Wirtschaftsschule ab der 5. Klasse: Harte Prüfung für die Mittelschule

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Für die Viertklässler startet im September mit dem Übertritt ein neues Schulkapitel: Bald soll es dann direkt an der Wirtschaftsschule weitergehen können. © Sebastian Gollnow/dpa

Pläne der Staatsregierung, die Wirtschaftsschule ab der 5. Klasse zu öffnen, werden konkreter. Während die Katholische Erziehergemeinschaft (KEG) vor negativen Folgen für Mittelschulen warnt, ist die Freisinger Wirtschaftsschule vom Konzept überzeugt.

Freising – Die KEG Bayern warnt davor, dass „Bayern mit dem Schritt, die Wirtschaftsschule bereits ab der 5. Klasse zu öffnen, zunehmend unsere elementar wichtigen Mittelschulen schwächt“. Diese Entscheidung schwäche wieder einmal die allgemeinbildenden Schulen, besonders aber Mittelschulen mit ihrem erstklassigen Klassleiterprinzip. Zudem dürfe ein Ausbau der Wirtschaftsschule nicht auf Kosten der Allgemeinbildung oder der pädagogischen Qualität geschehen.

Freisinger Wirtschaftsschule teilt Bedenken nicht

Diese Bedenken hat man in der Freisinger Wirtschaftsschule nicht. Und Schulleiter Johann Müller weiß, wovon er spricht, ist seine Schule doch eine der Einrichtungen, in denen dieses neue Modell seit September als Schulversuch durchgeführt wird. Elf Schüler habe man derzeit in der 5. Klasse, rühre für nächstes Schuljahr auch schon kräftig die Werbetrommel. Die Lehrkräfte seien geschult, weil man Seminarschule sei, die Räumlichkeiten seien kein Problem, Räume habe man genug. Gründe genug, so Müller, dass der Kreis Freising als Sachaufwandsträger zugestimmt habe, an diesem Versuch teilzunehmen.

Die Unterrichtsschwerpunkte liegen laut Müller auf Deutsch, Mathematik und Englisch, kaufmännische Themen spielen noch eine untergeordnete Rolle. Eher gehe es um die Vermittlung von „life skills“, also Lebenskompetenzen wie Resilienz und Selbstorganisation. Weil die jungen Schülerinnen und Schüler die Atmosphäre „beleben“, wie es Müller ausdrückt, profitiere die ganze Schulfamilie davon.

Skepsis aus den Reihen der Mittelschulen, wie sie die KEG äußert, habe er nicht bemerkt. „Die Mittelschulen sehen das sehr entspannt.“ Und auch die Realschulen, die diese Entwicklung genau verfolgten, hätten bisher von keinen Problemen berichtet. Beide Schularten hätten genug Schüler für den ungefährdeten Fortbestand. Ansonsten hätte wohl auch der Landkreis der Teilnahme an dem Schulversuch nicht zugestimmt, so Müller. 

Schulrat: Zusätzliches Konkurrenzangebot

Thomas Dittmeyer, Schulrat und stellvertretender Leiter des Schulamts Freising, betont, es wäre interessant zu wissen, welche Schüler für das laufende Schuljahr von der Grundschule in die 5. Klasse der Wirtschaftsschule übergetreten sind und vor allem auch, „ob diese eine Entscheidung zwischen der Mittelschule und der Wirtschaftsschule getroffen haben oder zum Beispiel zwischen der Realschule und der Wirtschaftsschule“.

Grundsätzlich sehen laut Dittmeyer die Mittelschulen die Sache ähnlich wie die KEG: „Natürlich stellt das Angebot einer 5. Klasse der Wirtschaftsschule ein zusätzliches Konkurrenzangebot für unsere Mittelschulen – und auch für die Realschulen – dar. Wir sind vom Konzept der Mittelschulen als allgemeinbildende Schule überzeugt und auch vom dort etablierten Klassenleiterprinzip. Begeistert ist man seitens der Mittelschulen daher nicht über diese Entwicklung.“

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