Der neue Fahrradklima-Test des ADFC zeigt: Radfahren in Dachau ist oft unbequem, aber funktional im Alltag
Dachau – Die Ergebnisse des aktuellen Fahrradklima-Tests 2024 des Allgemeinen Deutschen Fahrrad-Clubs (ADFC) zeigen: Radfahren in Dachau ist für viele von Unsicherheit und schlechter Infrastruktur geprägt. Gleichzeitig loben die Befragten die Öffnung von Einbahnstraßen in Gegenrichtung und die Erreichbarkeit der Innenstadt. 64 Prozent der Teilnehmenden fühlen sich beim Radfahren in Dachau gefährdet. Besonders negativ fällt die Breite der Radwege auf: 86 Prozent halten diese für zu schmal. Der bauliche Zustand der Radinfrastruktur wird zusätzlich schlecht bewertet – 70 Prozent kritisieren die Wege als holprig, beschädigt oder uneben. Ebenfalls 70 Prozent der Befragten finden, dass die Ampelschaltungen nicht gut auf Radfahrende abgestimmt sind. Knapp drei Viertel (74 Prozent) berichten von häufigen Konflikten mit dem Kfz-Verkehr.
Fahrradfahren in Dachau - mangelnde Falschparker Kontrolle und Probleme beim Radparken
69 Prozent der Radfahrenden geben an, dass Falschparken auf Radwegen in Dachau großzügig geduldet wird. Beim Fahren im Mischverkehr fühlen sich 71 Prozent regelmäßig behindert und bedrängt. Auch bei der Führung des Radverkehrs an Baustellen gibt es großes Verbesserungspotenzial: Vier von fünf Befragten (80 Prozent) werden hier meistens zum Absteigen und Schieben gezwungen.
Trotz der Kritik gibt es auch positive Aspekte beim Radverkehr in Dachau: 64 Prozent der Befragten sagen, sie kommen zügig und ohne Umwege an ihr Ziel. Die Erreichbarkeit der Innenstadt wird von mehr als der Hälfte (62 Prozent) positiv bewertet. Dass die meisten Einbahnstraßen in Gegenrichtung für Radfahrende freigegeben sind, empfinden 75 Prozent positiv.
Zu enges Überholen von Radfahrenden durch Autofahrende
Mehr als vier Fünftel (81 Prozent) der Teilnehmenden geben an, dass sie meistens zu eng von Autos überholt werden. 68 Prozent meinen, in Dachau herrscht ein aggressives Klima im Verkehr. Ebenso viele Radfahrende (68 Prozent) erleben selten Konflikte mit anderen Radfahrern.
„Dass wir im Fahrradklima-Test seit 10 Jahren im Prinzip mehr oder minder auf der Stelle treten, ist für uns natürlich bedauerlich“, sagt ein Sprecher des ADFC-Kreisverbands. „Gerade wenn leicht vermeidbare Themen wie die ‚Führung an Baustellen‘ oder die ‚Überwachung von Falschparkenden‘ von Alltagsradelnden so schlecht bewertet werden. Diese Themen erfordern nicht einmal zwingend bauliche Maßnahmen, dennoch schneidet Dachau hier schwach ab. Besonders hervorzuheben scheint uns leider auch das Einhalten des notwendigen Abstands durch Pkw-Fahrende zu sein, gerade weil wir auch unabhängig vom Fahrradklima-Test immer wieder konkrete Rückmeldungen aus der Bevölkerung dazu erhalten. In den Zusatzfragen zum ‚Miteinander im Verkehr‘ wird das zu enge Überholen mit Note 4,5 dabei ganz offensichtlich als Problem identifiziert, was auch unsere Messungen mit dem OpenBikeSensor belegen. Zwar braucht es auch hier vor allem bauliche Lösungen, aber bereits eine intensivierte Öffentlichkeitsarbeit und eine wachsende Sensibilität können bereits positive Veränderungen bewirken.“
Aber der ADFC freut sich auch über positive Entwicklungen. Dachau ist offensichtlich eine Stadt, die das volle Fahrradpotenzial in sich trägt: Die guten Bewertungen für „Zügiges Radfahren“, das „Erreichen des Stadtzentrums“ genauso wie das „Radfahren für Alt und Jung“ sprechen eine deutliche Sprache. Und für das „Öffnen der Einbahnstraßen in Gegenrichtung“ gebühre der Stadt Lob. Mit Schulnote 2,5 eine Maßnahme, die in der Bevölkerung offensichtlich ankommt! Auch die Beobachtung des ADFC, dass durch die Stadt verstärkt Fahrradabstellplätze geschaffen werden, birgt aus deren Sicht bereits das Potenzial für eine bessere Bewertung in diesem Bereich in der Zukunft.
Über den Fahrradklima-Test
Der ADFC-Fahrradklima-Test ist die größte Umfrage zur Zufriedenheit der Radfahrenden weltweit. Er wird vom Fahrradclub ADFC alle zwei Jahre mit Unterstützung des Bundesverkehrsministeriums durchgeführt und fand 2024 zum elften Mal statt. Mit einer Gesamtnote der Fahrradsituation von 3,85 belegt Dachau deutschlandweit Platz 159 von 429 in der Kategorie 20.000-50.000 Einwohner. Im bayernweiten Vergleich liegt Dachau in seiner Kategorie auf Platz 17 von 49.
Bundes- und bayernweit bleibt das Fahrradklima weiterhin unbefriedigend und wird von den Befragten im Durchschnitt jeweils mit 3,9 bewertet. In Bayern sind 161 Städte und Gemeinden in die Wertung gekommen, 2022 waren es 164.
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