Die Firma Gerg Lighthouse aus Piusheim in der Gemeinde Baiern hat einen Luftentkeimer entwickelt, der mit UV-C-Licht Viren abtötet. Das Gerät, das bereits vom österreichischen Rodel-Nationalteam genutzt wird, kann einen 30 Quadratmeter großen Raum in neun Minuten desinfizieren. Es ist für Arztpraxen, Tagungszentren und andere Orte gedacht, an denen Menschen aufeinandertreffen.
Mit blauen Kunststoff-Handschuhen hält Martin Bayerl eine gut armlange Glasröhre in die Luft. Das fingerdicke Teil erinnert nicht nur an eine Leuchtstoffröhre, es ist eine, aber nicht für menschliche Augen. „UV-C-Licht schädigt das Erbgut von Viren und verhindert ihre Reproduktion“, erklärt der 38-Jährige, Produktionsleiter der Firma Gerg Lighthouse aus Piusheim (Gemeinde Baiern). Das Unternehmen kann Licht – und glänzt mit Spezialanfertigungen für Feinschmecker-Kunden in der Auto- und Rennsportfertigung. Nun wagt sich der Nischenspezialist auf neues Terrain, das man nicht unmittelbar mit Beleuchtung in Verbindung bringt: das Entkeimen von Raumluft.
Vor Martin Bayerl und dem Geschäftsführer, Martin Dreiner (51), ruht auf einem Arbeitstisch der Kasten, in etwa so groß wie der Karton für einen moderaten Flachbildfernseher, in den nach eigenen Angaben über vier Jahre Millionen Euro an Entwicklungskosten geflossen sind. 49 Kilo wiegt das Trumm, kostet rund 9000 Euro. Ein Premium-Artikel, räumt Dreiner ein. „Kleinere Geräte haben nicht die Leistung.“
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Vier Lampenfassungen enthält der von Lamellen abgeschirmte Kasten, durch den Lüfter einen konstanten Luftstrom zirkulieren lassen. Das ultraviolette Licht der Lampen soll kein, darf kein menschliches Auge erreichen. Für Haut und Sehvermögen kann es ähnlich schädlich wirken wie für die Sporen, Viren und Bakterien, die es abtöten soll. Deswegen gebe es eine Reihe von Abschaltmechanismen. „Was die Sicherheit angeht, setzen wir den aktuellen Maßstab“, verspricht der Geschäftsführer.
Seit diesem Winter nutze das österreichische Rodel-Nationalteam das Gerät namens „Procair“ in seinem Fitnessraum, wo die Athleten etwa den Startablauf üben. Das Heim-Rennen am 8. Dezember in Innsbruck endete prompt mit einem Vierfach-Sieg im Männer-Einzel. Auch wenn das wohl mehr am Training als am Luftfilter gelegen haben dürfte, weiß Dreiner um die Werbewirksamkeit, als er sagt: „Erkältet war keiner!“ Entscheidend sei das „Open Window“, das Zeitfenster in der ersten Dreiviertelstunde nach einem anstrengenden Training, in dem der Körper besonders ansteckungsempfindlich sei.
Das Gerät sei schon vor dem Ausbruch des Coronavirus in der Entwicklung gewesen. „Das war eher ungünstig für uns“, sagt der Firmenchef. Jetzt sei es marktreif, könne in neun Minuten einen 30 Quadratmeter großen Raum desinfizieren. Gedacht sei der Licht-Entkeimer, der mit LED-Streifen als Hänge- oder Wandleuchte montiert werden kann für Arztpraxen, Tagungszentren und sonstige Räume, „überall, wo Menschen aufeinandertreffen“. Gefahrenklasse Null: „Aus unserem Gerät kommt nichts raus.“ Auch für Intensivstation oder Klinik-OP sei der Einsatz denkbar. Dafür habe man sich den Grafinger Leuchtenspezialisten Dr. Mach als Vertriebspartner geholt. „Sonst musst du lange mit dem Oberarzt golfen“, sagt Dreiner augenzwinkernd. Außerdem arbeite das Unternehmen an einer abgespeckten Version für Flugzeuge.