An vielen Stellen wird in den Gemeinden verdichtet und Wohnraum geschaffen. Beim Wörthseeblick in Steinebach tut sich bislang nichts, und das soll auch so bleiben. „Die Gemeinde sieht das entspannt“, sagt Geschäftsstellenleiterin Christa Heintel.
Steinebach – Das Grundstück mit der heruntergekommenen großen Villa, genannt nach der einstigen Gaststätte Wörthseeblick, liegt in Bestlage und nur wenige Schritte vom Wörthsee entfernt. Kaum zu glauben, dass hier nicht längst teurer Wohnraum entstanden ist. Doch für das Grundstück gilt ein Bebauungsplan. An dessen Vorgaben lässt sich auch mit Blick auf die überall praktizierte Verdichtung in den Ortschaften nicht rütteln. „Wir sehen keine Veranlassung dazu“, sagt Christa Heintel. Der Gemeinde lägen auch keine aktuellen Bauanfragen der Eigentümer vor.
Hinter dem heruntergekommenen Gebäude liegt eine bewegte Geschichte. In den Dreißigerjahren war der Wörthseeblick eine gepflegte Badeanstalt mit Biergarten. Am See tummelten sich vor Badehütten die Badegäste, auf alten Zeichnungen sind direkt vor dem Wörthseeblick Badeliegen zu erkennen, am Eingang, der heute mit einem Tor verschlossen ist, standen damals schon hohe Bäume. In den 50er-Jahren betrieb eine Kosmetik-Firma im Wörthseeblick ein Ferienheim für Mitarbeiter, in den 70ern hatte die CSU Räume im Wörthseeblick. Der Fischereiverein Pilsensee-Wörthsee mietete von 1973 bis 1984 Räume im Wörthseeblick.
Schon 1930 war das Haus in den Besitz der jetzigen Eigentümer übergegangen. Damals stand das Gebäude noch auf Etterschlager Grund, erst mit der Eingemeindung 1972 wurde aus den Dörfern Steinebach, Etterschlag, Walchstadt, Auing und Schluifeld die Gemeinde Wörthsee. Viele Jahre war der Wörthseeblick eine Gastwirtschaft mit Fremdenzimmern. Letzte Vermietungen fanden bis 2011 statt, die damalige Pächterin des Wörthseeblicks vergab die Zimmer an Obdachlose. Allerdings war das Gebäude da schon nicht mehr in guter Verfassung, und das Landratsamt forderte Verbesserungen beim Brandschutz. Damals lehnte der Gemeinderat den Bau von Wohnhäusern auf dem rund 4200 Quadratmeter großen Grundstück bereits ab. 1990 hatte der Gemeinderat die Vorgaben für das Grundstück in einem Bebauungsplan festgezurrt, nämlich als „Biergarten, Restaurant, Pension“.
Seit 2011 also gammelt der Wörthseeblick vor sich hin. Das Gelände ist zugewuchert und mit Vorhängeschlössern verriegelt, das Gebäude mittlerweile halb zerfallen. Zuletzt war der Wörthseeblick 2018 Thema im Wörthseer Gemeinderat. Besitzer und Gemeinde hatten sich bis dahin immerhin soweit geeinigt, auf dem Areal nicht ausschließlich Gastronomie zu planen, sondern auch Wohnbebauung. Dafür hätte die Gemeinde den Bebauungsplan auch geändert. Nun ging es aber gleich um rund 18 Wohnungen im hinteren Bereich, verteilt auf zwei, vier oder ein L-förmiges Gebäude mit bis zu drei Geschossen. Der vordere Bereich sei dann für die Wünsche der Gemeinde übrig geblieben. Dieser befindet sich jedoch im Landschaftsschutz. Gegen die Stimmen von CSU und Freien Wählern lehnte die Mehrheit die Planung ab. Es folgte eine Diskussion darüber, ob Gemeinderäte, die im engeren und weiteren Sinne Gastronomen sind, mitreden dürfen über dieses Projekt. Sie dürfen. Nur Bürgermeisterin Christel Muggenthal will zum Thema Wörthseeblick bis heute nichts sagen, weil sie im Umgriff des Bebauungsplans wohnt. Sie hat aber schon an anderer Stelle in einem anderen Zusammenhang erklärt: „Unerschwingliche Eigentumswohnungen auf Filetgrundstücken sind nicht das, was wir im Ort brauchen.“
Zumindest in öffentlichen Sitzungen ist es mit dem Wörthseeblick seither nicht weiter gegangen. „Uns liegt nichts vor zum Wörthseeblick“, bestätigt Christa Heintel. Der Dornröschenschlaf des von vielen auch als „Schandfleck mit Seeblick“ bezeichneten Wörthseeblicks dauert also an.