Wer sich für Historisches, Tanz, Gauklerei, Ritter, Markttreiben oder Gaumenschmaus interessiert, war am vergangenen Wochenende beim Festival „ANNO 1525“ in Erkheim.
Schon zum Auftakt mit der „Nacht der Spielleut, des Feuers und der Gaumenfreuden“ am Freitag kamen viele Besucher zum neuen Veranstaltungsort, aber mit insgesamt nur rund 3000 Besuchern bei herbstlich durchwachsenem und regnerischem Wetter waren die Veranstalter nicht ganz zufrieden. Die Stimmung beim Lagerleben und bei den Besuchern war dagegen ungetrübt.
Auf 40.000 Quadratmetern tummelten sich wehrhafte Bauern, stolze Landsknechte, Gaukler, Musiker und Tänzer und ließen für die Besucher das Allgäu wie vor 500 Jahren lebendig werden. Von Freitag bis Sonntagabend wurde gefeiert, geschlemmt, gegaukelt, getanzt, getrommelt und geratscht.
Das Programm hatte für jeden etwas zu bieten und so kamen Teilnehmer und Besucher aus nah und fern – aus Prag, aus Vorarlberg, aus dem Landkreis Landsberg oder aus Kempten wie Familie Klein mit zwei Kindern. Viel Aufmerksamkeit bekamen Bernhard Kraus aus Weilheim, sein Wanderfalke und seine Erzählungen über das mittelalterliche Privileg der Falknerei: die Tiere waren begehrte Jäger, die für den Adel Leckereien wie Fasan oder Rebhühner auf den Tisch brachten.
Leder- und Metallaccessoires und Schmuck hatte der „fahrende Händler“ Bernd Müller aus Ulm dabei. Holzkunst und viele Geschichten aus dem Mittelalter präsentierte an seinem Stand Wolfgang Krause aus dem Ries: vom Erkennungsspruch der aufständischen Bauern bis hin zu mittelalterlicher Satire wusste er viel zu erzählen. Wer die Beeren liebt, „von Elfen und Kobolden gesammelt, von Feen und Hexen vergoren“, traf sich am Stand der „Drachenmühle“ aus Unterfranken.
Für die Familien, die am Samstag nach Erkheim gekommen waren, war das Kinderritterturnier sicher ein Höhepunkt. Auf der Bühne war den ganzen Tag Programm: vom Schlangentanz über Konzerte bis zur Feuershow und kulinarisch blieben keine Wünsche offen.
Highlight Lagerleben
Ein besonderer Höhepunkt war das Lagerleben: 30 Lagergruppen mit rund 500 Personen hatten mittelalterliches Leben nach Erkheim zurückgebracht. Besucher genossen kleine Vorführungen, konnten selbst Bogenschießen oder die Armbrust testen oder trafen sich bei frischen Temperaturen auf einen Plausch am Lagerfeuer.
Die Lagerleute trotzten Regen und Schlamm, um Gemeinschaft und Zusammenhalt zu pflegen, die Freiheit zu genießen und zu entschleunigen, erzählte Sabine Schneider von Nobilis Venandi aus Kaufbeuren. Tagsüber spielten die Kinder im Lager der Lagorias Fähnlein aus Neuburg an der Donau historische Spiele und abends saßen die Großen bei einem Becher Met zusammen und machten Musik - mit der Drehleier oder ihren Trommeln.
Aufwand groß, Einnahmen kleiner
Besser konnte man sich nicht in das Jahr 1525 und zu den Bauernkriegen zurückversetzen lassen. Thomas Visel, Vorstand und Hauptorganisator seitens der „Schwarzen Schaar“, die zum elften Mal ANNO 1525 veranstaltet hatte, war rundum zufrieden mit dem neuen Standort in Erkheim und der Unterstützung vor Ort. Der Wettergott hatte nur diesmal nicht mitgespielt, so dass nicht so viele Besucher gekommen waren, wie sich Visel und vor allem sein Schatzmeister gewünscht hätten. Jetzt bleibt der Verein auf hohen Kosten sitzen, obwohl die Mitglieder und viele Freiwillige „Großartiges geleistet haben“. Aber am Ende zählten die gute Stimmung, das Miteinander und die Begeisterung für „ANNO 1525“.
Wer das große Spektakel verpasst hat, sollte sich schon den September 2027 vormerken, wenn das Festival wieder stattfindet.
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