Karl-Theodor zu Guttenberg - Ich sehe die Bundestagsdebatte im TV - und mir bleibt nur eine bittere Erkenntnis
Paraverbale Eskalation: Pfiffe und Zwischenrufe
Später sah ich mir zuhause die Debatte noch einmal ohne gedrückte „Mute“-Taste an. In der naiven Hoffnung, unser Eindruck könnte getäuscht haben. Hatte er nicht. Dazu trugen auch Elemente der - wie es Fachleute nennen - paraverbalen Kommunikation bei: Tonfall, Sprechtempo oder Lautstärke. Im Hohen Haus wurde sogar gepfiffen, einige Zwischenrufe hatten Südkurvenqualität. Wer im Nachgang tatsächlich von einer „Sternstunde des Parlamentarismus“ sprach, muss eine Supernova gemeint haben.
Eher bleibt die bittere Erkenntnis von George Bernard Shaw: „Das größte Problem mit der Kommunikation ist die Illusion, sie sei gelungen.” Ein anderer schöner Satz, durch Kommunikation könnten Ansichten zu Einsichten werden, gilt gelegentlich leider auch umgekehrt.
Dabei funktioniert eine menschliche (und politische) Schlüsselkompetenz selbst mit klammen Kassen und innerhalb der Schuldengrenze: Anstand - er kostet nichts, ist aber unbezahlbar.
Die Gefahr durch Extremisten
Extremisten triumphieren, sobald sich die sogenannte politische Mitte deren Umgangsformen zu eigen macht. Oder in eine Kommunikationskultur verfällt, die sich in wechselseitigen Schuldzuweisungen erschöpft.
Unter dem Strich: politische Kommunikation ist zuweilen nicht mehr als der Lärm, der die Verständigung verhindert.
Eine andere Seite der Kommunikation
Kommunikation kann unter erschwerten Bedingungen aber auch ganz einfach sein. Wenige Tage vorher war ich auf einem Firmenbesuch in Glasgow. Gemeinsam mit drei deutschen Begleitern und den zwei Gründern aus Manchester.
Nun muss man wissen, dass die Dialekte beider Städte für Briten, die ein weitgehend akzentfreies „King’s English“ sprechen, einer linguistischen Heimsuchung gleichkommen. Man versteht sich in etwa so gut, wie mancher Niedersachse einen Oberfranken.
Während dialektstarke Zeitgenossen in der Regel keine Probleme haben, der „Hochsprache“ zu folgen, wird es beim Aufeinandertreffen zweier Dialekte mitunter skurril. So auch zwischen den Schotten und den Manchester-Briten. Die Themen waren komplex. Sie begegneten sich aber lösungsorientiert, zugewandt, respekt- und humorvoll.
Ob im Bundestag wieder mehr Dialekt(ik) vertreten sein sollte?
Информация на этой странице взята из источника: https://www.focus.de/politik/karl-theodor-zu-guttenberg-ich-sehe-die-bundestagsdebatte-im-tv-und-mir-bleibt-nur-eine-bittere-erkenntnis_id_260690809.html