Stumme Zeugen einer Katastrophe: Wrackteile von Flugzeug-Unglück bei Mittenwald aufgetaucht

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Seit 34 Jahren ist dieses Wrackteil jener Cessna 210, die 1990 an der Tiefkarspitze abstürzte, verschollen gewesen. Nun ist es aufgetaucht. © Privat

Sie sind die Überbleibsel einer Katastrophe, die sich am WM-Finaltag 1990 unterhalb der Mittenwalder Tiefkarspitze ereignete: Immer wieder tauchen Wrackteile jenes Flugzeugs auf, dass vor fast 34 Jahren an den Wänden oberhalb der Hochlandhütte zerschellt ist. Nun haben die Pächter besonders große Brocken entdeckt.

Mittenwald – Hin und wieder passiert etwas ungewöhnliches im Mitterkar. Zwischen dem grauen Geröll funkelt und blitzt es in der Sonne. Schon aus der Ferne ist es auszumachen. Mal entdecken es Wanderer mit ihrem Fernglas auf der Terrasse der Hochlandhütte. Mal die Hüttenwirte Birgit und Stefan Müller selbst. Nähert man sich dieser Erscheinung, ist die Magie schnell verschwunden und weicht der Neugierde: „Was sind das bitte für komische, gelbe Aluminium-Teile?“, fragen Gäste die Müllers dann stets. Die Geschichte dahinter ist eine traurige.

Die Stücke aus Metall und Aluminium sind Überbleibsel und stumme Zeugen einer Katastrophe, die sich vor knapp 34 Jahren unterhalb der Tiefkarspitze in Mittenwald ereignet hat. Am 8. Juli 1990 ist ein ehemaliger Bundeswehr-Pilot im Alter von 53 Jahren mit seinem Kleinflugzeug an den Felswänden zerschellt. Mit seiner gelben Cessna 210 war er seit Mittag auf dem Weg von Köln nach Innsbruck. Trotz des regnerischen und nebligen Tages versuchte er zwischen 14 und 15 Uhr, mit dem Kleinflugzeug über den Alpenkamm zu gelangen – und fand über Mittenwald sein Grab. Der damalige Hüttenwirt der Hochlandhütte erzählte tags darauf dem Tagblatt, „Motorengeräusche und dann einen explosionsartigen Knall“ gehört zu haben.

So berichtete das Tagblatt über das Flugzeug-Unglück am 8. Juli 1990.
So berichtete das Tagblatt über das Unglück am 8. Juli 1990. © MM-Archiv

Wrackteile sind die Überbleibsel einer Katastrophe, die sich am WM-Finaltag 1990 unterhalb der Mittenwalder Tiefkarspitze ereignete

Es war der Tag des großen Finales der Fußball-WM. Deutschland gewann mit 1:0 gegen Argentinien in Rom, war zum dritten Mal Weltmeister. Doch den fußball-affinen unter den Mittenwalder Bergwacht-Kameraden war an diesem Abend in keiner Weise zu Feiern zumute. An jenem historischen Sonntag des 8. Juli 1990 mussten sie gemeinsam mit den Mitgliedern des alpinen Einsatzzuges der Grenzpolizei bei grottenschlechter Sicht und strömenden Regen mühsam das Mitterkar erzwingen. Sie suchten das abgestürzte Flugzeug, das das Satelliten-Suchsystem der SAR-Zentrale in Goch bei Köln geortet hatte.

Uns sprechen sehr oft Gäste wegen der Wrackteile an und fragen nach.

„Der Einsatz forderte alles von uns“, erinnert sich Bergwacht-Kamerad Erhard Merk aus Mittenwald vor Jahren zurück, als er zufällig am Predigtstuhl ebenfalls ein Bruchteil des Flugzeuges im Geröll fand. „Das WM-Finale war dann natürlich gelaufen.“ Merk und die restlichen Einsatzkräfte kamen erst spät in der Nacht zurück ins Tal, völlig durchnässt. Erst am nächsten Tag gegen 8 Uhr morgens entdeckten die alpinen Retter die ersten Wrackteile, verteilt auf mehrere hundert Meter.

Vom Pilot war nur noch der Torso übrig, sämtliche Gliedmaßen samt Kopf fehlten. Der Leichnam wurde mit Gutachtern des Bundesamtes geborgen und zur Obduktion nach Innsbruck geflogen. Die Flugzeugteile selbst konnten erst Monate nach dem Unglück aufgesammelt werden. Seither tauchen immer wieder neue Teile der Unglücksmaschine um die Tiefkarspitze auf. „Uns sprechen sehr oft Gäste wegen der Wrackteile an und fragen nach“, sagt Birgit Müller von der Hochlandhütte. Die kleineren Überbleibsel bringt sie zurück ins Tal. Die großen, die nun aufgetaucht sind, hat sie fotografiert. „Zum Mitnehmen sind sie zu schwer.“ Vom Motor fehlt allerdings bis heute noch jede Spur. Ob er jemals auftauchen wird? Vielleicht blitzt auch er einmal in der Sonne und wird von Wanderern oder den Hüttenwirten entdeckt.

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