Der aktuell wohl prominenteste Häftling der Welt hat es vom Busfahrer zum Präsidenten Venezuelas gebracht – und von dort in die Haftanstalt Metropolitan Detention Center. So steil der Aufstieg für Nicolás Maduro war, so brutal fiel auch der Absturz aus.
Die Zustände in dem New Yorker Gefängnis gelten als desaströs. Das Hochhaus trägt den Beinamen "Die Hölle auf Erden": Messerstechereien, Misshandlungen, Vergewaltigungen auch durch Beamte, verdorbenes Essen – die Liste der Vorwürfe ist lang. Haft heißt dort: Strafe.
Ganz anders in Deutschland. Hier hat der sogenannte moderne Strafvollzug die Aufgabe, eine gesellschaftliche Wiedereingliederung möglich zu machen, für möglichst viele Gefängnisinsassen eine Resozialisierung zu leisten und Gefangene auf ein Leben nach der Haft vorzubereiten. Das ist der Anspruch. Und die Wirklichkeit?
Frauenknast in Frankfurt: "Dieser Ort hat mich gerettet"
"Zwischen Zelle und Zukunft" heißt die Reportage, bei der die ARD uns Zuschauer mitnimmt in den "Frauenknast in Frankfurt". Wir lernen Tuba kennen. "Ich war einfach ziellos", sagt die Insassin, "erst hier drin bin ich zur Ruhe gekommen." Das klingt sehr positiv.
Allerdings: Tuba hat drei Menschen getötet – aus Habgier. Zuerst einen Mann, einen Monat später zwei ihr unbekannte Frauen.
Da ist Ziellosigkeit eine eher, sagen wir: zurückhaltende Umschreibung. Und so geht es weiter. "Es macht mich immer noch traurig, dass es so weit gekommen ist und ich in Haft gekommen bin." Oder auch: "Es tut mir leid. Ich kann’s leider nicht rückgängig machen. Ich muss mit meiner Vergangenheit klarkommen." Und schließlich als ein sehr positives Fazit: "Ich kann nur für mich sprechen, dass mich dieser Ort hier gerettet hat."
Die ARD bekennt sich zur Einseitigkeit
Das ARD-Team ist sich der Einseitigkeit bewusst. Gleich zu Beginn bekennt man sich dazu, sich auf die Täterinnen zu konzentrieren – nicht auf die Opfer. Die Beschränkung wird noch spürbarer.
Nur fünf Prozent der Inhaftierten in Deutschland sind Frauen. 260 Insassinnen leben im Frankfurter Frauengefängnis, zwei von ihnen in Sicherungsverwahrung. Für sie geht nicht mehr nur ums Verbüßen einer Strafe. Vor ihnen soll die Gesellschaft geschützt werden – weil sie zu gefährlich sind. Eine der beiden ist Angel. Auch sie tritt vor die Kamera.
Angel hat von den 44 Jahren ihres Lebens 21 im Gefängnis verbracht. "Was ich gemacht habe, war nicht richtig", gibt sie zu, "ich habe Menschen weh getan". Das ARD-Team lehnt sich ziemlich weit aus dem Fenster, wenn es schlicht feststellt: "Vor fünf Jahren hat Angel sich verändert." Oder auch: "Der Knast hat ihr geholfen, sich zu verändern." Sie selbst versichert, hart an einem neuen Leben zu arbeiten – weg von den Drogen, weg von der Aggression, Therapie.
Das Gefängnis soll nicht zusätzlich strafen
Auch die Dreifachmörderin Tuba wirkt nett, wenn sie in der Küche mit dem Messer in der Hand Kartoffeln schält. In ihrer Neun-Quadratmeter-Zelle häkelt sie mit Leidenschaft Kinderkleidung Und doch gibt zu: "Ich habe die Sorge für die Zukunft, dass ich draußen nicht zurechtkommen werde."
Solche Bedenken bekommen wir häufiger von den Insassinnen zu hören. Beispiel Marion, 59, noch nie in einem festen Arbeitsverhältnis. Sie arbeitet in der Wäscherei. Und sie weiß: "Man hat halt immer wieder Hoffnung, wenn man hier ist, da hat man sich stabilisiert, dass man dann auch das Leben draußen auf die Reihe kriegt – das wäre das Ziel. Aber Du kommst dann raus und hast das alles vergessen. Es macht mir Angst, so schnell wieder in die alten Strukturen reinzufallen." Die Angst ist berechtigt. Mehr als die Hälfte der Strafgefangenen in Deutschland wird nach der Entlassung wieder rückfällig.
Zwischen 12,50 Euro und 18 Euro pro Tag verdienen die Frauen mit ihrer Arbeit im Gefängnis. Der Fernseher kostet 15 Euro pro Monat. Wie sagt JVA-Leiterin Nora Stan-Albrecht: "Das Gefängnis ist keine Institution, um zusätzlich zu strafen." Jede Wette: Das sieht US-Präsident Donald Trump im Fall Maduro völlig anders.