„Tatort“-Kommissar in Sorge um sein Wohnviertel: „Atmosphäre ändert sich“

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Ein „Tatort“-Kommissar lebt seit 25 Jahren in Berlin-Kreuzberg und beobachtet mit Sorge, wie sich sein geliebter Kiez immer mehr verändert.

Berlin – Seit drei Jahrzehnten lebt Hans-Jochen Wagner (57) in Berlin, seit rund 25 Jahren im Stadtteil Kreuzberg. Was für viele ein angesagtes Szeneviertel ist, ist für den Schauspieler vor allem Heimat – eine, die sich spürbar verändert. Der „Tatort“-Star findet, dass in Kreuzberg nichts mehr ist wie früher.

„Tatort“-Schauspieler Hans-Jochen Wagner macht sich große Sorgen um seinen geliebten Kiez.
„Tatort“-Schauspieler Hans-Jochen Wagner macht sich große Sorgen um seinen geliebten Kiez. © IMAGO / PIC ONE

Im Interview mit „Brisant“ spricht der „Tatort“-Kommissar offen über Gentrifizierung, steigende Mieten und den schleichenden Verlust von Vielfalt in seinem Kiez. Schon in den 1990er-Jahren zog Wagner in die Hauptstadt. Kreuzberg lernte er als einen Ort kennen, der wild, offen und kreativ war. „Das ist ein Kiez, den ich sehr liebe, weil hier, als ich hergekommen bin, sehr viel junge Leute gewohnt haben“, erinnert er sich. Damals zog der günstige Wohnraum Künstler, Studierende und Menschen aus prekären Situationen an – eine Mischung, die das Viertel geprägt hatte.

Wenn Attraktivität ihren Preis hat: „Tatort“-Kommissar beobachtet Kiez-Entwicklung skeptisch

Diese besondere Mischung sieht Wagner heute gefährdet. „Ich liebe den Kiez immer noch, aber er verändert sich natürlich“, sagt er. Der Grund ist bekannt: „In dem Augenblick, in dem ein Kiez attraktiv wird, führt das natürlich dazu, dass die Preise, also der Mietspiegel, extrem steigt und die Atmosphäre sich auch ändert.“

Dass er sich mit gesellschaftlichen Fragen beschäftigt, ist kein Zufall. Wagner gilt als politisch engagiert und bekennt sich offen zu den Grünen. Im ARD-Politthriller „Am Abgrund“ setzt er sich auch beruflich mit Machtmissbrauch und Verantwortung auseinander. In Interviews betont er immer wieder, wie wichtig ihm der „Kampf für eine bessere Gesellschaft“ ist – allerdings im Einklang mit der eigenen Gesundheit. Gerade auf kommunaler Ebene sieht er heute zu wenig Engagement und eine wachsende Tendenz zum Rückzug ins Private. Gegenüber „Prisma“ sagte er im März 2024: „Ein bisschen steckt da die Überforderung wegen der vielen Reize drin. Und natürlich auch unsere digitalen Möglichkeiten und ‚Verpflichtungen‘ zur Kommunikation. Die Vereine haben Probleme, Leute zu finden, die Aufgaben übernehmen.“

Bekannt wurde Wagner einem breiten Publikum vor allem durch seine Krimirollen. Seit 2017 ermittelt er im Schwarzwald-„Tatort“ als Kommissar Friedemann Berg. Zuvor war er unter anderem in „Kommissarin Heller“, „Polizeiruf 110“ und „Mord mit Aussicht“ zu sehen. In Berlin lebt er mit seiner Ehefrau zusammen, Schauspielerin und Regisseurin Nana Neul. Übrigens: Kürzlich trauerte die Fernsehlandschaft um einen langjährigen „Tatort“-Schauspieler. Verwendete Quellen: prisma.de, „Brisant“ (Folge vom 4. Januar)