Personalmangel: Vaterstetten erwägt einschneidende Konsequenz

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Mit Headhuntern habe die Gemeinde Vaterstetten gute Erfahrungen gemacht. Ein letzter Strohhalm, der bis März Ergebnisse liefern muss. © Jakub Jirsák

Headhunter als letzter Strohhalm, sonst geht Bauaufsicht ans Landratsamt zurück

Vaterstetten. Die Gemeinde Vaterstetten gehört in Sachen Bau zu einem elitären Kreis. Denn normalerweise sind die Landratsämter und große Städte die Bauaufsichtsbehörden. Doch Vaterstetten ist eine von nur acht Gemeinden in Bayern, die ebenfalls das Privileg besitzen, selbst über Bauanträge entscheiden zu können. „Das ist schon etwas Besonderes“, so Bürgermeister Leonhard Spitzauer (CSU). Seit 25 Jahren wurden der größten Kommune im Landkreis Ebersberg die Aufgaben der unteren Bauaufsichtsbehörden in vollem Umfang übertragen. Seitdem können Bauanträge und Anträge auf Bauvorbescheid direkt im Rathaus eingereicht und bearbeitet werden. „Wir haben das vor 25 Jahren erhalten, weil Vaterstetten so gewachsen ist und man im Landratsamt sehr lange gebraucht hat, um die Bauanträge zu bearbeiten“, erklärt Bauamtsleiterin Brigitte Littke. Weitere Argumente waren Bürgernähe und die Kenntnis der Situation vor Ort.

Großteil des Vaterstettener Gemeinderates will „Große Delegation“ behalten

Nun aber überlegt Vaterstetten die sogenannte „Große Delegation“ ans Landratsamt zurückzugeben. In erster Linie aus Personalmangel. Und ausreichend Fachkräfte sind Grundvoraussetzung für die Tätigkeit als Bauaufsichtsbehörde. Doch es sei unheimlich schwer, für dieses Ressort erfahrenes Personal zu bekommen, erzählt Bürgermeister Leonhard Spitzauer (CSU). Nach den jüngsten Bewerbungsgesprächen „sehe ich keinen Lichtblick mehr“. Zumal im März die letzte erfahrene Sachbearbeiterin das Rathaus verlasse. Dabei werde die Arbeit durch ständig steigende und sich verändernde Regelungen in der Bauordnung und im Bundesrecht, zusätzliche Gemeindesatzungen, kompliziertere Verfahren durch immer mehr Gewerbegebiete, Nachverdichtungen und Geschosswohnungsbau immer aufwändiger. In der aktuellen Konstellation könne man nicht weitermachen, so Spitzauer. „Sonst arbeiten wir unsere derzeitigen Mitarbeiter auf.“

Das Rathaus habe bereits beim Landratsamt Ebersberg vorgefühlt. „Die würden die Große Delegation zurücknehmen, sogar sehr zeitnah, so ab Mai/Juni, weil dort derzeit alle Stellen besetzt sind.“ Bauherren müssten ihre Anträge ab dann in Ebersberg einreichen. Innerhalb von drei Wochen würde die Vollständigkeit geprüft, danach habe die Gemeinde zwei Monate Zeit zur Stellungnahme. Dort schaue dann aber keine Politik mehr drüber, verdeutlichte Spitzauer. „Sondern nur der Sachbearbeiter.“ Gleichzeitig würden die Beratungen im Bauausschuss Vaterstetten deutlich weniger. Eine weitere Arbeitsentlastung fürs Bauamt. Denn für diese Präsentationen brauche man jedes Mal zwei Wochen Vorbereitung, verriet Littke.

Nur die Gemeinderäte Klaus Willenberg (FDP) und Sepp Mittermaier (SPD) plädierten dafür, die Rückgabe sofort zu beschließen. „Man sollte sich dieser Last entledigen, es geht mit dem Landratsamt genauso“, so Mittermeier. Allen anderen Gemeinderäten geht die Sache ein wenig zu schnell. „Ich will die Große Delegation behalten“, erklärte Michael Niebler (CSU). Sie gebe dem Gemeinderat und den Bürgern mehr Beurteilungsspielraum, die Bauherren hätten nur eine Anlaufstelle und anders als das Landratsamt könne man im Rathaus schneller auf notwendige Umplanungen reagieren, wie man zuletzt bei den Parsdorfer Gewerbegebieten erlebt habe. Zudem sollte eine solch schwerwiegende Entscheidung besser der neue Gemeinderat nach der Kommunalwahl 2026 treffen. „Denn wenn sie mal weg ist, werden wir sie nicht wiederbekommen.“

Nieblers Gegenvorschlag: „Wir schalten einen Headhunter ein.“ Damit habe man bei der Besetzung einer anderen Position schon gute Erfahrung gemacht. „Das wäre der letzte Strohhalm, den ich sehe“, so Spitzauer. Bis März soll ein Ergebnis vorliegen. Ansonsten soll der Gemeinderat dann die Rückgabe der „Großen Delegation“ endgültig beschließen.

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