Wegen Kreuzfahrt-Gästen: Griechisches Insel-Juwel ruft plötzlich Lockdown aus

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17.000 Besucher an einem Tag. Die griechische Mittelmeerinsel Santorin klappt unter den Touristenscharen zusammen. Kurz ruft der Stadtrat sogar den Lockdown aus.

Santorini – Mit ihren weißen Häusern, dem azurblauen Meer und der strahlenden Sonne ist Santorin eine der pittoreskesten Inseln im Mittelmeer. Kaum verwunderlich, dass dieses Urlaubs-Juwel in Griechenland Reisende aus aller Welt anzieht. Laut Daten von Eurostat besuchen jährlich mehr als 100 Touristen pro Einwohner die Insel. Viele von ihnen reisen mit Kreuzfahrtschiffen an. Jährlich machen etwa 500 Kreuzfahrtschiffe in Santorin fest, wie ekapija 2018 berichtete – und die Zahl steigt seit Jahren.

Ein Traum in Weiß: Den die Einheimischen auf Santorin ganz anders erleben, als die abertausenden Reisenden.
Ein Traum in Weiß: Den die Einheimischen auf Santorin ganz anders erleben, als die abertausenden Reisenden. © McPHOTO / Alexander Shalamov/Imago

Santorin im Ausnahmezustand: Massentourismus treibt griechische Insel an ihre Grenzen

Doch die Insel scheint an ihre Grenzen zu stoßen, vielleicht hat sie diese sogar schon überschritten. Dies führte kürzlich zu einer beispiellosen Bekanntmachung von Bürgermeister Panos Kavallaris. Auf seiner Facebook-Seite veröffentlichte er eine „Notfallmitteilung“.

„Ein weiterer schwieriger Tag für unsere Stadt und unsere Insel. Mit der Ankunft von 17.000 Besucher von Kreuzfahrtschiffen!“, schrieb er. Seine Lösung? Ein Lockdown. „Bitte reduzieren Sie ihre Bewegungen!“, appellierte Kavallaris an die Bewohner. Sie sollten zu Hause bleiben, wenn die Touristenmassen die Insel überfluten.

An einem einzigen Tag kamen 17.000 Besucher. Eine extreme Überfüllung für Santorin, wo gerade mal etwas mehr als 15.000 Menschen leben. Aber rechtfertigt das einen Lockdown? Kavallaris‘ Aufruf löste in Griechenland sofort einen Sturm der Entrüstung aus. Nur 15 Minuten nach der Veröffentlichung wurde der Beitrag gelöscht. Doch der Screenshot war bereits in der griechischen Presse und die Debatte entbrannt: Schadet der Massentourismus der Insel? Wie kann Santorin nachhaltige Lösungen finden?

Lockdown auf Santorin gefordert: Wie der Massentourismus eine Insel beansprucht

Erst kürzlich hatten die Verantwortlichen auf Santorin angekündigt, die Anzahl der Kreuzfahrttouristen pro Tag begrenzen zu wollen. Bisher ist dies jedoch nicht gelungen, sehr zum Leidwesen der Einheimischen. Proteste gegen den Massentourismus, wie sie auf Mallorca stattfinden, oder konkrete Pläne für ein Verbot von Kreuzfahrten wie in Venedig gab es in Griechenland bisher nicht. Doch die Stimmung scheint sich zu ändern. Die Zeitung Ta Nea kommentiert: „Selbst wenn man davon ausgeht, dass die Ankündigung in bester Absicht erfolgt ist, ist es offensichtlich, dass die Situation auf Santorin unerträglich ist.“

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