Blitzer belegt: Kein Raser-Problem in Farchant - zumindest innerhalb des Ortes

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Erstmals stand der Blitzeranhänger der Verkehrsüberwacher in Farchant an der Ortsdurchfahrt. © THOMAS SEHR

Scheinbar hat Farchant weniger Raser als befürchtet. Das zumindest zeigen aktuelle Messungen innerorts, die vor allem Bürgermeister Christian Hornsteiner beruhigen. Höhere Werte hingegen gibt‘s an den Ortsrändern.

Der dunkelgraue Kasten wird wohl jedem Farchanter aufgefallen sein, das Dorf Anfang August in Richtung Norden verlassen hat. Die Gemeinde hat ihre Ankündigungen von der Bürgerversammlung wahr gemacht und rückt Temposündern auf den Pelz. Dazu beauftragte die Verwaltung den Zweckverband Kommunale Dienste aus Bad Tölz, an der Ortsdurchfahrt einmal ein wenig genauer hinzuschauen – und den Blitz-Automaten am Straßenrand aufzustellen. Mit Erfolg. Zumindest sieht das Bürgermeister Christian Hornsteiner (CSU) so. Denn er zieht nach dieser Premiere ein positives Fazit: „Ich bin jetzt echt ein bisserl beruhigter. Denn es hat sich gezeigt, dass im Dorf wohl tatsächlich langsam gefahren wird.“ Werte der beiden Elektronischen Zeigefinger, die an den Ortsausgängen aufgestellt sind, waren zuvor teilweise alarmierend gewesen. Bis zu 250 Stundenkilometer hatte eines der Geräte der Firma PUS aufgezeichnet.

Hornsteiner denkt manchmal daran, was wäre, wenn Farchant in der heutigen Zeit den beiden Umgehungstunnel nicht hätte. „Das wäre ein Wahnsinn.“ Gar nicht mehr vorzustellen, wenn rund 30 000 Fahrzeuge heute im Schnitt pro Tag durch den Ort müssten. Seit dem Sommer 2000 hat die Gemeinde das Problem vom Tisch. Nun bekam Hornsteiner aber doch ein bisserl Angst, das Rasen könnte eine neues darstellen. „Die Ergebnisse der Messungen an den Ortsrändern waren schon alarmierend“, räumt er ein. Geschwindigkeiten bis zu 186 Stundenkilometer am südlichen Eingang, gar die erwähnten 250 am nördlichen Ende von Farchant.

Die Smileys, die auf der Tafel angezeigt werden, messen das Tempo

Warum dem Rathaus das so genau bekannt ist? Weil die „Smileys“, wie Hornsteiner die Anlagen nennt, die die Geschwindigkeit anzeigen, eben alle Pkw registrieren, die sich nähern. Sie messen das Tempo, teilweise mehrmals, zeichnen sonst aber nichts auf. Die Daten bekommt der Bürgermeister regelmäßig auf den Tisch. Somit kam er auch zu den irrsinnigen Werten. „Im Grunde können das ja fast nur Motorräder sein, die mit Vollgas heranrauschen“, spekuliert er. Manchmal hört er die sogar bei sich daheim auf der Terrasse, wenn zu später Stunde sie aus Richtung Burgrain daherbrausen und spät bremsen. „Dass es an den Ortseingängen wirklich so zugeht, bestätigen uns tatsächlich auch die Anwohner.“ Darum war es der Gemeinde so wichtig, ein Bild vom Tempo des Verkehrs innerorts zu bekommen.

So beauftragte das Rathaus den Zweckverband, den Blitzeranhänger im Bereich der nördlichen Ortsausfahrt aufzustellen. Eine Woche stand er dort. Das Resultat: Von 31 754 Messungen gab es nur 61 Beanstandungen, 57 davon sind weiterverfolgt worden. Heißt im Klartext: Sie erhalten ein Bußgeld. „Das sind 0,18 Prozent“, rechnet Hornsteiner aus. „Ein gutes Ergebnis für uns.“ Zwei Verkehrsteilnehmer fuhren schneller als 66 km/h, zwei flotter als 71 km/h. Die Zahlen von den Ortseingängen waren deutlich alarmierender gewesen: Am Nordende lag die Quote der Überschreitungen der zulässigen Geschwindigkeit von 50 bei 56,9 Prozent, im Süden waren es gar 61,6 Prozent. Das sind Zahlen aus dem Juli. „Das ist dagegen schon brutal viel“, moniert Hornsteiner. Um die 200 000 Fahrzeuge waren jeweils gemessen worden. Wenig überraschend: Die extremen Übertretungen geschehen in der Nachtzeit.

Ortsschild wandert in Richtung Norden

Das begeistert Hornsteiner nicht sonderlich. Ob die Gemeinde in diesen Bereichen reagieren wird, kann er noch nicht sagen. „Darüber werden wir im Gemeinderat sprechen müssen.“ Was fix ist: Wenn das neue Karosserie-Fachzentrum im nördlichen Gewerbegebiet fertig ist, wird dort das Ortsschild noch weiter in Richtung Oberau wandern. Somit verlängert sich die Ortseinfahrt nochmals. Quasi eine Verlockung, um dort schnell zu fahren. Das weiß auch der Bürgermeister. Daher hat sich der Bauausschuss dort schon einmal getroffen und über eine Verkehrsinsel sinniert, die ein wenig das Tempo rausnehmen könnte. Entschieden ist aber nichts. Denn: „Wir wollen dort nicht ein neues Problem schaffen, weil wir die Sicht für Abbieger verschlechtern. Das muss man sich genau anschauen.“

Neuerliche Blitzer-Aktionen mit dem Anhänger wird es vermutlich erst einmal nicht geben. Nach den positiven Erkenntnissen für Hornsteiner. Der Zweckverband überwacht in Farchant aber weiter den ruhenden Verkehr an den Wanderparkplätzen und ist immer wieder an der Partenkirchner Straße anzutreffen, um dort vor der Schule das Tempo zu kontrollieren. „Die Polizei steht ab und zu am Ortsende im Norden mit der Laserpistole, das geben aber nicht wir in Auftrag“, betont Hornsteiner. Der ist erst einmal froh, dass die Raserei zumindest im Ortsinneren kein größeres Problem darstellt.

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