Bei bestem Wetter und ebensolcher Stimmung hat am Freitag und Samstag die Freiwillige Feuerwehr Straßlach ihren 150. Geburtstag gefeiert. Den eigentlichen Festtag am Samstag bestimmten Festumzug, Kirche und Programm im Festzelt.
Straßlach - Gekommen waren freilich die Vereine vom Ort, die Burschen und der Sportverein, außerdem der Patenverein aus der Nachbargemeinde Grünwald. Ebenfalls dabei: die Feuerwehren aus Oberhaching, Deining, Ebenhausen, Baierbrunn und Dingharting. Letztere hat heuer ebenfalls ihr 150-Jähriges im Kalender stehen, verzichtet aber auf jegliche Feierlichkeiten. Auch die Landtagsabgeordnete Kerstin Schreyer (CSU) war gekommen.
Wichtige Säule der Gesellschaft
Die Feuerwehr, sagte Bürgermeister Hans Sienerth, der seine ganze Familie mit ins Festzelt gebracht hatte, sei eine der „stützenden Säulen der Gesellschaft“. Mit ihrer Ausstattung sei sie „am Puls der Zeit“, insgesamt bewirkten die Floriansjünger vor Ort, „dass ich gut schlafen kann“. Schreyer verzichtete auf große Worte und beließ es mehr oder weniger bei dem Satz: „Weil ihr viel arbeitet, müsst ihr viel feiern“, der gut ankam. Andreas Huber wiederum, seit Februar Kommandant der Truppe, meinte, er sei „stolz auf das bisher Geleistete“.
Einsatzzahlen steigen stetig
1875 hätten die Beteiligten ihre erste Löschmaschine geliefert bekommen, inzwischen stünden im Gerätehaus am Marienweg vier große Fahrzeuge, außerdem das Rettungsboot, das häufiger zum Einsatz kommt, als es der Feuerwehr lieb ist. Die Einsatzzahlen, bilanzierte Huber, würden „ständig nach oben“ gehen, sie liegen im Moment bei 140 bis 160 Unfällen, Bränden, sonstigen Ereignissen im Jahr, derentwegen die Aktiven ausrücken müssen.
Von der Ölspur bis zur Explosion
Die vergangenen 150 Jahre waren ereignisreich für die Feuerwehr Straßlach – die zum Jubiläum aufgelegte Festschrift zählt die wichtigsten Einsätze auf. Schon 1881, sieben Jahre nach Gründung der Feuerwehr, brannte ein Hof vor der Haustür – das Schusterbauern-Anwesen. 1884 stand dann die halbe Gemeinde in Flammen, sechs Höfe mit allen Haupt- und Nebengebäuden waren in Brand geraten. Auch die gerade erst restaurierte Kirche wurde massiv beschädigt. Im Zweiten Weltkrieg wurden die Beteiligten mit ihrer Motorspritze immer wieder ins brennende München gerufen. Während dann in den 50er Jahren zunehmend auch technische Einsätze auf der Tagesordnung standen. Einmal musste ein Bulldog geborgen werden, es galt, Ölspuren und die Verwüstungen von Unwettern zu beseitigen. 1956 leisteten sich die Beteiligten eine neue Fahne, 1982 waren sie mit im Einsatz, als es bei Peroxid in Pullach brannte. Ein besonders beklemmendes Ereignis verzeichnet die Chronik 1986 – die RAF hatte das Auto von Siemens-Vorstand Karl-Heinz Beckurts in die Luft gesprengt, für sechs Wochen schlug eine Sonderkommission des Bundeskriminalamts ihr Quartier im Feuerwehrgerätehaus auf. 1988 brannte es erneut in der Pullacher Chemiefirma, 1994 standen Kulissen der Bavaria-Filmstadt in Geiselgasteig in Flammen. Zweimal hatte es noch einmal in Straßlach selbst gebrannt – einmal in Hailafing, dann im Herzl-Anwesen, nach einem Blitzschlag.
Der Festzug durch den Ort, der übers Rathaus erst bis zum Markushof führte, dann zum Gasthof zum Wildpark, war angeführt worden von Otto Hueber, einem langjährigen Mitglied, das 40 Jahre für die Feuerwehr mit ausgerückt und jetzt immer noch passiv dabei ist. Hinter ihm hergezogen wurde die Motorspritze von 1935, die den Zweiten Weltkrieg überlebt hat, gefolgt vom VW-Bulli, einem T 1, der immerhin bis 1997 gefahren worden ist. Ebenfalls eigens für den Festtag organisiert hatten die Verantwortlichen den BMW, der bei ihnen bis 2019 in der Garage gestanden hat und der jetzt einem Grünwalder gehört. Gefeiert wurde dann bis in die Nacht, irgendwann am Abend wurde die Deininger Blasmusik auf der Bühne abgelöst von den Flexibells.