Militärgespräche zwischen Russland und USA wiederbelebt: Hoffnung auf Deeskalation

  1. Startseite
  2. Politik

Kommentare

Flagge der Vereinigten Staaten von Amerika und Russlands (Symbolbild). © Sofiia Potanina/Imago

Washington und Moskau nehmen den Dialog wieder auf. Dies könnte zu mehr Transparenz führen. Die europäische Reaktion bleibt abzuwarten. Eine Analyse.

Washington DC / Moskau – Die Vereinigten Staaten und Russland werden den hochrangigen militärischen Dialog wieder aufnehmen, der kurz vor der Invasion der Ukraine 2022 ausgesetzt worden war, wie Regierungsvertreter am Donnerstag mitteilten. Dies ist ein weiteres Zeichen dafür, dass die Trump-Regierung eine Normalisierung der Beziehungen zu Moskau vorantreibt – auch wenn ein wichtiges Atomwaffenabkommen zwischen beiden Mächten ausgelaufen ist.

Am Donnerstag endete der New START-Vertrag, der die Anzahl und Arten von Atomwaffen begrenzt, die beide Staaten unterhalten dürfen. Präsident Donald Trump forderte daraufhin ein „neues, verbessertes, modernisiertes“ Abkommen, das lange Bestand haben könne.

The Washington Post vier Wochen gratis lesen

Ihr Qualitäts-Ticket der washingtonpost.com: Holen Sie sich exklusive Recherchen und 200+ Geschichten vier Wochen gratis.

Beide Entwicklungen überschnitten sich mit den jüngsten Bemühungen, den inzwischen vier Jahre andauernden Konflikt in der Ukraine zu beenden. Die Entscheidung, die Militärgespräche zwischen Washington und Moskau wieder aufzunehmen, sei laut einem US-Beamten ein direktes Ergebnis der Friedensverhandlungen. Diese haben bislang noch keinen Durchbruch erzielt, der die Kämpfe stoppen könnte. US-russische Kontakte in den vergangenen Tagen eröffneten eine neue Möglichkeit für weiteren Austausch, sagte der Beamte.

Der Kreml äußerte sich nicht offiziell zur Wiederaufnahme der Militärgespräche. Die russische Botschaft in Washington reagierte zunächst nicht auf eine Anfrage.

Atomwaffenvertrag und aktuelle Risiken

Das Auslaufen des Atomvertrags bereitet Abrüstungsexperten Sorgen, die eine neue, destabilisierende Rüstungsspirale fürchten – insbesondere durch einen Ausbau von Kurzstreckenwaffen und potenziell neuen Einsatzmöglichkeiten, auch im Weltraum. Trump hat zudem angedeutet, dass in Zukunft ein US-Kriegsschiff als Plattform zum Abschuss von Atomraketen dienen könnte.

Vorerst gebe es von keiner Seite die Zusage, sich an die Bedingungen des ausgelaufenen Vertrags zu halten, sagte die Pressesprecherin des Weißen Hauses, Karoline Leavitt, am Donnerstag gegenüber Reportern. Ihr russischer Kollege Dmitri Peskow erklärte: „Alles hängt davon ab, wie sich die Ereignisse entwickeln“. Russland werde „seinen verantwortungsvollen Ansatz zur strategischen Stabilität bei Atomwaffen, geleitet vor allem von den nationalen Interessen, beibehalten.“

Die USA hatten den militärischen Austausch mit Russland Ende 2021 eingestellt, als der Kreml eine große Streitmacht an die Grenze zur Ukraine verlegte.

Seitdem haben sich die Beziehungen verschlechtert: Die USA und ihre europäischen Partner stellten der Ukraine moderne Waffensysteme bereit, um sich zu verteidigen. Russland reagierte mit Atomwaffendrohungen und aggressiven Angriffen auf die zivile Infrastruktur in der Ukraine.

Trump hat versprochen, den Konflikt zu beenden. Seine Annäherungsversuche an Russlands unberechenbaren Präsidenten Wladimir Putin haben wenig Fortschritt gebracht. Die jüngsten Verhandlungen in den Vereinigten Arabischen Emiraten erbrachten ebenfalls keine Durchbrüche, obwohl Russland und die Ukraine einen Gefangenenaustausch vereinbarten.

Kommunikation und Interessen der Parteien

Während der Konfrontation zwischen Washington und Moskau hielten beide Seiten eine Hotline offen – zeitweise standen hochrangige US-amerikanische und russische Militärs in Kontakt.

Die Wiederaufnahme des regelmäßigen Austauschs ermöglicht Moskau, mit Washington über Sicherheitsthemen jenseits des Ukraine-Kriegs zu sprechen. Dies birgt das Risiko, die europäischen Führungskräfte weiter zu verärgern, die Trumps Politik gegenüber Putin mit Sorge sehen.

Für Moskau könnte dies zudem ein günstiger Zeitpunkt sein. Russland „ist angesichts wirtschaftlicher und verteidigungsindustrieller Einschränkungen nach Jahren des Krieges in der Ukraine nicht gut für einen Wettbewerb bei strategischen Atomstreitkräften aufgestellt“, sagte Michael Kofman, Senior Fellow im Russland- und Eurasien-Programm der Carnegie Endowment for International Peace.

US-Militärvertreter erklärten in einer Mitteilung, der wiederaufgenommene Dialog werde von General Alexus G. Grynkewich, Leiter des U.S. European Command, und seinen russischen Kollegen geführt. Ziel sei es, „mehr Transparenz und Deeskalation zu schaffen.“

Die Wiederaufnahme des offiziellen Austauschs bedeute, dass ein formeller Rahmen und Zeitplan für den Kontakt zwischen beiden Streitkräften geschaffen werde – ähnlich wie die USA dies inzwischen auch mit China eingerichtet haben. So können etwa Beinahezusammenstöße zwischen chinesischen und US-Schiffen oder Flugzeugen und andere sicherheitsrelevante Fragen besprochen werden.

„Das ist ein weiteres Zeichen dafür, dass Trump, wie auch gegenüber China, versucht, die Beziehungen zwischen Großmächten mit Russland wieder zu normalisieren und militärische Kontakte voranzutreiben“, sagte der pensionierte Konteradmiral Mark Montgomery, Senior Director der Foundation for the Defense of Democracies.

Abbakumova berichtete aus Riga, Lettland. Michael Birnbaum in Washington und Catherine Belton in London haben zu diesem Bericht beigetragen.

Zu den Autoren

Tara Copp ist nationale Reporterin mit dem Schwerpunkt Militär und nationale Sicherheit. Sie hat US-Militäreinsätze weltweit begleitet.

Natalia Abbakumova ist Researcherin beim Moskauer Büro der Washington Post.

Dieser Artikel war zuerst am 5. Februar 2026 in englischer Sprache bei der „Washingtonpost.com“ erschienen – im Zuge einer Kooperation steht er nun in Übersetzung auch den Lesern der IPPEN.MEDIA-Portale zur Verfügung.

Информация на этой странице взята из источника: https://www.merkur.de/politik/usa-und-russland-nehmen-hochrangige-militaergespraeche-wieder-auf-zr-94157457.html