SpaceX hat Russlands illegal genutzte Starlink-Terminals abgeschaltet. Der Ukraine schafft das einen massiven Vorteil an der Front.
Kiew – Nach der Abschaltung illegal genutzter Starlink-Terminals für russische Truppen ist die Intensität der russischen Angriffe an der Front im Ukraine-Krieg spürbar zurückgegangen. Die Firma SpaceX vom Tech-Milliardär Elon Musk hatte am 4. Februar auf Ersuchen der ukrainischen Regierung die in Russland und der Ukraine betriebenen Starlink-Terminals auf dem grauen und schwarzen Markt abgeschaltet. Da die ukrainischen Starlink-Terminals legal erworben wurden, waren diese laut der Kyiv Post von den Abschaltungen nicht betroffen. Das verpasste der Ukraine wohl kurzzeitig einen massiven Vorteil, wie ukrainische Daten nun zeigten.
Wie die Kyiv Post unter Berufung auf Daten des ukrainischen Generalstabs berichtete, sanken russische Bodenangriffe und Artillerieschläge in der Woche nach der Starlink-Zugangssperre je nach Tag um 20 bis 30 Prozent. Während zuvor täglich 180 bis 200 Angriffe registriert wurden, mit Spitzenwerten von bis zu 250 Gefechten, lag der Durchschnitt zuletzt bei 130 bis 160 Kampfhandlungen pro Tag. Am Donnerstag seien innerhalb von 24 Stunden 124 Gefechte gemeldet worden. Am stärksten umkämpft blieben laut Kyiv Post die Sektoren Pokrowsk und Huljajpole in der Region Saporischschja.
„Katastrophe“: Starlink-Whitelisting schwächt Russland im Ukraine-Krieg massiv
Nach Angaben von Ukrinform hat die Einführung der sogenannten „Whitelisting“-Protokolle durch SpaceX in Abstimmung mit der ukrainischen Regierung die russischen Kommando- und Kontrollstrukturen massiv geschwächt. Nicht autorisierte Terminals seien faktisch funktionsunfähig geworden.
Der Berater des ukrainischen Verteidigungsministeriums für Militärtechnologie, Serhij Beskrestnow („Flash“), beschrieb die Lage laut Ukrinform drastisch: „Der Gegner hat nicht nur ein Problem an der Front – der Gegner hat eine Katastrophe.“ Beskrestnow berichtete weiter: „Sein gesamtes Kommando- und Kontrollsystem ist zusammengebrochen. In vielen Sektoren sind Angriffsaktionen gestoppt worden.“
Das Institute for the Study of War (ISW) betonte in einem Bericht kurz nach der Abschaltung der Starlink-Terminals die operative Bedeutung satellitengestützter Drohnensteuerung. Russlands Armee habe Starlink-gestützte Drohnen für die Echtzeit-Zielerfassung genutzt, besonders für bewegliche Ziele. „Russische Kräfte werden wahrscheinlich Schwierigkeiten haben, dieses Operationstempo kurzfristig aufrechtzuerhalten, sofern sie keine Umgehungslösungen finden oder neue technologische Lösungen anpassen“, so das Urteil des ISW.
Vorteil im Krieg für die Ukraine: Russlands Armee ohne Starlink „blind“
Der Leiter des ukrainischen Ausbildungszentrums für Drohnenoperatoren, Wiktor Taran, erklärte laut Ukrinform: „Russische Truppen sind nahezu blind – sie können nicht sehen, was auf dem Schlachtfeld geschieht. Infolgedessen werden ihre Angriffe weniger effektiv und ihre Verluste steigen. Die Ukraine hingegen gewinnt die strategische Initiative zurück und kann schneller Entscheidungen treffen.“
„Wer verlässliche Kommunikation hat, sichert operative Führung und Kontrolle. Wer operative Kontrolle sicherstellt, bewegt sich in allen Prozessen schneller“, so Taran weiter. Den wahrscheinlich zeitlich begrenzten Vorteil macht sich die Ukraine nun offenbar zunutzen.
Ukraine startet Gegenangriffe – Russland-Propagandist fordert extreme Lösung für Starlink-Problem
Wie das Institute for the Study of War (ISW) berichtete, nutzte die ukrainische Armee nun die Gelegenheit offenbar für begrenzte Gegenangriffe. ISW-Analysten schrieben in einer Beurteilung vom 12. Februar:
„Ukrainische Kräfte führen lokalisierte und opportunistische Gegenangriffe nahe der Verwaltungsgrenze der Oblaste Dnipropetrowsk und Saporischschja durch und nutzen wahrscheinlich jüngste Störungen bei russischen Starlink-Terminals und Telegram aus.“ Demnach habe das ISW seit dem 9. Februar begrenzte ukrainische Gegenattacken vermerken können, die offenbar das Ziel haben, vereinzelte ukrainische Standpunkte zu einer gemeinsamen Frontlinie zu verbinden.
Russische Militärblogger hätten die Aktivitäten zunächst als „groß angelegte ukrainische Gegenoffensive“ bezeichnet. Später räumten auch prorussische Quellen ein, dass es sich um begrenzte Operationen handle. Währenddessen wird deutlich, dass Russlands Elite auf heißen Kohlen sitzt. Die Blockade löste in Russland teils extreme Reaktionen aus. Wie die Moscow Times berichtet, forderte der russische Propagandist Wladimir Solowjow in seiner Sendung auf Rossija 1 eine nukleare Explosion im Weltraum zur Zerstörung des Starlink-Systems.
Der Gegner hat nicht nur ein Problem an der Front – der Gegner hat eine Katastrophe.
Russland versucht Starlink-Reaktivierung – Ukrainische Cyberaktivisten manipulieren mit Bot-Netzwerk
Parallel dazu berichtete United24Media, ukrainische Cyberaktivisten hätten russische Versuche unterwandert, Starlink-Zugänge über ukrainische Zivilisten zu reaktivieren. In einer Erklärung hieß es, man habe verstanden, „wie verzweifelt dieser Schimmel nach Wegen suchen würde“, den Starlink-Betrieb wieder herzustellen. Daher beschloss man gemeinsam mit InformNapalm und MILITANT, ihnen zu „helfen“: Mit einem „Netzwerk von Kanälen und Bots, die Aktivierungsdienste für eine bescheidene Belohnung anboten.“
Innerhalb einer Woche seien 2420 Datensätze zu russischen Starlink-Terminals und feindlichen Positionen eingegangen. Zudem hätten die Cyberaktivisten in der Zeit 5870 US-Dollar von russischen Soldaten eingenommen, die ihre Kommunikationsprobleme lösen wollten. (Quellen: Kyiv Post, Ukrinform, United24Media, The Moscow Times, eigene Recherche)