Pfiffe im Sportpark? „Ich würde mich drüber freuen“, sagt René Vollath: „Dann bin ich am stärksten.“ Teil II seines Derby-Vorausblicks. Der Ex-Hachinger über...
...Sticheleien vor dem Derby: „Es ist noch relativ ruhig. Ich bin eh nicht so einer, der im Vorfeld stichelt und Giftpfeile losschickt - und dann stehst du danach da und denkst dir: ‚Hm, schade.‘ Irgendwer hat mich nach dem Derbysieg gegen Sechzig gefragt, ob Haching Sechzig jetzt überholt hätte. Auch da habe ich im Moment der Euphorie gesagt, dass das keine Frage ist, die ich beantworten muss, denn das ist polemisch. Ich bin keiner, der auf die Idee kommen würde, dem Markus Schwabl vorher zu schreiben und zu sagen: ‚Ihr könnt die Dinger schon reinhauen, aber ich pflücke eh jeden runter.‘ Oder was weiß ich was. Das hat keinen Mehrwert. Aber die Jungs haben auch noch nichts gehört, obwohl Schiffi und Hobschi noch deutlich mehr Kontakt haben zu Haching als ich.“
...seine Mit-Seitenwechsler Schifferl und Hobsch: „Grundsätzlich war die Mannschaft, wie sie zusammengestellt worden ist und mit welcher Qualität schon auch ein Grund für den Wechsel zu Sechzig. Mit den Beiden war ich auch schon vorher im Austausch, jeder hat vom anderen mitbekommen, dass da etwas mit Sechzig ist. Sie haben auch gesagt: ‚Wäre schon cool...‘ Ich mag die zwei sehr gerne. Mit dem Hobschi zusammen habe ich auch schon viel erreicht. Auf der einen Seite bin ich total seriös, aber bei Haching hat er immer gesagt: ‚Twoface‘, denn manchmal kippt es bei mir und dann ist zwischen dem Hobschi und mir gar nicht so viel. Ich war früher, mit 24, auch ein bisschen Lebemann. Seit der Zeit beim KSC bin ich zum Vollprofi geworden, achte auf Ernährung, Schlaf und alles, was mit der Performancesteigerung zu tun hat. Der Hobschi ist eher weniger dafür bekannt, dass er gerne Proteinshakes trinkt. Deswegen haben wir in Haching immer gesagt: Hobsch und Vollath sind gar nicht so unterschiedlich von der Lebensführung her, da ist gar nicht so viel dazwischen, wie man denkt.
...Hachings abgewanderte Achse: „Die Achse ist weg, das kann man schon so sagen. Auch Seppi Welzmüller, der unfassbar viel für Haching geleistet hat, Mathias Fetsch.
...Favorit Sechzig: „Das Momentum ist ein bisschen auf unserer Seite, definitiv. Wir sind auch gut gewachsen, Haching hat seit einiger Zeit nicht mehr gepunktet. Aber es ist in dieser Liga trotzdem jedes Spiel 50:50. Auch am Sonntag wird entscheidend sein, wer drüber geht und in den entscheidenden Momenten da ist.“
...die Auswärtsstärke der Löwen: „Da sind wir wieder beim Thema Visualisierung: Als ich darüber nachgedacht habe, habe ich mir wirklich gewünscht, dass wir das erste Spiel in Haching haben. Wenn mich das ganze Stadion auspfeift, bin ich mit am besten. Das gefällt mir. Ich glaube, dass der Druck, die Leidenszeit der Fans, dass sich das momentan auch aus uns überträgt im Grünwalder. Auswärts war es meistens so, vom jeweiligen Momentum, dass wir nicht als Favorit angereist sind. In Bielefeld hat keiner was erwartet, das hat uns ein bisschen den Druck genommen. Aber ich denke, dass wir in den letzten Spielen so zusammengewachsen sind, dass die Ergebnisse zwangsläufig kommen, auch zuhause.“
...seine Rolle als Führungsspieler: „Man muss im Spiel immer im Hier und Jetzt sein: In dem Moment, auf dem Platz. Am Ende sind wir Spieler es, die es richten. Wir stehen auch in der Verantwortung für unsere Leistung. Wenn jemand pfeift oder buht und ich dadurch meinen Moment verliere, kann ich es auch gleich sein lassen. Wir sind ja nicht beim Tennis, wo meistens Stille ist. Wir müssen immer bei uns bleiben, nur bei uns bleiben. Jede Kleinigkeit feiern. Wenn einer den Ball ins Toraus grätscht, ist es auch eine tolle Situation. Das ist es, was ich vermitteln will.“
...das Verhältnis zu Marco Hiller: „Ich weiß selbst, wie es ist, in einer solchen Situation zu sein wie Marco. Bei mir war das so in Uerdingen. Ich finde nichts schlimmer, als wenn sich der neue Kollege dann nicht gut verhält. Man muss das eine vom anderen trennen und ich denke, dass wir das beide relativ gut kennen. Dazu muss ich etwas ausholen: Als dieses Burgerfest im Werksviertel war, war ich mit meiner Frau und meiner Tochter dort. Wir sind Riesenrad gefahren. Danach steigen wir in die S-Bahn und treffen Marco Hiller. Wir wohnen seit drei Jahren 400 Meter auseinander, beide Nähe Isartor, und haben es geschafft, uns kein einziges Mal über den Weg zu laufen. Das habe ich meiner Frau erzählt und nachdem ich es ausgesprochen hatte, habe ich ihn einen Tag später beim Bäcker gesehen und zwei Tage danach eben in dieser S-Bahn: Mit seiner Frau, seiner Tochter und Fynn Lakenmacher war noch dabei. Wir sehen uns aus der Distanz und ich sage zu meiner Frau: ‚Wir gehen jetzt nicht hin, weil ich will ihm nicht auch noch in seinem Privatleben auf die Eier gehen, wenn die Situation für ihn eh schon beschissen ist. Dann kam aber er. Das fand ich sehr beeindruckend und habe ihm das am nächsten Tag auch nochmal gesagt. Es ist nicht selbstverständlich, dass man das trennen kann. Ich finde, dass sowas schon ein Zeichen ist, dass keiner von uns Angst haben muss, dass ihm der andre die Reifen vom Auto zersticht oder vom Fahrrad. Wir haben einen gesunden Konkurrenzkampf auf dem Platz und alles andere ist gut, so wie es ist.“
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...Schüler Heide gegen Mentor Vollath: „Leider hatte ich von Konsti in dem Jahr zu wenig, als dass ich es voll und ganz unterstreichen würde. Aber ich sehe in dem, wie er sich bewegt und was er tut, schon ein bisschen was von dem, was ich in der Torhüterakademie integriert habe. Manchmal denke ich schon drüber nach, aber ich glaube, es wäre nur zu 60, 70 Prozent richtig.“
...seine Rolle als Torhüter-Coach: „Wir sind in dem Status, dass ich alle Torhüter kennenlerne. Bis zur U13 habe ich alle durch. Ich möchte alle kennenlernen und dann im Einzeltraining den maximalen Wert rausholen kann. Man wird mich nicht häufig im Gruppentraining sehen, nur um ein paar Bälle zu werfen. Ich denke, meine große Stärke ist es eher, im Individualtraining zu arbeiten. Bei dem Start, den wir hatten, wäre es Harakiri gewesen, noch drei Mal pro Woche bei der Jugend zu stehen. Aber je länger ich hier bin und je länger ich reinwachse, desto intensiver kann ich mich einbringen.“
...Vollath als Vollprofi bis 40: „Ich denke, dass ich grundsätzlich noch lange spielen kann. Ich werde nicht schlechter und auch nicht unfitter, denke ich. Ich fühle mich mit meinen 34 Jahren auch nicht als ältester Spieler und in der Kabine sage ich immer, dass der Schubi älter ist. Wenn ich es alleine entscheiden könnte, würde ich sagen, ich spiele locker noch sechs, sieben Jahre. Aber leider kann ich das nicht ganz alleine entscheiden.“
...das DFB-Tor: „Es ist eine Grundsatzfrage, ob man einen Jungen aufbauen will oder Ergebnisse liefern. Wir haben keinen Torhüter zwischen 22 und 28, der in der Lage wäre, so zu spielen, dass er deutlich besser wäre als ter Stegen, Nübel, Trapp, Baumann. Wenn man einen jungen Spieler aufbaut, geht man die Gefahr, dass er inhaltlich noch nicht so weit ist. Es gibt schon Jungs, aber die brauchen alle noch Zeit. Wenn mich Sandro Wagner anrufen würde, würde ich ter Stegen oder die Jungs, die da sind, in den Kasten stellen.“