Sozialpreis für Spendensammler und Alleskümmerer

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Ein erprobtes Team ist die Nachbarschaftshilfe Holzland. Hier ein Bild aus dem Jahr 2023 mit (v.l.) Hermine Bart, Sabine Schweiger, Monika Brunner und Stephanie Maier sowie (v.r.) Claudia Neumaier, Maria Tristl, Monika Hofer und Regina Reindl. © Fabian Holzner

Erding – Der Landkreis ehrt Thomas Stemmer und die Nachbarschaftshilfe Holzland mit dem Sozialpreis.

Thomas Stemmer aus Berglern und die Nachbarschaftshilfe Holzland e.V. erhalten den Sozialpreis des Landkreises Erding. Das beschloss der Kreisausschuss am Montagnachmittag in nicht-öffentlicher Sitzung, nachdem bereits am Freitag ein Vorprüfungsgremium getagt hatte. Die Würdigung für besonderes soziales Engagement war im vergangenen Jahr eingeführt worden. Der Sozialpreis ist mit je 2000 Euro dotiert. Vergangenes Jahr hatten der Verein Kunterbunte Familien sowie Ottilie Kober, 2. Vorsitzende des Christophorus Hospizvereins, den Preis erhalten.

Einer ihrer Nachfolger ist nun Thomas Stemmer, der mit der Nachricht überrascht wurde, wie er der Heimatzeitung sagte. „Diese Auszeichnung freut mich unwahrscheinlich.“ Thomas Stemmers Tochter Veronika verstarb im Dezember 2004 an einer onkologischen Erkrankung. Der Berglerner engagiert sich seit vielen Jahren für die „Initiative krebskranke Kinder München“, in der die Familie „emotionale Hilfe in der schweren Zeit der Behandlung und der Trauer fand“, wie Landrat Martin Bayerstorfer in seiner Laudatio am Montag schilderte.

Schon 500 000 Euro gesammelt

Ein zentrales Anliegen dieses Vereins sei es, den Kindern und ihren Familien Hoffnung und Stabilität zu geben. Seit über 20 Jahren werbe Stemmer unermüdlich um Spenden. Er habe bereits rund 500 000 Euro zusammengetragen. „Thomas Stemmers Antrieb ist, die einst selbst erfahrene Unterstützung auch anderen Kindern und deren Eltern zuteil werden zu lassen. Selbstlos, bescheiden im Hintergrund, tatkräftig“, so der Landrat.

Unermüdlich im Einsatz für die „Initiative krebskranke Kinder München“ ist Thomas Stemmer. In den vergangenen 20 Jahren hat er für den 350 Mitglieder starken Verein eine halbe Million Euro gesammelt.
Unermüdlich im Einsatz für die „Initiative krebskranke Kinder München“ ist Thomas Stemmer. In den vergangenen 20 Jahren hat er für den 350 Mitglieder starken Verein eine halbe Million Euro gesammelt. © Klaus Kuhn

Stemmer ist 68 Jahre alt. „Nie hätte ich mit dieser Auszeichnung gerechnet, aber sie beflügelt natürlich. Ich werde weiter machen, solange ich fit bin“, versprach er. „Ich habe auch das Gefühl, dass in dieser Arbeit meine Tochter in irgendeiner Form weiterlebt. Und es ist auch etwas sehr Schönes, wenn man Kindern helfen kann.“ Über die 2000 Euro, mit der der Preis dotiert ist, habe er sich noch keine Gedanken gemacht.

Claudia Neumaier musste den Anruf der Heimatzeitung kurz wegdrücken. Denn die Vorsitzende der Nachbarschaftshilfe Holzland ist auch noch als Jugendwart des FSV Steinkirchen und Tennistrainerin ehrenamtlich tätig. „Und gerade jetzt war die Stunde auf dem Platz zu Ende“, entschuldigte sie sich. Eine halbe Stunde zuvor sei der Landrat am Telefon gewesen, „und er hat mich total überrascht“, sagte sie lachend. Mit dem Preis habe sie überhaupt nicht gerechnet, obwohl Bayerstorfer bei der jüngsten Feier zum Zehnjährigen schon höchst beeindruckt gewesen sei ob der Vielzahl an Aktivitäten.

Die NBH Holzland wurde vor zehn Jahren gegründet und hat ihre Mitgliederzahl von einst 140 auf rund 350 Mitglieder verdoppelt. Die hohe Anzahl helfender Hände kann die NBH bestens gebrauchen, denn sie engagiert sich in verschiedensten Altersgruppen, „die vor dem Hintergrund der demografischen und strukturellen Veränderungen zunehmend an Bedeutung gewinnen“, wie Bayerstorfer sagte. Als Beispiele zählte er die Aktion „Frisch auf den Tisch“ mit Essenslieferungen für bedürftige Menschen, Fahrdienste und Unterstützung im Haus sowie Gruppenangebote wie das Musizieren an der Veeh-Harfe oder den bis 2014 stattfindenden Austraglertreff in Gurnhub auf.

Hilfe für Zwergerl und Senioren

„Im Jahr 2012 konnte erstmals ein gemeinsames Ferienprogramm aller vier Holzlandgemeinden auf die Beine gestellt werden mit über 1000 Anmeldungen“, so der Landrat weiter. Der Verein betreibe zudem den Zwergerlgarten (der ebenfalls betriebene Wichtelgarten wurde Ende Juli 2024 wegen Personalmangels eingestellt). In Zusammenarbeit mit dem Landratsamt erfolge die „Kommunale Wohnberatung“ zum Erhalt der selbstständigen Lebensführung. Bayerstorfer: „In der aktuell politisch und wirtschaftlich schwierigen Situation wird den Menschen viel zugemutet und abverlangt. All diese Herausforderungen zeigen aber auch, zu welchem Zusammenhalt die Bürger fähig sind. Ein leuchtendes Beispiel sind die Mitglieder der Nachbarschaftshilfe Holzland.“

„Ich muss jetzt erst einmal meine Kollegen aus dem Vorstand verständigen“, meinte Neumaier lachend. Seit Corona habe man sehr viel auf die Beine gestellt. Für heuer gebe es noch keine großen Pläne. Auch nicht für die 2000 Euro durch den Sozialpreis? Der geplante barrierefreier Ausflug könnte dann vielleicht etwas größer gestaltet werden, überlegt Neumaier. Auch beim Helferfest oder bei den Busausflügen im Ferienprogramm könnte man ein höheres Budget gut brauchen. In jedem Fall also bestens investiert.

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