„Gendern und Klimakatastrophe verboten“: Die Starkbier-Rede beim Schex

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Süffiges Bier und deftige Pointen (v. l.): Manfred Slawny, Brauerin Barbara Lohmeier, Trauerrednerin Patrizia Müller, Bürgermeister Johann Wiesmaier aus Fraunberg, Ministerin Ulrike Scharf, Pfarrer Martin Ringhof, Bürgermeister Ullrich Gaigl, Bundestagsabgeordneter Andreas Lenz, Fastenprediger und Wirt Anton Silbernagl sowie Lengdorfs Bürgermeisterin Michèle Forstmaier. © Johanna Furch

Bei seiner Starkbierrede nimmt Anton Silbernagl die Politik aufs Korn - und das „eventuell zum letzten Mal“ beim Schex.

St. Wolfgang – Voller hätte es im Saal des Gasthaus zum Schex fast nicht sein können als beim Starkbierfest in St. Wolfgang. Wirt Anton Silbernagl servierte der Prominenz und weiteren Gästen ein Menü aus humorvollen und meinungsstarken Reden. Wie es sich beim Politikerderblecken gehört, kam kaum jemand ungeschoren davon.

Musikalisch begleitet vom Musikverein St. Wolfgang und ausgestattet mit süffigem Starkbier der Brauerei z’Loh, fehlte es den Starkbierfreunden an nichts. „Die schönsten Geschichten schreibt das Leben“, fand Fastenprediger Silbernagl und stieg deshalb mit Anekdoten aus dem Alltag ein, bevor er seine Jahresbilanz zog. Zum letzten Mal Starkbierfest in St. Wolfgang drohte er gleich zu Beginn seiner Predigt an, korrigierte sich auf das Zurufen seiner Gäste aber auf „eventuell zum letzten Mal“.

Landrat Martin Bayerstorfer sei seit einiger Zeit auch als Jäger tätig, habe aber „schon oft einen Bock geschossen, als er noch kein Jäger war“, befand der Schexn Toni bei der Begrüßung der Ehrengäste.

Ein wenig ernster wurde er mit Blick auf die politisch rechten Bewegungen. „Es gibt viele verschiedene Meinungen und Anschauungen - und das ist auch richtig und gut so“, fand er, betonte aber: „Bei Artikel 1 von unserem Grundgesetz sollten wir uns alle einig sein, der Menschenwürde“ – Applaus.

Schnell kam er auf das Gemeindegeschehen zu sprechen. „In St. Wolfgang werden Baugebiete mit sehr viel Bedacht vorangetrieben – oder besser gesagt vor sich hergeschoben“, fand er und hatte eine ganz pragmatische Lösung parat. Sein Vorschlag für das ehemalige Brauereigelände: „Gut versichern und dann eine Feuerwehrübung.“

Die Floriansjünger lobte er auch direkt für ihr 150. Jubiläum. „Ein rundum gelungener Abend, trotz Schirmherr Markus Söder“, bescheinigte er. Der Ministerpräsident wurde ordentlich derbleckt, vielleicht auch deshalb, weil der trotz Einladung und persönlich überreichter Freikarten beim Neujahrsempfang in der Residenz nicht erschienen war.

Auch Hubert Aiwanger habe Fastenprediger Silbernagl zwei Karten in die Hand gedrückt und beiden Politikern gratis Essen versprochen. „Im Gegensatz zu vielen Spitzenpolitikern halte ich, was ich verspreche“, deshalb überreichte er der stellvertretenden Ministerpräsidentin Ulrike Scharf zwei Portionen Milzwurst für die nächste Kabinettssitzung mit den beiden. Auch die Gäste gingen nicht leer aus: Die nächste Halbe Starkbier für jeden im Saal gab der Wirt aus.

Für die von der Bürokratie geschundenen Landwirte legte er noch eins drauf: „Wer seinen Mitgliedsausweis vom Bayerischen Bauernverband dabei hat, kriegt auf die vorhergehende Halbe einen Euro Rückerstattung.“ Allerdings nur nach einem vorher ausgefüllten Antragsformular, das ab nächster Woche heruntergeladen werden kann.

Die Bürokratie kritisierte er auch in Bezug auf Migration. So würden einerseits in allen Branchen Arbeitskräfte gesucht, während andererseits viele Menschen nach Deutschland gekommen seien, die arbeiten könnten und würden – wären die bürokratischen Hürden niedriger.

Auch auf die aktuelle Regierung kam er zu sprechen. So seien die Grünen an allem schuld: Klimawandel, Bürokratie, Wirtshaussterben und „dass die Nationalmannschaft bei der WM vorzeitig ausgeschieden ist“. Der Prediger stellte daraufhin eine Liste mit fünf schlimmen Dingen vor, die den Bürgern aber dennoch lieber seien als die Ampel-Regierung. An der Spitze mit 90 Prozent: „Sie würden sich lieber ein Spiel der St. Wolfganger Fußballer anschauen.“

„Lasst uns positiv in die Zukunft schauen, alles wird gut“, schloss der Wirt seine diesjährige Predigt und stellte in Aussicht: Ministerpräsident Söder wird Bundeskanzler, und damit werden „gendern und die Klimakatastrophe bundesweit verboten“, Ostdeutschland wird wieder ein eigenständiger Staat mit Ministerpräsident Björn Höcke, und St. Wolfganger Urgestein Hans „heilig“ Grasser wird Papst.

Nach dem Ende seiner Fastenpredigt hielt Patrizia Müller eine Trauerrede auf das letzte Starkbierfest in St. Wolfgang. „Wenn der Saal erzählen könnte, was hier alles los war, wäre es für viele gescheiter, sie wären heute nicht da.“ Weil der „Done ohne Saal“ nun viel Freizeit habe, gab sie ihm Anregungen, wie er diese füllen könne. Etwa als Leitung der Kindertagesstätte, „weil das darf ja jetzt jeder, man braucht keine pädagogische Ausbildung mehr“. Oder er könne sich ehrenamtlich bei den St. Wolfganger Fußballern engagieren, „weil die können in jeder Hinsicht Unterstützung gebrauchen“.

Als Überraschungsgast gab Manfred Slawny aus Taufkirchen bei einer Reise vom Strandurlaub bis hin zum Starkbierfest St. Wolfgang Wortspiele zum Besten, in denen sich die Namen von den Politikern aus Berlin, der bayerischen Staatsregierung und letztlich den Gemeinderäten St. Wolfgang wiederfinden ließen. So fragte er sich beispielsweise zu den Berliner Politikern: „Was trinken die eigentlich den ganzen Tag, um solche Entscheidungen zu treffen?“ und beantwortete direkt selbst: Ricarda von den Grünen trinkt Lang-Drinks und Friedrich von der CDU ein Merzen.

Der Gemeinderat St. Wolfgang dagegen erinnere an einen Bauernhof – zumindest wenn es nach den Namen der Räten gehe. Dabei sprach er von „Ziegen und Axenböcken, Kühen und Stierstorfer, Schweinen und ein kleines Eberl“. Bürgermeister Ullrich Gaigl spiele zwar nicht die erste Geige, aber zumindest ein kleines Gaigl.

Zum Abschluss durfte die anwesende Prominenz noch ihren Humor beweisen. Sogar Pfarrer Martin Ringhof ließ sich nicht lumpen und gab vier Witze zum Besten. „Den Pfarrer bauen wir nächstes Jahr direkt ins Programm mit ein“, sagte der Wirt lachend und spendete damit einen kleinen Hoffnungsschimmer auf süffiges Starkbier und Pointen im Schex-Saal im nächsten Jahr.

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