerfeld der Familie Wolf in Wagenhofen geht es ähnlich zu: „Wir müssen sehr aufpassen, denn häufiger kamen Familien aus der Stadt, um auf dem Feld Picknick zu machen“, sagt eine Mitarbeiterin. Oftmals müssen die Verkäufer die Kunden belehren, um sie auf die Mindestpflückmenge aufmerksam zu machen. Vergangenes Jahr trieben es die Kunden zu weit: „Es haben sechs Erwachsene und fünf Kinder das Feld gestürmt. Wir mussten sie dann ermahnen, dass das so nicht geht“, sagt sie. Seitdem stehe deshalb ein Schild an dem Feld: Darauf steht die Mindestpflückmenge von einem Gefäß mit 500 Gramm pro Erwachsenem. Trotz der Ärgernisse sei eine Naschpauschale aber auch dort nicht geplant.

Das Naschen auf den Erdbeerfeldern bleibt also größtenteils kostenfrei, solange es sich im Rahmen hält.

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