Spätis boomen – doch Einbrüche und Müll sorgen für Ärger

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Ist zufrieden mit dem Umsatz der letzten Wochen: Alexander Weckerle betreibt den Späti an der Weilheimer Ledererstraße. © Lehmann

Die Spätis expandieren rasant in bayerischen Städten wie Weilheim. Doch Betreiber kämpfen mit Diebstählen, Vandalismus und skeptischen Anwohnern.

Die Stadt Weilheim hat viel zu bieten, neben Kunst, Kultur und einer guten Lebensqualität sogar den ersten „Späti“ Bayerns, darauf ist Inhaber Felix Schimke-Klubuk stolz, der das Geschäft in der Pöltnerstraße im Jahr 2022 aufgezogen hat (wir haben berichtet). „Der Gedanke kam mir während der Corona-Zeit“, so der Mann, der eigentlich Wissenschaftler ist. Zunächst habe der Kiosk den Namen „Pölti“ getragen, doch Schimke-Klubuk merkte schnell, dass der Laden so nicht läuft. „Die Leute kennen es einfach als Späti.“ Kurzum wurde die Location also umbenannt.

Was die Stores so besonders macht ist, dass es keinen Verkäufer gibt. Darum kann auch 24/7 geöffnet sein. Bedienen können sich die Kunden an Automaten. Dort gibt es alles von Chips über Cola, Bier oder Snacks. Eine Umstellung auf Bio-Produkte und mehr Gesundes hat bei Schimke-Klubuk nicht funktioniert. „Die Leute wollen das nicht.“ Seit er einen Pächter hat, der Ahnung vom Verkaufen hat, ist Schminke-Klubuk mit dem Umsatz zufrieden.

Über 500 solcher Geschäfte gibt es mittlerweile in Bayern. „Mit einem geschätzten Jahresumsatz von über 80 Millionen Euro“, ergänzt Schimke-Klubuk. Auch in Weilheim hat nun der mittlerweile zweite Späti in der Ledererstraße eröffnet. Der wurde kurze Zeit später gleich überfallen. „Der Automat mit den Waves wurde geknackt“, so Alexander Weckerle. Wie berichtet, wurde der Fall gleich zur Anzeige gebracht, die Polizei bezifferte den Sachschaden auf rund 1500 Euro.

Auch Schimke-Klubuk zählt bislang einen Einbruch und mehrere Diebstähle. „Wir haben die Täter aber fast alle selbst mit einer KI-assistierten Überwachungskamera identifizieren können und der Polizei gemeldet.“ Nur einmal habe er ein Auge zugedrückt, als ein betrunkenes Mädchen „Quatsch“ gemacht hat. „Ihr tat es wirklich leid.“

Auch, was das Thema „Müll und Lärm“ angeht, sind die 24/7 Kioske vor einer Herausforderung. „Ich komme mindestens einmal täglich her und mache sauber“, so Weckerle. So mache es auch der Pächter von Schimke-Klubuks Laden.

Kritik an der Stadt Schongau

Massive Probleme hatte dahingehend Matthias Steinmeier vom Unternehmen Vadeli in Schongau. Bis in den Stadtrat ging das Thema. „Ich muss sagen, wir sind erschrocken, wie wir hier in Schongau empfangen worden sind“, so Steinmeier enttäuscht. Immerhin rund 150 000 Euro haben er und sein Geschäftspartner Thomas Kendlinger in den Automaten-Laden gesteckt. „Wir wollen eigentlich einen Heimatstore für die Bürger schaffen, der rund um die Uhr offen hat und ein anderes Sortiment abdeckt, als der Discounter um die Ecke.“ Werbewirksam wird die Optik aber wohl eher nicht. „Wir dürfen nur ein kleines schwarz-weißes Schild anbringen“, bedauert Steinmeier. Grund: Denkmalschutz. „Komisch nur, dass jeder Dönerladen eine bunte Tafel hat“, wundert er sich.

Zu guter Letzt hoffen die Betreiber des Vadeli auf eine vielschichtigere Kundschaft. „Bislang kommen viele Menschen mit Migrationshintergrund zu uns. Wir wünschen uns aber auch ältere Kunden, denn auch für sie ist etwas dabei.“ Fördern möchten Steinmeier und Kendlinger dies, indem sie momentan häufiger vor Ort präsent sind. „Die Senioren sind schon neugierig und schauen bei uns rein. Wir ratschen dann ein bisschen.“ Auf Dauer könne dieser Extra-Service aber nicht geleistet werden. Schließlich handle es sich um ein Verkäuferfreies Konzept.

Mehrere Spätis in einer Innenstadt wie Schongau oder Weilheim hält Steinmeier allerdings für nicht sinnvoll. „Die kannibalisieren sich gegenseitig und keiner macht mehr Geschäft.“ Am Ende, ist Steinmeier sicher, werden nur die überleben, die eine ordentliche Strategie verfolgen. „Und das tun wir, auch gegen das Ladensterben in Innenstädten.“