Seit dem Starkregen vor vier Wochen ist die Unterführung unter der Autobahn A 96 zwischen Weßling und Gilching wegen Überflutung gesperrt. Abhilfe dürften wohl nur Baumaßnahmen bringen. Wer dafür zuständig ist, darüber können sich die Beteiligten bisher aber noch nicht einigen.
„Ein Fahrzeug in einer Unterführung im Wasser steckengeblieben. Zwei Personen und ein Hund aus Fahrzeug gerettet.“ Diesen Einsatz vermeldete die Freiwillige Feuerwehr Weßling am vergangenen Sonntag, 23. Juni, um Punkt 11.32 Uhr. Mal wieder hat es also einen Pkw in der Unterführung An den Gruben zwischen Weßling und Gilching erwischt. Noch immer steht in dem kurzen Stück unter der Autobahn A 96 das Wasser, noch immer verbieten Verkehrsschilder die Durchfahrt mit dem Hinweis „Fahrbahn überflutet“ – und das, obwohl der Starkregen mittlerweile rund vier Wochen her ist. „Wir diskutieren, wie wir mit der Situation umgehen“, sagt Weßlings Bürgermeister Michael Sturm im Gespräch mit dem Starnberger Merkur und erklärt: „Es gibt zwar sechs Sickergruben, aber die reichen nicht aus.“
Dazu benennt Sturm noch ein weiteres Problem. Durch die nahe gelegenen Kies- und Asphaltwerke würde auf den Fahrbahnen rund um die Unterführung oft Kies auf den Straßen liegen, der von den schweren Lastwagen regelrecht zu Mehl gefahren werde, was wiederum die Abflüsse verstopfe. „Wir lassen dort zwei- bis dreimal im Jahr den Dreck von einer Spezialfirma heraussaugen, aber das reicht nicht“, sagt Sturm und macht einen Vorschlag, wie sich das Problem dauerhaft lösen lasse: „Aus unserer Sicht wären das Sinnvollste Absetzschächte oder Vorfluter, die das Niederschlagswasser zurückhalten.“
Bloß: Eine solche Lösung kostet Geld – und sie benötigt den erforderlichen Grundbesitz. „Wer bezahlt und wo macht man das hin?“, fragt Sturm. Die Niederlassung Südbayern der Autobahn GmbH des Bundes hat dazu eine eindeutige Meinung: „Die Gemeindeverbindungsstraße liegt entsprechend Planfeststellungsbeschluss vom 2. Februar 1988 in der Baulast der Gemeinde Weßling. Der Unterhalt der Straße einschließlich der Entwässerungsanlagen (Sicker- und Absetzschächte) entlang der Gemeindeverbindungsstraße obliegt ebenso der Gemeinde“, schreibt die Pressestelle auf eine entsprechende Merkur-Anfrage.
Seit Mitte vergangenen Jahres gebe es Abstimmungsgespräche mit der Gemeinde. In deren Rahmen habe die Autobahn GmbH empfohlen, das Einzugsgebiet von einem Ingenieurbüro für Entwässerungsplanung neu berechnen und eine angepasste Entwässerungsplanung erarbeiten zu lassen. Auch die Autobahn GmbH schlägt neue, größere Absetzschächte vor, um die nachgeschalteten Sickeranlagen vor übermäßigen Verschmutzungen zu schützen. Und: „Der Anfrage der Gemeinde, ob solche gemeindlichen Schächte auf dem Grund der BRD errichtet werden dürften, wurde zugestimmt.“
Mit diesen Maßnahmen lässt sich nach Ansicht der Autobahn GmbH eine kurzfristige Verbesserung der Situation erreichen. Eine wie auch immer geartete Kombination mit dem Regenrückhaltebecken der Autobahn ist dagegen keine Option. Dieses liegt schlicht zu hoch für die Verbindungsstraße, die den tiefsten Punkt der näheren Umgebung markiert. Langfristig könnte dagegen der sechsstreifige Ausbau der A 96 zwischen den Anschlussstellen Oberpfaffenhofen und Wörthsee die Entwässerungssituation entschärfen. Über den Zeithorizont könne die Autobahn GmbH derzeit aber keine Angaben machen, hieß es in der Antwort.
Eine gewisse Brisanz hat das Thema in den vergangenen Monaten auch deswegen bekommen, weil das Starnberger Landratsamt es der Gemeinde Weßling untersagt hat, die Unterführung bei Überflutung mit einer Schranke zu sperren, wie sie es jahrelang getan hatte. Dafür habe es keine rechtliche Anordnung gegeben, erklärt Landratsamtssprecher Stefan Diebl den Schritt der Behörde. Zudem habe die erforderliche Zustimmung der Regierung von Oberbayern gefehlt. Diese müsse zustimmen, da die Straße als Ausweichstrecke der Autobahn ausgewiesen ist. Seitdem muss die Gemeinde – wie derzeit geschehen – im Überflutungsfall also eine Beschilderung aufstellen.
Das wiederum gefällt Michael Sturm nicht. „Nachdem wir die Schranke abgebaut und die Schilder aufgestellt hatten, sind kurz hintereinander vier Autos im Wasser steckengeblieben“, berichtet er. Weßlings Feuerwehrkommandant Marius Engel spricht lapidar vom „Klassiker“, wenn seine Leute wieder dorthin gerufen werden. Immerhin: Demnächst wollen alle Beteiligten in einem gemeinsamen Gespräch das weitere Vorgehen abstimmen. (ps)
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