Eine massive Mehrwertsteuererhöhung droht den Gastronomen ab nächstem Jahr. CSU und Dehoga mobilisieren gegen diese Pläne. Sie warnen vor katastrophalen Auswirkungen.
Landkreis/ Feldkirchen – Wenn am 1. Januar die Mehrwertsteuer für Speisen in der Gastronomie von sieben auf 19 Prozent steigt, werden 57 Gasthäuser allein im Landkreis München sterben. Das ist das Ergebnis einer Prognose, die die Präsidentin der Dehoga Bayern und Geschäftsführer Thomas Geppert in Feldkirchen vorgestellt haben. Gemeinsam mit CSU-Landtagskollegin Kerstin Schreyer will Maximilian Böltl ein „politisches Zeichen setzen“, dagegen, dass jeder Schweinebraten, jedes Hotelzimmer, jedes Essen in Kita oder Schulmensa teurer wird.
Steuersenkung als Schutz in der Pandemie
Böltl hat das Pressegespräch im Hotel Bauer anberaumt. Auf den letzten Drücker versuchen die Wirte, die Steuererhöhung zu stoppen. Der reduzierte Mehrwertsteuersatz von sieben Prozent müsse beibehalten werden, sagt Angela Inselkammer, bekannt als Wirtin des Brauereigasthofs und Hotels Aying und als Präsidentin der Dehoga Bayern: „Das ist wichtig für Gastronomie und Tourismus.“ Der Steuersatz für Speisen im Lokal war zwischenzeitlich von 19 auf sieben Prozent gesenkt worden, damit die Lokale während der Corona-Zeit durchhalten, schließlich mussten sie in der Pandemie gut acht Monate geschlossen bleiben.
Fast alle Gastronomen werden die Preise erhöhen
Dass die Reduzierung jetzt allen Erwartungen zum Trotz zum Jahresende auslaufen soll, kritisiert Inselkammer scharf und warnt vor fatalen Folgen: „Es steht viel auf dem Spiel.“ Eine Umfrage der Dehoga Bayern, an der sich 668 Betriebe beteiligt haben, zeigt: 91,9 Prozent der Gastronomen werden die Preise erhöhen. 62 Prozent meinen, dass die Auswirkungen der Steuererhöhung sie wirtschaftlich hart treffen werden, 13,3 Prozent gaben an, dass die Steuererhöhung sie an den Rand des Ruins treiben wird. 5,5 Prozent werden wohl ihren Betrieb schließen. 25,9 Prozent kündigten an, Mitarbeiter zu entlassen.
Kosten für Personal, Lebensmittel und Energie steigen
Die Ampel-Regierung verkenne die Situation, sagt Inselkammer. Sie ist überzeugt, dass der Bund am Ende weniger Steuern einnehmen werde als vorher: „Denn die Wirte werden weniger erwirtschaften, weil die Kunden wegbleiben.“ Dehoga-Geschäftsführer Geppert prangert den großen Steuerunterschied beim Essen an: Die Pizza „to go“, die der Bringdienst liefert, besteuert der Staat mit sieben Prozent. „Wird das Essen im Sitzen im Lokal verspeist, sind 19 Prozent fällig.“ Zur Steuererhöhung kommen steigende Kosten für Personal, Lebensmittel und Energie. Geppert warnt: „Schon in der Corona-Zeit haben hier im Landkreis 101 Betriebe zugemacht.“ Was bleibt übrig, wenn das Wirtshaus-Sterben weitergeht, fragt er: „Fastfood-Läden für die breite Masse und ein paar Sterne-Lokale für den Rest.“
Gastronomen spüren Verunsicherung
Sorgen hat auch Petra Otto, die mit Christian Bauer in dritter Generation den Hotelgasthof Bauer führt. Sie berichtet, dass Kunden zurückschrecken, wenn sie hören, wie sich die Preise ab Januar entwickeln könnten. „Wir haben viele Seminar-Gäste, ich merke es in Kundengesprächen, dass sie jetzt vorsichtiger sind bei Buchungsanfragen.“ Erst recht fürchtet sie die Preissteigerungen, wenn im zweiten Halbjahr 2024 auch CO2-Preise und Lkw-Maut erhöht werden: „Dann kostet der Schweinsbraten irgendwann 25 Euro, wer zahlt das noch?“
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Nur dank der sieben Prozent Mehrwertsteuer sei es bisher gelungen, die enormen Kostensteigerungen nicht eins zu eins an die Gäste weiterzugeben. Jetzt aber rät Inselkammer allen Unternehmern: „Rechnet gescheit. Gebt die Preise weiter. Sonst schafft ihr euch selbst ab.“ Kerstin Schreyer nimmt die sozialen Folgen in den Blick: „Es wird Menschen geben, die werden sich einen Wirtshausbesuch nicht mehr leisten können.“ Sie warnt vor einer Spaltung der Gesellschaft und vor einem „riesigen Flurschaden“.
Protest an Theke und Stammtisch
Demonstrieren wie die Landwirte wollen die Gastronomen nicht. Man sei ja nah dran an den Menschen, sagt Inselkammer: „Unsere Art zu demonstrieren ist, dass wir mit den Gästen sprechen, da müssen wir uns nicht auf die Straße stellen.“ Den Protest an Theke und Stammtisch stellt sich Geppert so vor: „Gebt die zwölfprozentige Steuererhöhung an die Gäste weiter, auch wenn richtig krumme Beträge herauskommen. Dann legt einen Beipackzettel bei, worin ihr den Gästen erklärt, dass sie das der Bundesregierung zu verdanken haben.“