Die seit ein paar Jahren sinkenden Geburtenzahlen verändern die Ausgangslage in Ottobrunn grundlegend und machen den radikalen Schnitt erst möglich: Stopp des Projekts Neubau der Grundschule an der Friedenstraße.
Bürgermeister Thomas Loderer (CSU) machte für den gesamten Gemeinderat deutlich: „Für uns ist das sehr, sehr bitter.“ Aber nichts weniger stehe auf dem Spiel als die Handlungsfähigkeit der Gemeinde als eigenständige Gebietskörperschaft. Die Mandatsträger reagierten gefasst und diszipliniert. Sie verzichteten auf emotionale Einwürfe zum Zweck eines Vorteils im Wahlkampf und stimmten am Ende unisono für die Absetzung des Projekts.
Schulfamilie und Gemeinde waren stark motiviert und hatten sich eine schöne Perspektive ausgemalt: Mit dem Neubau hätten sie aktuelle Probleme der Mittagsbetreuung lösen können. Bürgermeister Loderer schwärmte von einem gelungenen Architektenwettbewerb. Wenn das Geld im Haushalt verfügbar wäre, daran ließ er keinen Zweifel, würde die Verwaltung trotz sinkender Schülerzahlen den Neubau unterstützen. Die Vierzügigkeit sei aus strategischen Gründen angestrebt worden, um eine positive Rückkopplung für alle Grundschulen in Ottobrunn zu erzielen.
Doch diese Frage stellt sich nicht. Aus Sicht der Kämmerei, weiterer Abteilungen und des Bürgermeisters führt kein Weg am harten Schnitt vorbei. Die Planzahlen im Haushalt können nicht erreicht werden. Hinzu kommen eine steigende Kreisumlage, eine schwache Wirtschaft und einbrechende Gewerbesteuern. Zwei Millionen Euro an Einnahmen aus dem Jahr 2023 müssen zudem an ein Unternehmen zurückgezahlt werden, wie Kämmerer Oliver Malina düster mitteilte. „Das reißt ein weiteres Loch hinein.“ Auch er trage schwer an dem Stopp des Schulbaus. „Wir schauen jeden Tag, wie wir es vermeiden können, hohe Zinsen auf Kredite zahlen zu müssen.“
Für die Mittagsbetreuung muss nun weiterhin der Keller des Bauteils A der Schule herhalten. Noch vor vier Jahren hieß es, die Schulkinder fühlten sich dort sehr wohl. Das ist zumindest ein Trost. Zudem gibt es laut Gemeinde weitere Optionen: Containerplätze im Schulgartenbereich sowie am Sportpark, die bei Engpässen entlasten könnten. Auch eine Betreuung in der Kinderwelt an der Gartenstraße bleibt möglich.
Im Zuschauerraum saß auch Gesine Clotz, die Leiterin der betroffenen Grundschule. „Für uns ist das keine einfache Situation“, sagte sie. Ab kommendem Jahr bestehe der Anspruch auf Ganztagsbetreuung, und noch sei unklar, ob dadurch ein deutlich höherer Betreuungsbedarf entstehe. „Wir hätten sehr gerne mit dem neuen Konzept gearbeitet. Jetzt müssen wir kreativ denken. Manches immerhin können wir trotzdem umsetzen.“ Was sie ansprach: Viele Renovierungen seien im Hinblick auf den geplanten Neubau zurückgestellt worden, etwa Malerarbeiten. Daher sei demnächst eine Begehung vereinbart worden, um das Gebäude längerfristig fit zu halten.
Ariane Wißmeier-Unverricht (SPD) schlug vor, dass die Arbeitsgruppe, die über den Neubau beraten hatte, künftig Vorschläge erarbeiten soll, wie sich die Mittagsbetreuung verbessern lässt und war damit erfolgreich. Ihre Parteikollegin Ruth Markwart-Kunas äußerte ihr Bedauern über das Scheitern. Sie stimme nur widerwillig zu und gab zu bedenken, dass man sich durch den Aufschub von Investitionen derzeit lediglich Zinszahlungen erspare. Das eigentliche Problem des Verwaltungshaushalts, der aus allen Nähten platze, sei nicht gelöst.
Das Architekturbüro soll nun eine Kostenprognose erstellen. Dadurch werde ein Wert geschaffen, auf den später zurückgegriffen werden könne. Bürgermeister Loderer: „Das Geld ist nicht verloren.“