Iranischer Minister: "Wir helfen der Hamas"

Im iranischen Staatsfernsehen äußert sich ein Minister zur militärischen Unterstützung der Hamas-Terroristen. Ein Experte sieht eine Strategie dahinter.

Seit Jahren unterstützt es die Hamas finanziell und militärisch: Das islamische Regime im Iran ist ein enger Verbündeter der Terrororganisation. Zudem beschwört es in antisemitischer Rhetorik seit seiner Gründung den Untergang Israels herauf. Bereits kurz nach dem Angriff auf Israel am 7. Oktober galt es daher als möglicher Drahtzieher des Hamas-Angriffs.

Doch Beweise für eine direkte Beteiligung des islamischen Regimes gibt es nicht. Und die Machtelite in Teheran, so groß der Jubel nach dem Massaker in Israel auch war, stritt eine direkte Verbindung dazu stets ab. Ein Minister des Regimes äußert sich nun aber deutlich zur bisherigen Zusammenarbeit mit der Hamas.

Im Staatsfernsehen berichtet er, wie er die Terrorgruppe zu seiner Amtszeit bis 2004 als Offizier der Revolutionsgarde mit Raketen und Militärtraining verstärkt hat – und bekundet auch im aktuellen Nahostkrieg die Unterstützung des Regimes für die Terroristen. Das erregt Aufsehen: Ein SPD-Politiker fordert im Gespräch mit t-online Konsequenzen.

"Wir geben das ohne jegliche Scham zu"

Der iranische Kultusminister Ezzatollah Zarghami sagte vor wenigen Tagen: "Wir haben ihnen geholfen, wir helfen der Hisbollah, wir helfen der Hamas, wir helfen all denen, die unterdrückt werden, und wir geben das ohne jegliche Scham zu." Und: "Wir haben vor niemandem Angst." Das Interview wurde von der staatlichen Nachrichtenagentur Mehr News geführt und ausgestrahlt. Bis 2004 war Zarghami General der islamischen Revolutionsgarde und damit nach eigenen Angaben etwa für die Lieferung von Raketen an die mit dem iranischen Regime verbündeten Terrorgruppen verantwortlich, ebenso wie für deren Ausbildung.

Bei den gelieferten Raketen soll es sich nach Angaben Zarghamis um ballistische Mittelstreckenraketen des Typs Fadschr-3 gehandelt haben. Mit ihrer geschätzten Reichweite von bis zu 45 Kilometern ist die Terrororganisation Hamas damit in der Lage, größere israelische Ortschaften nahe des Gazastreifens zu treffen. Auch seit dem 7. Oktober wurden solche und andere Geschosse regelmäßig von Hamas-Terroristen auf Israel abgefeuert.

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Mit Blick auf die Hamas-Terroristen im Gazastreifen sagte Zarghami: "Wir kennen ihre Tunnel." Als damaliger Verantwortlicher für die Ausbildung der libanesischen Terrororganisation Hisbollah und der palästinensischen Hamas sei er in genau diesen Tunneln gewesen, in denen die Hamas jetzt kämpften. "Ich habe dort für die Hamas sehr erfolgreiche Schulungen abgehalten und sie über die Waffen und ihre Verwendung aufgeklärt", so Zarghami.

Über die Tunnel zur Dienstzeit Zarghamis ist nur wenig bekannt. Der militärische Arm der Terrororganisation begann in den 80er-Jahren mit deren Bau, vor allem, um Waren zu schmuggeln, später nutzte sie die Tunnel auch für militärische Zwecke, etwa um Terroranschläge gegen Israel zu verüben. Mit der Machtergreifung der Hamas im Jahr 2007 wurde das Tunnelsystem ausgeweitet.

Experte sieht eine Kampagne des Regimes

Die Äußerungen Zarghamis sind durchaus bemerkenswert: Das Regime hatte in den vergangenen Wochen zwar stets seine Solidarität mit der Hamas bekundet, mögliche militärische Verantwortung für den 7. Oktober jedoch von sich gewiesen. Der Iran-Experte Ali Fathollah-Nejad sieht in den aktuellen Äußerungen Zarghamis jedoch eine Strategie des Regimes.

Die Aussagen des Ministers könnten als Teil einer staatlichen Kampagne gewertet werden, so Fathollah-Nejad. Die politische Führung versuche, ihr Ansehen bei Anhängern und regionalen Verbündeten zu bewahren. Zarghami beziehe sich in seinen militärischen Aussagen dabei auf seine Amtszeit während des Iran-Irak-Krieges in den Jahren 1980 bis 1988. "Teherans zentrale Rolle für die militärische Kraft der Hamas soll unterstrichen werden", so der Politikwissenschaftler für den Nahen und Mittleren Osten und Direktor des Center for Middle East and Global Order (CMEG), zu t-online.

In Wahrheit aber sei die Islamische Republik darauf bedacht, aus Gründen der Regimesicherheit nicht direkt in den aktuellen Krieg einzugreifen oder eine direkte Rolle einzuräumen. "Aus demselben Grund bleibt die Unterstützung seitens der von Teheran geführten 'Achse des Widerstands' hinter den Erwartungen der Hamas zurück", so Fathollah-Nejad.