Zum 50. Jahrestag seiner Krönung hätte Spaniens früherer Monarch Juan Carlos eigentlich im Mittelpunkt stehen können. Stattdessen überschattet ein Interview der bekannten Hofberichterstatterin Pilar Eyre in „Bild“ jede mögliche Feierlichkeit. Sie bewertet die Autobiografie des Ex-Königs, die unter dem Titel „Versöhnung“ erschienen ist, als ein Werk, das weniger befriedet als provoziert.
Königin Sofía: Öffentliche Loyalität vs. private Kränkungen
Eyre hält die Kapitel, in denen Juan Carlos, der sich 2024 erneut vor Gericht verantworten musste, über seine Ehefrau Sofía spricht, für hochgradig widersprüchlich. Obwohl er behauptet, er vermisse sie und bedauere ihre Distanz, sieht Eyre darin reinen Zweckoptimismus. Sie erklärt, Sofía habe Jahrzehnte lang Demütigungen ertragen und könne deshalb kaum ein Interesse haben, den Ex-König im Golfstaat zu besuchen.
Ihre Bewertung fällt deutlich aus: „König Juan Carlos widmet Königin Sofía eine absolut heuchlerische und zynische Lobeshymne.“
Vater-Sohn-Verhältnis: Rückblick auf eine Beziehung, die kaum existierte
Den Einträgen im Buch, die ein harmonisches Verhältnis zu Felipe suggerieren, widerspricht Eyre klar. Ihrer Einschätzung nach waren sich Vater und Sohn emotional und organisatorisch jahrzehntelang fremd. Die Kommunikation sei schließlich sogar über Mittelsmänner gelaufen – ein Zeichen tiefen Misstrauens.
Eyre überzeugt: Juan Carlos „hasst seine Schwiegertochter“
Während Juan Carlos in seiner Autobiografie beteuert, er habe sich stets um Respekt gegenüber Letizia bemüht, beschreibt Eyre das Gegenteil. Seine Abneigung sei grundlegend gewesen:
„Er hasst seine Schwiegertochter!“
Besonders Letizias journalistische Vergangenheit habe ihn gestört. Eyre zitiert ihn mit: „Seid still! Sagt nichts in ihrer Gegenwart! Sonst sagt sie es ihren Kollegen und das wird überall erscheinen.“
Nach Eyres Darstellung war Juan Carlos überzeugt, Letizia habe seine Abdankung forciert. Umgekehrt habe Letizia die Vermutung gehabt, der frühere König verbreite Gerüchte über ihr Privatleben. Das Ergebnis: völliger Kontaktabbruch.
Reaktionen im spanischen Königshaus
Besonders heftig soll Königin Letizia auf die Darstellung in der Autobiografie reagiert haben. Eyre sagt, Letizia sei „wütend, verletzt und verärgert“ und habe sich an Felipe gewandt: „Glaubst du, dass ich das verdient habe?“ Der König habe sich auf ihre Seite gestellt, da er es unfair finde, dass Juan Carlos seiner Frau die Schuld an einer schon lange zerrütteten Familie zuschiebe.
Königin Sofía reagierte laut Eyre subtiler: durch ihre Schmuckauswahl. In belastenden Phasen habe sie früher den Verlobungsring getragen, um Loyalität auszudrücken. Nun verzichte sie bewusst darauf. Eyre interpretiert es so: „Was Juan Carlos sagt, ist völlig egal.“
Auch das kam schon raus: Spaniens Ex-König Juan Carlos lästert in seinen Memoiren über Diana.
Juan Carlos I. regierte Spanien von 1975 bis 2014. Er galt lange als Garant des demokratischen Übergangs nach Franco. Ab den 2000er-Jahren erschütterten jedoch Skandale sein Ansehen: finanzielle Unregelmäßigkeiten, eine umstrittene Elefantenjagd, mutmaßliche versteckte Vermögen sowie öffentlich gewordene Affären. Der wachsende Druck führte 2014 zu seiner Abdankung. 2020 verließ er Spanien und lebt seither im selbstgewählten Exil in Abu Dhabi, um den Ruf der Krone – vertreten durch König Felipe VI. – nicht weiter zu belasten.
In seinen Memoiren „Reconciliación“ („Versöhnung“), die er gemeinsam mit der Historikerin Laurence Debray verfasst hat, reflektiert Juan Carlos I. auf rund 500 Seiten sein politisches Wirken, seine privaten Fehltritte und die familiären Brüche. Er erhebt den Anspruch, seine Version der Geschichte zurückzugewinnen. Juan Carlos spricht auch über schmerzhafte Ereignisse wie der versehentliche Tod seines Bruders Alfonso.