Das Ende des Kreispflegeheims

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Das Kreispflegeheim ist Geschichte. Nun fällt die Immobilie an die Gemeinde zurück und soll abgerissen werden. © Arndt Pröhl

Das Kreispflegeheim in Lenggries existiert so nicht mehr, die Bewohner sind gerade in den von der Caritas betriebenen Neubau eingezogen. Dennoch war die Einrichtung jetzt nochmal Thema im Kreistag - es ging um‘s Geld.

Lenggries - Denn zum Drei-Millionen-Euro-Defizit der Kreisklinik im vergangenen Jahr kommen noch knapp 1,9 Millionen Euro Miese vom Kreispflegeheim hinzu, das bislang zur Klinik gehörte. Allerdings liege dieses „unglaublich schlechte Ergebnis“, so Klinik-Geschäftsführer Ingo Kühn, an „einer Sonderabschreibung und Rückstellungen“.

„Sehr schwierige Verhandlungen“ mit der Caritas

Ein wesentlicher Teil des Gebäudes musste entsprechend abgeschrieben werden. Eigentlich hätte es die Gemeinde Lenggries zum Zeitwert übernehmen müssen. Allerdings hatte der Kreistag seinerzeit in der Debatte übers Kreispflegeheim festgelegt, dass die Gemeinde nur zahlen muss, wenn das Gebäude weiter genutzt werden kann. Tatsächlich muss es aber abgerissen werden. Damit gibt es kein Geld, der Landkreis muss aber den Anlage-Verlust bei der Kreisklinik ausgleichen – und zwar auf einen Schlag.

In der Kreistagssitzung ging Kühn auch nochmal auf die zum Teil „sehr schwierigen“ Verhandlungen mit der Caritas ein. Im Mittelpunkt stand die Übernahme des Personals mit einer dynamischen Besitzstandswahrung. Sprich: Die Mitarbeiter müssen weiterhin so bezahlt werden, als wären sie im Öffentlichen Dienst angestellt – inklusive aller künftigen Tariferhöhungen. Sollte die Caritas weniger bezahlen oder eine schlechtere Altersvorsorge haben, muss der Landkreis das ausgleichen – und zwar bis zum Renteneintritt oder bis zur Kündigung. So hatte es der Kreistag 2018 beschlossen. Auch die Übernahme des Personals war eigentlich vereinbart.

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Allerdings habe die Caritas die Lage anders bewertet. Demnach handelte es sich nicht um einen klassischen Betriebsübergang. Zudem verfügt das neue Heim über keine Küche. „Daher bestand die Frage, was mit den Küchenmitarbeitern passiert“, sagte Kühn. Am Ende fand man eine gute Lösung. Fast alle Mitarbeitenden wurden übernommen, alle Erfahrungsstufen seien anerkannt worden. Der Einsatzort Lenggries sei garantiert. Und auch die dynamische Besitzstandswahrung gelte bis zum letzten Tag. Den Küchenmitarbeitern habe die Caritas an anderen Standorten Alternativen angeboten, andere kamen in der Kreisklinik unter. Drei Mitarbeiter hätten ein Abfindungsangebot angenommen, andere wechselten in die Hauswirtschaft. „Auch hier gleichen wir die schlechteren Bedingungen bis zum letzten Tag aus“, so Kühn. „Unterm Strich heißt das: Wir haben menschlich fair gehandelt, juristisch fundiert. Wir haben die Probleme gelöst. Der Landkreis lässt die Menschen nicht im Regen stehen.“

Applaus im Kreistag

Landrat Josef Niedermaier (FW) bedankte sich bei Ingo Kühn. „Das Verhalten des Verhandlungspartners war extrem schwierig und manchmal auch nicht nachvollziehbar. Sie haben Ruhe bewahrt und das hingebracht“, sagt er zu Kühn. Der Kreistag spendete Applaus. Der Übergang an die Caritas erfolgte zum 1. August. Nun werde das alte Pflegeheim noch geräumt und dann der Gemeinde übergeben. Der Abriss des Altbaus ist eigentlich beschlossene Sache. Allerdings regte sich zuletzt aus den Reihen der Lenggrieser Grünen Widerstand. Dort plädiert man für einen Erhalt des alten Krankenhauses. Die Gemeinde ließ noch einmal ein Gutachten erstellen, das aufzeigen soll, mit welchem Aufwand (wenn überhaupt) eine Nachfolgenutzung des aus dem 19. Jahrhundert stammenden Gebäudes möglich ist. Dieses wird voraussichtlich in der Gemeinderatssitzung Ende August behandelt.

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