Die Rücklagen der gesetzlichen Rente schmelzen dahin. Schon bald braucht es deshalb Beitragserhöhungen. 2028 droht ein dickes Plus.
Berlin – Die Rücklagen der Rente schmelzen, die Nettogehälter der erwerbstätigen Beitragszahler könnten schon bald folgen: Die zunehmende Zahl der Rentnerinnen und Rentner und die steigenden Renten werden schon 2028 für einen deutlichen Anstieg des Rentenbeitrags sorgen – und damit für weniger Netto vom Brutto der Arbeitnehmer.
Rentenbeiträge könnten 2027 steigen: Schätzerkreis erwartet Plus von bis zu 0,3 Prozentpunkten
Der Anteil der Löhne und Gehälter, der an die Rentenkassen fließt, werde im Jahr 2027 wieder steigen, berichtete das Portal Ihre-Vorsorge.de mit Verweis auf die „Frühjahrsfinanzschätzung 2025“ des Rentenschätzerkreises berichtet. Dieser sei kürzlich der Bundesvertreterversammlung der Deutschen Rentenversicherung (DRV) vorgestellt worden.
Damit würden die Rentenbeiträge erstmals seit 20 Jahren steigen. Derzeit zahlen Arbeitnehmer und Arbeitgeber 18,6 Prozent des Bruttogehalts in die Rente ein, wobei sie jeweils die Hälfte übernehmen. Nach einer Erhöhung 2027 könnten es 0,2 oder 0,3 Prozentpunkte mehr sein. Dann würden 18,8 bzw. 18,9 Prozent fällig. Die bedeutende Grenze von 20 Prozent könnte dann 2028 fallen, wenn die Beiträge um weitere 1,2 Prozentpunkte steigt.
Über 20 Prozent des Gehalts für die Rente: Tabelle zeigt Prognose
Weitere Beitragserhöhungen drohen dann ab 2031. Laut Ihre-Vorsorge.de geht der Schätzerkreis von einem Beitragssatz von 20,3 oder 20,4 Prozent aus. Die Marke von 21 Prozent des Bruttogehalts soll 2035 überschritten werden. 2040 könnte der Rentenbeitragssatz bei 21,4 Prozent liegen.
| Jahr | Beitragssatz in % d. Bruttogehalts |
|---|---|
| 2025 | 18,6 |
| 2027 | 18,8–18,9 |
| 2028 | 20 |
| 2031 | 20,3–20,4 |
| 2040 | 21,4 |
Entwicklung der Rentenbeiträge hängt von politischen Entscheidungen ab
Der Anstieg ab 2031 ist laut der Meldung davon abhängig, ob das von der Bundesregierung geplante Rentenpaket 2025 verabschiedet wird. Dabei plant die Koalition von Union und SPD, das Rentenniveau von 48 Prozent bis 2031 zu sichern. Ab 2029 plant die Regierung eine Prüfung. Bis dahin wollen sie die Kosten aus dem Haushalt erstatten. Das gilt auch für die Ausweitung der Mütterrente.
Dennoch sieht sich die gesetzliche Rentenversicherung durch die Alterung der Gesellschaft und das daraus entstehende Missverhältnis zwischen Rentenbeziehern und Beitragszahlern mit steigenden Ausgaben konfrontiert. Die Finanzrücklage der DRV leidet darunter – auch weil der Bund nach Ansicht der Versicherung zu wenig für versicherungsfremde Renten-Leistungen zahlt.
Rücklagen der gesetzlichen Rentenversicherung schmelzen dahin
Laut der neuen Schätzung geht die Finanzrücklage der Rentenversicherung von 43,8 Milliarden Euro Ende 2024 auf 38,5 Milliarden Euro Ende diesen Jahres zurück. Das entspreche 1,29 Monatsausgaben. Ende 2026 sollen es jedoch nur noch 0,82 Monatsausgaben sein, wenn das Polster bei 25,8 Milliarden Euro liegen könnte. Ende 2027 droht demnach ein Rückgang auf die gesetzliche Mindestrücklage von 0,2 Monatsausgaben.
Im Herbst 2027 könnte die Rentenversicherung „vorübergehend nicht in der Lage sein, aus eigenen Mitteln die Renten zu zahlen“, hatte DRV-Vorstand Alexander Gunkel bereits Ende des vergangenen Jahres gewarnt.
Wirtschaftskrise könnte Rente in Finanzierungsnot bringen – Bund reagiert
Besonders im Falle einer plötzlichen starken Wirtschaftskrise könnte die Rentenversicherung in Finanzierungsnot geraten. Die Bundesregierung will die Mindestrücklage deshalb auf 0,3 Monatsausgaben erhöhen. „Dadurch wird die unterjährige Liquidität der allgemeinen Rentenversicherung gestärkt“, so der Entwurf des Rentenpakets.