Blumen als Tisch- und Bühnendekoration und Musik – der Landfrauentag ist immer eine festliche Veranstaltung. Zugleich zeigte er aber, dass sich die Damen auch politisch einsetzen.
Dietramszell – Bestes Beispiel: Christine Singer, Landesbäuerin und Europaparlamentarierin (FW), die als Hauptreferentin aufzeigte, welche Forderungen der Berufsstand hat. Viel Raum nahm auch das Eindringen von Tierschutzaktivisten auf dem Hof des Bayerischen Bauernverbandspräsidenten Günther Felßner ein. Alle Redner waren entrüstet.
„Landwirtschaft trifft Politik“ hatte sich Singer zum Thema gewählt. „Super aktuell“, wie sie fand und gleich mit mehreren Schlaglichtern beleuchtete. So fand sie, dass man neue Wirtschaftsströme schaffen müsse, kritisierte beim Mercosur-Abkommen jedoch die mangelnden Standards und befürchtete beim Forstmonitoring ein Mehraufkommen an Bürokratie.
Landesbäuerin Singer wirbt für den Kauf heimischer Waren
Lob gab es für den neuen EU-Landwirtschaftskommissar Christophe Hansen: „Wir haben da jemanden, der zuhört.“ Die deutschen EU-Politiker kritisierte sie für ihre inzwischen berüchtigte Meinungslosigkeit. Sie seien dafür bekannt, einfach keine Stimme abzugeben.
Mit Blick auf das Thema Ernährung bemängelte Singer dessen zunehmende Ideologisierung, weg vom Gesundheitsaspekt hin zum Politikum. Dabei warb sie für den Kauf heimischer Waren, so wie dies etwa die Kanadier nach den Zollsanktionen Trumps täten und diesem damit „den Stinkefinger“ zeigten.
Rolle der Bäuerinnen im Wandel der Zeit
Erfreut war Singer über die sich wandelnde Rolle der Bäuerinnen. Die seien natürlich immer noch gerne der „soziale Kitt“, aber genauso Unternehmerinnen. Dabei wünschte sie sich, dass noch mehr von ihnen öffentlich in Erscheinung treten, so wie sie selbst auf Inspiration von Ehrenkreisbäuerin Anni Rieger in die Politik gegangen sei. Die Wahlen im kommenden Jahr böten sich an. „Drum, liebe Frauen: auf in die Kommunalpolitik“, ermunterte Singer.
Empört war sie über das Eindringen der Aktivisten von „Animal Rebellion“ auf dem Hof Felßners, der als neuer Bundesagrarminister gehandelt wurde. „Sein Stalldach wurde besetzt, Bengalos gezündet, seine Familie bedroht, sodass er aufgehört hat. Wo kommen wir denn da hin?“, war Singer entrüstet. Sie forderte dazu auf, an einer am Samstag nach dem Landfrauentag stattgefundenen Solidaritätskundgebung für Felßner in München teilzunehmen.
Der Tölzer Landrat Josef Niedermaier beobachtete eine generelle Tendenz zu Extremen. Diskutiert werde immer, manchmal auch hart. „Aber dann muss man eine gemeinsame Schnittmenge suchen.
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Tölzer Landrat Niedermaier appelliert an die Demokratie
Das ist das Wesen der Demokratie“, meinte Niedermaier. Hass und Streit würden jedoch zunehmen. Da stelle sich die Frage, welche Wirkung dies auf die Gesellschaft habe, auf Menschen, die sich einsetzen. Dennoch, oder genau deswegen, warb der Landrat für Engagement im Dienste der Gemeinschaft. „Wenn man das, was man sagt auch glaubt und tut, dann sind die Chancen hoch, etwas zu verändern“, war sich Niedermaier sicher.
„Das waren nicht Aktivisten, sondern Terroristen“, fand Kreisobmann Peter Fichtner hinsichtlich der Vorgänge auf Felßners Hof. Diese seien ein kriegerischer Angriff Vermummter gewesen und sollten auch rechtlich so behandelt werden.
Er rief ebenso zur Teilnahme an der Pro-Felßner-Demo auf. Gemeinsam sei man stark. Von der Wichtigkeit des Berufsstandes zeigte sich der Kreisobmann überzeugt: „Landwirtschaft und Hauswirtschaft halten unser Land am Laufen. Alles andere kannst vergessen, wenn wir nichts mehr zu essen haben.“
Hauswirtschaftsmeisterin aus Icking beim Landfrauentag geehrt
Damit hatte er auch schon ein Stichwort für den Veranstaltungsverlauf geliefert. Wie es Tradition ist, wurde eine junge Hauswirtschaftsmeisterin geehrt, die ihre Ausbildung erfolgreich absolviert hat: Jana Burlein aus Icking. Als ihr Meisterinnenprojekt eröffnete sie 2023 einen Dorfladen. „Und der läuft immer noch erfolgreich“, freute sich Burlein. Zudem stellten sich neun neue, junge Dorfhelferinnen vor, die Kreisbäuerin Uschi Fiechtner erfreut begrüßte: „Ein ganz herzliches Dankeschön für euer Engagement für unseren Landkreis. Ich wünsche euch, dass ihr nur schöne Einsätze habt.“
Der Landfrauentag begann mit einem Gottesdienst in der Dietramszeller Kirche Mariä Himmelfahrt, bot im Saal des mit 90 Gästen gut besuchten Gasthofes Peiß einige Verkaufsstände mit regionalen Handwerksprodukten und endete mit einem inspirierenden Referat von Bernhard Reitberger. „Dreiste Dorfleut und schwierige Stodara“ sollte über den richtigen Umgang mit schwierigen Zeitgenossen aufklären.
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