Seit dem Stadlfest in Frieding im Jahr 2024 halten sich hartnäckig Gerüchte über angebliche Vorfälle mit K.-o.-Tropfen. Veranstalter reagieren, wie kürzlich in Hechendorf, mit erhöhter Wachsamkeit. Der Herrschinger Polizei sind keine bestätigten Fälle bekannt.
Die Gerüchte halten sich seit gut einem Jahr hartnäckig. Beim Stadlfest in Frieding im Mai 2024 sollen zahlreiche Krankenwagen im Einsatz gewesen sein, da es Fälle von K.-o.-Tropfen auf dem Fest gegeben habe. Vereinzelt heißt es sogar, dass Kokain auf Tischen gesehen worden sein soll. Die Spekulationen machen noch immer die Runde – und führen zu erhöhter Wachsamkeit. So hängte der Pilsenseer Maibaum- und Burschenvereins anlässlich seines Stadlfestes kürzlich in der Nähe des Dosch-Stadls in Hechendorf ein Plakat auf, auf dem in roter Schrift stand: „Verbot von Marihuana und K.-o.-Tropfen“. Der Besitz von K.-o.-Tropfen werde als schweres Vergehen betrachtet und bei der Polizei zur Anzeige gebracht, war dort zu lesen. Maximilian von Dehn ist der Vorsitzende des Vereins. Er sagt auf Merkur-Anfrage: Das Schild hätten sie aufgehängt, um abzuschrecken und zu warnen. Es hing noch eine Woche später beim großen Doppeljubiläumsfest, das in Hechendorf gefeiert wurde.
Die Friedinger Landjugend richtet ihr Stadlfest jährlich aus. Dass es 2024 Vorfälle mit K.-o.-Tropfen gegeben haben soll, dementierte Vorsitzender Marcus Essig entschieden. „Das stimmt nicht. Da sind Gerüchte herumgegangen“, sagt er. Zwar habe es im vergangenen Jahr einige Fälle gegeben, bei denen Besucherinnen und Besucher des Fests ärztlich behandelt werden mussten, das habe allerdings am Alkohol gelegen. „Wir hatten letztes Jahr viele Alkoholgeschädigte.“ Beim Stadlfest heuer sei deshalb vorsorglich ein zweites BRK-Team im Einsatz gewesen. „Aber es ist alles super gelaufen“, betont Essig.
Die Gerüchte über K.-o.-Tropfen auf dem Stadlfest in Frieding 2024 sind auch bei der zuständigen Polizeiinspektion in Herrsching angekommen. „Mich hat das sehr gewundert, deswegen habe ich selbst noch recherchiert“, sagt Inspektionsleiter Winfried Naßl. Ergebnis: Polizeilich seien keine Vorfälle bekannt. „Da ist nichts dran“, betont der Polizeihauptkommissar – und bestätigt die Aussagen von Landjugend-Chef Marcus Essig. Dass mehrere Krankenwagen im Einsatz gewesen seien, habe an einer anderen Droge gelegen, erklärt Naßl und sagt: „Die Droge heißt Alkohol.“
Auch Maximilian von Dehn aus Hechendorf kennt keinen einzigen Fall. „Ich habe nichts davon mitbekommen“, sagt der Vorsitzende des Pilsenseer Maibaum- und Burschenvereins. Auch auf dem Stadlfest in Hechendorf vor knapp zwei Wochen sei alles ruhig gewesen. Am morgigen Samstag, 24. Mai, steht das Stadlfest in Machtlfing im Kalender. Dort werde „wie immer beim Einlass in die Taschen geschaut“, sagt Markus Sontheim, der Vorsitzende des dortigen Burschenvereins. „Bei uns in Machtlfing lief bisher immer alles ohne Probleme.“ Das Fest beginnt um 19 Uhr. Die Band Manyana tritt auf, dazu gibt es Barbetrieb und einen DJ.
Unter K.-o.-Tropfen fallen verschiedene Substanzen, wobei K.o. für „Knock out“ steht, also „außer Gefecht setzen“. K.-o.-Tropfen werden meist unbemerkt in Getränke gemischt. Besonders tückisch: Die meisten dieser Substanzen sind geruchs-, geschmacks- und farblos. Es handelt sich um GBL (Gamma-Butyrolacton), ein industrielles Lösungsmittel, das im Körper schnell zu GHB (Gammahydroxybuttersäure) umgewandelt wird – einem Betäubungsmittel. Zwar ist der Missbrauch von GBL in Deutschland strafbar, doch da es nicht dem Betäubungsmittelgesetz unterliegt, lässt es sich noch einfach kaufen. Bundesgesundheitsministerin Nina Warken will den Handel und den Vertrieb von K.-o.-Tropfen künftig verbieten und unter Strafe stellen.