Eine mögliche Erweiterung der KIM ins ehemalige Antennenfeld hinein ist in Krailling weiter umstritten. Der Gemeinderat will keine weiteren Entscheidungen treffen, bis Flächen für den nötigen ökologischen Ausgleich gefunden sind.
Auf der Suche nach neuen Gewerbeflächen hat die Gemeinde Krailling schon seit Längerem das sogenannte Antennenfeld östlich der Lise-Meitner-Straße am Rand des Gewerbegebietes KIM ins Auge gefasst. Nachdem die Bauverwaltung im Rathaus zuletzt untersucht hatte, welche Entwicklungsmöglichkeiten hier bestehen, hat der Gemeinderat nun die weiteren Planungen auf Eis gelegt. Zunächst solle eine entscheidende Frage geklärt werden, nämlich, ob überhaupt Flächen für eine Aufforstung zu finden sind. Denn das Antennenfeld liegt im Bannwald, und wenn hier für Unternehmensansiedlungen gerodet werden soll, muss in der näheren Umgebung neuer Wald aufgeforstet werden. Und nur wenn klar sei, ob dies überhaupt möglich sei, solle weiter geplant werden, hieß es aus mehreren Ratsfraktionen.
Die Verwaltung hatte in der Gemeinderatssitzung am Dienstag zwei Varianten für eine mögliche Erschließung des Antennenfeldes vorgestellt. Doch anders als vorgesehen, wollte das Gremium nicht darüber entscheiden, welche dieser Varianten nun weiter ausgearbeitet werden soll. Von mehreren Seiten gab es Kritik, nicht nur wegen der noch offenen Frage des Rodungsausgleichs, sondern auch wegen der Größe des Bereichs, den die Verwaltung in den Blick genommen hat.
Das Thema Antennenfeld polarisiert. Der ursprüngliche Plan war, sieben Hektar des insgesamt 22 Hektar großen Gebietes östlich der KIM für Gewerbe zu erschließen. Dazu sollte es im Oktober 2023 einen Bürgerentscheid geben. Der wurde jedoch abgeblasen. Im vergangenen Jahr erteilte der Gemeinderat der Verwaltung dann den Auftrag, die Möglichkeiten für eine kleinere Gewerbeerschließung auf nur 3,5 Hektar zu prüfen. Erste Untersuchungsergebnisse zu Verkehrsauswirkungen und Artenschutz wurden dem Gemeinderat im Mai dieses Jahres vorgestellt. Das Gremium beauftragte die Verwaltung mit einer Kostenaufstellung und mit der Suche nach Bannwald-Ausgleichsflächen. Gefunden werden müssen Äcker oder Wiesen in unmittelbarer Umgebung, die aufgeforstet werden können.
Am Dienstagabend legte die Bauverwaltung nun die gewünschte Kostenaufstellung vor, allerdings in zwei Varianten: für 3,5 Hektar und für sieben Hektar. Dies sorgte bei CSU-Fraktionssprecher Hans Wechner für Unmut. Er erinnerte daran, dass der CSU-Antrag, auf den der Prüfauftrag zurückging, vorsah, nur eine Fläche zu untersuchen, die ohne neue Erschließung auskomme. Beide vorgestellte Varianten enthielten allerdings eine neue Erschließungsstraße. Stephan Bock (SPD) monierte, dass nun wieder eine Variante größer als 3,5 Hektar ins Gespräch gekommen sei.
Bürgermeister Rudolph Haux verteidigte, dass die Verwaltung dies trotzdem mit geprüft habe. „Wir befolgen den Beschluss zu prüfen, was möglich ist. Und angesichts der finanziellen Situation der Gemeinde halte ich es nicht für falsch, auch eine Variante zu prüfen, die vielleicht am Ende auch etwas mehr Gewerbesteuereinnahmen einbringt.“ Andrea Schulte-Krauss fragte, ob die Bannwald-Ausgleichsflächen schon gefunden seien. Haux berichtete, dies werde gerade geprüft. „Eventuell können wir schon im September etwas vorlegen.“ Doch Schulte-Krauss forderte, alle weiteren Entscheidungen zu vertagen, bis diese Frage geklärt sei. Auch Mathias Walterspiel (CSU) sagte: „Das bayerische Waldgesetz ist bei dem Vorhaben die Achillesferse. Es ist sehr strikt, und einen Ausgleich hinzukriegen, wird nicht einfach. Das sollte bitte zuerst geklärt sein.“
Bauamtsleiter Sebastian Beel entgegnete, die Verwaltung habe nach dem Auftrag des Gemeinderates gehandelt. Nicht mehrere anstehende Fragen parallel zu bearbeiten, werde das Projekt eben weiter verzögern.
Letztlich wurde eine Beschlussfassung über die Weiterverfolgung einer der beiden vorgestellten Varianten abgesetzt. Die vorgestellte Prüfung hatte übrigens ergeben, dass die Kosten für Planung, Erschließung und Bannwaldausgleich für 3,5 Hektar neuer Gewerbefläche etwa 6,1 Millionen Euro betragen würden. Den Verkaufserlös für die Gemeinde schätzt die Verwaltung auf etwa 6,8 Millionen Euro. Bei einer Fläche von sieben Hektar wären Kosten und Erlös jeweils doppelt so hoch.